09. Januar 2026, von Albrecht Künstle
– Das volkswirtschaftliche Problem mit der „Kapitaldeckung“
– Eine Vergleichsrechnung, welches System die Nase vorn hat…
In meinem Artikel von Montag zum Rententhema ging es um den Aspekt der Betrieblichen Altersversorgung zur Altersvorsorge. Dieser Beitrag ist nun dem grundsätzlichen Problem der kapitalgedeckten Altersversorgung gewidmet. Letztere wird immer mehr präferiert – auch, weil der deutschen Rentenversicherung ja gewissermaßen schon seit “ewig” der Tod prophezeit wird. Bereits 1985 verbreitete der “Spiegel” die Schlagzeile: „Dieses System ist bankrott!“. Die „Qualitätsmedien“, aber auch alternative Medien, führen als Beweis für diesen angeblichen Bankrott die Milliardenzuschüsse des Staates an die Rentenversicherung an. Dabei fließen etliche dieser Milliarden – rund ein Viertel – in versicherungsfremde Leistungen, die der Gesetzgeber nach und nach über die Jahre missbräuchlich auf die Rentenversicherung übertrug. Als Bismarck die Rentenversicherung einführte, betrug der Zuschuss noch 33 Prozent; 1957 legte der Gesetzgeber 30 fest, heute sind es rund 25 Prozent für allgemeine Leistungen, plus 5 Prozent für die Einführung und Gewährung von Kindererziehungszeiten.
Nun will der Staat vermehrt Zuschüsse für kapitalgedeckte Anlagen zur Altersversorgung leisten. Weil man Geld kaum doppelt verbraten kann (es sei denn, man hat das bei BlackRock gelernt), gehen solche Zuschüsse leider zu Lasten öffentlicher Investitionen, die dann zurückgefahren werden müssten. Bei Zuschüssen an die Rentenversicherung fließt dieses Geld umlagefinanziert im gleichen Jahr – nach dem Motto Steuern rein, Zuschuss raus – in den Wirtschaftskreislauf zurück. Die Zuschüsse sind besonders nachfragewirksam, weil Renten größtenteils wieder ausgegeben werden. Steuerfinanzierte Zuschüsse zur betrieblichen und privaten Altersvorsorge werden aber erst in durchschnittlich 30 Jahren (halbe Erwerbs- beziehungsweise Ansparzeit plus halbe Rentenbezugsdauer) oder sogar noch später wieder ausgegeben.
Weitverbreitete Irrtümer
Die Aktuare der Anbieter kapitalgedeckter Altersvermögen, die mit Eigenleistungen und staatlichen Zuschüssen aufgebaut werden, haben ein Problem. Sie sind nicht nur allgemeinen Schwankungen der Finanzmärkte ausgesetzt, sondern sie müssen kurzfristige Renditeerwartungen für Beiträge der letzten Jahre des Altersvorsorgesparens mit langfristigen Erwartungen frühzeitiger Vorsorgesparer unter einen Hut bekommen. Dasselbe gilt für die Sonderwünsche der Anleger – zum Beispiel „Nachhaltigkeit“, kein Geld für fossile Energiewirtschaft, nur „klimaneutrale Aktien“, keine Anteilsscheine von Firmen aus „Schurkenstaaten“ und so weiter. Nach der Einbehaltung von 0,5 Prozent (?) Provisionen für die Vermittler und 1,5 Prozent für die Fondsverwaltung und die Manager von BlackRock & Co., und unter Berücksichtigung der (von der Europäischen Zentralbank gewollten) Inflation von zwei Prozent, müssten sie auch langfristig eine Nominalverzinsung von mindestens 4 Prozent erwirtschaften. Damit haben die Vorsorgesparer aber nichts gewonnen, sondern nur Geld gewechselt. Eine Kapitalerhaltungsgarantie durch die Anlagegesellschaften wird deshalb immer seltener. Wenn doch, dann zu Lasten der Rendite wegen der Zusatzkosten der Kapitalabsicherung.
Es ist auch ein weitverbreiteter Irrtum, dass Geld, welches in Aktien und Fonds fließt, den tatsächlichen Wert der Aktiengesellschaften und anderer Anlagen erhöht. Der Realwert entspricht dem Wert der Neuemission (Ausgabekurs mal Anzahl der Aktien), wenn eine Firma an die Börse geht und Aktien erworben werden. Und dem zusätzlichen Wert bei einer späteren Kapitalerhöhung, solange auch das Anlagevermögen erhöht wird und die Aktie nicht „verwässert“ wird. Die ganzen Gelder, die in den Aktienmarkt fließen und die Kurse erhöhen, sind Scheingewinne, die erst bei einem erfolgreichen Verkauf realisiert werden; Näheres siehe hier: „Üblicherweise übersteigt die Marktkapitalisierung eines Unternehmens den Buchwert bei weitem, weil Unternehmen an der Börse danach bewertet werden, welche Gewinne von ihnen in Zukunft erwartet werden, nicht jedoch danach, inwieweit die aktuellen Vermögenswerte des Unternehmens seine Verbindlichkeiten und Rückstellungen übersteigen. Gibt es bezüglich der Gewinnerwartungen einer ganzen Branche zu optimistische Einschätzungen, dann kann die Marktkapitalisierung auch von kleinen Unternehmen sehr hoch sein; bei der Dotcom-Blase war dies der Fall.“
Langfristig sind wir alle tot…
Auch bei Wirecard beruhte die Aktienhausse auf einem Luftschloss, sprich: auf Geld, das es nicht gab. Und auf solch einem Mechanismus soll das Geschäftsmodell für eine durchschnittlich 30 Jahren entfernten Zukunft gebaut, darauf also soll vertraut werden? Ist die „Kapitaldeckung“ dann überhaupt noch vorhanden? Ist dies nicht ein Kartenhaus, das zudem auf Sand gebaut ist? KfW-Chefvolkswirt Dirk Schumacher wiegelte in einem Interview mit “meiner” hiesigen Regionalzeitung ab, man müsse eben „Altersvorsorge mit Innovation verknüpfen“ und der Anlagehorizont müsse nur lange genug sein. “Lange genug” ist das Stichwort: langfristig sind wir alle tot – und brauchen keine Altersversorgung mehr.
Zum Abschluss eine Vergleichsrechnung zur Leistungsfähigkeit der beiden Systeme: Einmalig 1.000 Euro Beitrag in die Gesetzliche Rentenversicherung (entsprechend 5.376,34 Euro Bruttoverdienst) einbezahlt erbringt eine Jahresrente von rund 50,70 Euro (Bruttoverdienst durch Durchschnittsverdienst aller Versicherten mal Aktueller Rentenwert mal 12). Die Renten werden an die Einkommensentwicklung angepasst und dynamisiert. Bei 3 Prozent Erhöhung sind das etwa bei einem Rentenbeginn in 20 Jahren 91,57 Euro im ersten Rentenjahr. Bei 20 Jahren Rentenbezug wären das bei weiterer Dynamisierung von 3 Prozent – 1 Prozent über dem Inflationsziel der EZB –, insgesamt also 2.461 Euro Rente für den Beitrag von 1.000 Euro vor 30 Jahren.
Nun fragen Sie Ihren Politiker und Anlageberater, ob diese eine solche Ablaufleistung wie die Gesetzliche Rentenversicherung, einschließlich des vollen Schutzes bei Erwerbsminderung (!) und zusätzlich einer etwaigen Hinterbliebenenrente, für nur 1.000 Euro Beitrag garantieren werden?! Eine seriöse Bank würde für die bekannt vagen Offerten der Anbieter von Produkten einer kapitalgedeckten Altersversorgung wahrscheinlich keinen Cent Kredit gewähren…
Im nächsten Beitrag zum Thema wird es um die populistische Forderung gehen, die Beamten in die Rentenversicherung einzubeziehen und zu glauben, damit werde gut – und wie dieser Plan dennoch technisch umsetzbar wäre.
Vorbehalt: Falls in diesem Artikel Strafbares enthalten sein sollte, distanziere ich mich prophylaktisch von solchen Unrechtsgrundlagen bzw. der Justiz, die darin evtl. Strafbares erkennen will.
Dieser Artikel ist ohne „KI“ ausschließlich mit Künstle-Intelligenz 😊 erstellt; zuerst hier https://ansage.org/rentenreform-2026-das-volkswirtschaftliche-problem-mit-der-kapitaldeckung/ erschienen.
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.
Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts
Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/
Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.
Hier der Link zur Rezension des Buches:
https://www.manova.news/artikel/die-nieten-festnageln Im Januar und