Von Christian Hamann
Am 1. Mai dieses Jahres schickte mir Christian Hamann eine interessante Mail, der die falsche Herangehensweise und den falschen Umgang mit militärischen Krisen insbesondere der USA kritisch beleuchtete. Ich stimmte ihm größtenteils zu. Die Intention Israels und der USA bei diesem Krieg sehe ich jedoch anders.
Vorab meine Reaktion nach dem Lesen des Artikels von Christian.
Hi Christian,
ein guter und treffender Artikel, den ich – bis auf ein paar „Kleinigkeiten“ und insbesondere die Intention der USA und Israels für den völkerrechtswidrigen Angriff auf den Iran – größtenteils befürworte. Die Befreiung des iranischen Volkes vom islamistischen Regime und das Errichten einer Demokratie im Iran interessiert diese beiden angriffskriegführenden Imperialisten nicht einmal sekundär. Den USA geht es in meinen Augen um zwei Ziele: die Kontrolle über das Öl – und das nicht nur im Iran (siehe Venezuela), um andere Staaten wieder erpressbar zu machen –, und zum anderen um die Verhinderung eines erstarkenden Eurasiens. Der Iran spielt in diesem Zusammenhang aufgrund seiner geografischen Lage, seiner Rohstoffe und auch seiner Größe eine Schlüsselrolle. Israel unter der Führung des Kriegsverbrechers und Kindermörders Benjamin Netanjahu möchte einen Gegner unschädlich machen, der die expansiven, imperialistischen Pläne Israels durchkreuzt. Vielleicht erinnerst du dich an den Event im September 2023, als Netanjahu mit seiner Karte von „Großisrael“ bei der UN-Vollversammlung auftauchte. Auf dem von ihm als Israel gekennzeichneten Bereich waren weder das Westjordanland noch der Gazastreifen eingezeichnet. Das löste zurecht weltweite Empörung aus und rückt diesen erneuten militärischen Schlag Israels gegen den Iran – zu dem auch Donald Trump von Israel verführt wurde – ins rechte Licht.
Ich würde den Artikel mit seinen 2 Teilen bringen, aber nur mit dieser meiner Sichtweise im Vorfeld.
Dir ein angenehmes Wochenende.
Beste Grüße
Die Antwort von Hamann darauf:
Hi Uwe,
ja danke! Gerne kannst und sollst Du Deinen Standpunkt vorweg oder hinten dran dazu einfügen!
Es ist eine neue Angriffswelle angekündigt. Es gibt folglich keinen besseren Zeitpunkt für eine an die Substanz gehende Kritik an diesem Militaristen-Selbstbedienungsladen als jetzt. Die Kräfte in die konstruktive Richtung umzulenken ist der einzig erfolgversprechende Ansatz.
Herzliche Grüße,
Christian
Nun zum Beitrag von Christian Hamann
https://www.frieden-freiheit-fairess.com
Weichenstellung im Iran
Von Christian Hamann
Teil 1: Die Brudernation und ihre Unterdrücker
Im Iran wollen schon jetzt drei Viertel der Bevölkerung die theokratische Diktatur durch eine echte Demokratie ersetzen. Und viele weitere werden sich ihnen anschließen, wenn man die Angelegenheit bedachtsam und bestimmt angeht.
So wie sich die amerikanischen Siedler in den 13 britischen Kolonien von der britischen Aristokratie befreiten, ist die iranische Nation entschlossen, sich von seinen islamistischen Unterdrückern zu befreien. Und wie die britischen Machthaber in London damals hat auch das gegenwärtige Regime in Teheran starre Machtstrukturen und einen brutalen „Sicherheitsapparat“ errichtet. Ihre eigene Befreiung kostete die amerikanische Nation einen achtjährigen Unabhängigkeitskrieg. Denn ihre aristokratischen Unterdrücker waren bereit, Briten beiderseits des Atlantiks für ihre autokratische Macht gegeneinander kämpfen zu lassen.
Das Regime in Teheran ist sogar bereit, das Leben seiner Zivilisten für sein extremistisches Ziel zu opfern: die weltweite Verbreitung eines radikalen, reformresistenten Islam und damit die Abschaffung von Demokratie und persönlicher Freiheit. https://isgap.org/wp-content/uploads/2025/11/MB-Project-Final-251117-01.pdf
Vor diesem Hintergrund ist die eigene korrekte Haltung der beste Leitfaden für achtsame Entscheidungen im Iran-Krieg: Der entscheidende Schritt ist, die iranische Nation als Brudernation der USA und Israels zu erkennen, in dem alle drei – in unterschiedlichen Phasen – im selben Prozess der Befreiung von Unterdrückung und Verfolgung stehen.
In der Praxis bedeutet dies, dass Drohungen gegen die Extremisten in Teheran mit der Zerstörung ziviler Infrastruktur wie Kraftwerken und Brücken völlig wirkungslos sind. Im Gegenteil: Gewaltbereite Islamisten wie sie und ihre Schützlinge Hamas und Hisbollah provozieren vorsätzlich harte westliche Militärschläge auf zivile Bausubstanz, weil sie gelernt haben, sich auf die globalen Mainstream-Medien zu verlassen. Dort wird das Leid muslimischer Zivilisten während westlicher Militäreinsätze breit diskutiert, die auslösende Aggression der Terroristen jedoch ignoriert oder verharmlost. Auf der resultierenden Sympathiewelle wird der Expansion des Islamismus inmitten der freien Zivilisation der Weg geebnet.
Durchgehend seit dem Vietnamkrieg (1955-1975) werden die psychologisch unsensiblen westlichen Militärinterventionen von den betroffenen Landesbewohnern als fremde Eroberung und nicht als brüderliche Befreiung erlebt. Doch vor allem die lückenhafte Medienberichterstattung hat es ermöglicht, dass diese kontraproduktiven Kriege zu Langzeitkatastrophen wurden – u.a. Vietnam 20 Jahre, Irak fast 9 Jahre, Syrien fast 14 Jahre und Afghanistan 20 Jahre.
Die breite Präsentation des Leidens ohne eine klare Analyse der psychologisch verheerenden Militärstrategien hatte eine Spaltung der westlichen Gesellschaften zur Folge. In der politischen Linken wuchs die Empörung über die Zivilopfer bis zur Parteinahme für den Gegner (rote Fahnen und Ho Chi Minh-Plakate auf Vietnamdemonstrationen in den 1960er und 1970er Jahren). Gestresste Konservative trachteten dagegen die ausbleibenden Erfolge der Operationen vergeblich durch verstärkte militärische Anstrengungen zu erzwingen, weil sie die psychologischen Versagensursachen nicht sahen.
Indem diese irrationale Spaltung der westlichen Gesellschaften nicht aufgearbeitet wurde, konnte sie sich während des Gaza-Krieges weiter steigern. Im Iran-Krieg kündigt sich bereits die nächste Steigerung an. In dieser Lage stellt die korrekte Wahrnehmung der Iraner als Brudernation auf dem Weg ihrer Befreiung den korrekten, prinzipiengeleiten Ansatz dar – abseits der beiden Irrwege des plumpen Militarismus und des Appeasements gegenüber dem Teheraner Terrorregime.
Der von den Regierungen Netanyahu und Trump mit Sicherheit zum falschen Zeitpunkt (der Gazakrieg ist nicht abgeschlossen!) und auch nicht in der passenden Weise (Zivile Infrastruktur wurde bereits in Mitleidenschaft gezogen) begonnene Irankrieg kann nur durch eine Ablösung der theokratischen Diktatur zügig beendet werden. Dies betrifft das demokratisch unkontrollierte Machtdreieck aus dem Obersten Führer, der Expertenversammlung und dem Wächterrat. Mit umsichtigem Management durch die US-amerikanischen und israelischen Geheimdienste und minimaler militärischer Intervention kann die Machtübergabe an die iranische Nation fast ohne Blutvergießen und größere Schäden erfolgen. Ein Lösungsansatz findet sich im zweiten Teil der folgenden Analyse: https://www.frieden-freiheit-fairness.com/en/blog/authentical-liberation-iranian-nation
Er basiert auf dem soliden Fundament der Fairness und der authentischen Vertretung von Selbstbestimmung und Freiheit. Dies ist eine überfällige Lehre aus den kontraproduktiven Militäreinsätzen des Westens nach dem 2. Weltkrieg. Diese Kriege und Interventionen von Vietnam bis Afghanistan zur vermeintlichen Verteidigung der Demokratie haben kommunistische bzw. islamistische Extremisten nicht geschwächt, sondern ihnen wachsenden Zulauf und weltweite ‚moralische‘ Rückendeckung durch die Mainstream-Medien eingetragen.
Auch im Iran-Krieg versäumen es die Medien, solche strategischen Fehler des Westens wie die Zerstörung von Infrastruktur zu kritisieren, Fehler, die Sympathien und authentische Befreiung verhindern. Ganz im Gegenteil verfälscht bereits die mediale Etikettierung der Militäroperationen als ‚Krieg gegen den Iran‘ die wahre Zielrichtung gegen ein gefährliches Terrorregime und für die dortige Nation. Es liegt nun an der Trump-Regierung, dem Freiheitswillen der Iraner Geltung zu verschaffen und damit den weltweiten Trend gegen Freiheit und Selbstbestimmung umzukehren.
Teil 2: Eine historische Lektion kurz vor 12
Diese Trendumkehr setzt voraus, dass die dauerhafte Stärkung der demokratischen Idee als überfälliges Projekt erkannt und umgesetzt wird. Dieses umfasst ein ganzes Paket von Einzelschritten, unter denen die Befreiung der Iraner überhaupt keine vorrangige Dringlichkeit hatte. Insbesondere hätte eine wesentlich effektivere Kontrolle und Demokratisierung des westlichen Sicherheitsapparats aus Militär und Geheimdiensten vorausgehen müssen. Hier hat sich ein autoritärer Staat im Staate entwickelt, der seine mangelnde Effizienz in kontraproduktiven Militäreinsätzen hinreichend nach dem 2. Weltkrieg gezeigt. Das chronische Versagen auf der psychologischen Ebene, nämlich im Umgang mit der betreffenden Landesbevölkerung einschließlich ihrer korrupten Politiker, blieb jedoch im Westen außerhalb der Wahrnehmung.
Im unkritischen Ambiente der Medienberichterstattung konnte der MIC (Militärisch-Industrieller Komplex) den Staat im Staat – in den USA und Großbritannien mit eigener Militärgerichtbarkeit – stetig ausbauen. Wenn die CIA erhebliche Anteile ihres riesigen Budgets in die schönfärbende Präsentation amerikanischer Militäraktionen durch ihr Office of Public Relations steckt, bedeutet das eine mit Steuergeldern finanzierte Fehlorientierung der ganzen westlichen Zivilisation von inzwischen überlebensbedrohlichen Ausmaßen. Schon allein diese Informationsmanipulation untergräbt die Prinzipien und Werte, die da angeblich militärisch verteidigt werden. Sie beweist damit, dass diese mit ganz anderen Mitteln zu verteidigen sind, nämlich mit rationalen Argumenten und durch authentisches Vorbild auf dem korrekten Weg.
Militär und Geheimdienste schirmen ihre Aktivitäten bereits seit dem Philippinisch-Amerikanischen Krieg ohne hinreichende demokratische Kontrolle hinter einer ‚eigentlich‘ verfassungswidrigen Militärzensur ab.
Der Geheimhaltungskult um das wahre Gesicht westlicher Militäreinsätze wird mit einer gebetsmühlenartig vorgetragenen Besorgnis um die nationale Sicherheit begründet. Da wird übersehen, dass immer stärkere militärische Anstrengungen in einem psychologisch verdrehten Ambiente nicht größere Sicherheit bringen, sondern Maximierung der Selbstbeschädigung. Die Reputation der USA als Ordnungsmacht war bereits vor Trumps zweitem Amtsturnus stark ramponiert. Diejenige Israels wurde dagegen erst im Verlaufe des Gaza-Krieges von der Netanyahu-Regierung förmlich in den Boden gestampft.
Nichts bedroht die Sicherheit westlicher Nationen mehr als kontraproduktive Aktivitäten, die sich hinter ihrem Rücken abspielen und daher, statt sofort abgestellt zu werden, jahrzehntelang weiterlaufen und sich steigern. Ohne Zweifel trifft die Hamas-Terroristen, die ihre Angriffe aus dicht bebauten Wohngebieten heraus vortragen, die übergeordnete Verantwortung für die dadurch bei Gegenschlägen unvermeidbaren Zivilopfer – ein Aspekt, den die Medienberichterstattung systematisch ignoriert. Aber die israelische Antwort auf diese antihumanitäre Kriegsführung ignoriert ebenfalls humanitäre Prinzipien. Und sie ignoriert die Erfahrungen aus den kontraproduktiven amerikanischen Militäreinsätzen in den rund 70 Jahren seit dem Vietnamkrieg. Im Gegenteil systematisiert die israelische Militärstrategie nach der sogenannten Dahiya-Doktrin den humanitätswidrigen Umgang mit der gegnerischen Bevölkerung, indem eine gezielte Zerstörung ziviler Infrastruktur und Wohngebiete (nach vorheriger Evakuierungsaufforderung) stattfindet, sobald von diesen heraus geschossen wird.
Auch an dieser Eskalation antihumanitärer und zugleich selbstzerstörerischer Praktiken trifft die Medien des Mainstream eine erhebliche Mitschuld. Seit dem 7. Oktober 2023 hat keine (!) der großen europäischen oder US-amerikanischen Nachrichtenagenturen die klar definierte Dahiya-Doktrin auch nur einmal thematisiert, die Strategie, deren humanitäre Auswirkungen über zwei Jahre lang den Schwerpunkt der globalen Medienberichterstattung dargestellt haben.
Wegen dieser Informationsfilterung und der unzulänglichen demokratischen Kontrolle sind dringend abzustellende Praktiken des westlichen Sicherheitsapparats fast immer erst nachträglich ans Licht gekommen. Und selbst dann sind aus diesen Fehlern keine Lehren gezogen worden. Das betrifft unter anderem die exzessive Erhebung von Daten durch NSA und CIA sowie die Tendenzen letzterer zur Informationsverfälschung wie vor beiden Irakkriegen. Noch schwerer wiegt die hinter dem Betrug der eigenen Nation erkennbare demokratie- und rechtsstaatsferne Einstellung. Diese trat u.a. im extrem unfairen Umgang mit Whistleblowern wie Julian Assange, Edward Snowden und Chelsea Manning zu Tage. Letztere wurde für ihren Idealismus zu 35 Jahren Haft verurteilt, im Vollzug gequält und nur auf öffentlichen Druck hin begnadigt. 2013 bemerkte sie in ihrem Verteidigungsplädoyer zu den von ihr geleakten Dokumenten über die humanitätswidrige Behandlung von Zivilisten und gefangenen Milizionären im Irakkrieg: “I believed that if the public, particularly the American public, could see this information, it could spark a debate about foreign policy and the wars in Iraq and Afghanistan. It might cause society to reconsider the need to engage in counterterrorism operations that ignore the human cost to the local populations.” Ich glaubte, dass diese Information eine Debatte über Außenpolitik und die Kriege im Irak und Afghanistan auslösen könnte, wenn die Öffentlichkeit, insbesondere die amerikanische Öffentlichkeit, diese zu sehen bekäme. Die Debatte könnte die Gesellschaft dazu bewegen, die Notwendigkeit solcher Terrorbekämpfungseinsätze zu überdenken, welche die menschlichen Kosten unter den lokalen Bewohnern missachten. https://alexaobrien.com/archives/chelsea-manning-trial Mit diesem Statement übertraf Chelsea Manning die Vertreter der Anklage, des Gerichts sowie die militärische und politische Führung in ihrem Verantwortungsbewusstsein für die tatsächliche nationale Sicherheit um Welten.
Hätte jene breite gesellschaftliche Debatte und Infragestellung stattgefunden, die Chelsea Manning unter größtem Einsatz hatte anstoßen wollen, läge jetzt im Irankrieg nicht eine dermaßen große Gefahr schwerster Fehlentscheidungen vor. In dieser Notlage geht es nicht um die zweitrangige Frage, ob man für oder gegen Donald Trump ist, sondern um die Einsicht, dass der voreilig und plump militaristisch aufgezogene Ansatz einer Befreiung der iranischen Nation jetzt auf weitgehend gewaltfreie Weise zu Ende gebracht werden muss – es sei denn, dass schon die bloße Androhung zur Beendigung des Spannungszustandes führt. https://www.frieden-freiheit-fairness.com/en/blog/authentical-liberation-iranian-nation – Ziffern 1-5 am Schluss
Es gilt jetzt extrem wachsam zu sein und nicht auf neueste Vorschläge aus Militärkreisen hereinzufallen, die in die seit dem Vietnamkrieg bekannte kontraproduktive Richtung fehlleiten: „United States Central Command has prepared a plan for a “short and powerful” wave of strikes, likely including the Islamic Republic’s key infrastructure, in hopes of breaking the stalemate in the talks,…“ https://www.jns.org/news/u-s-news/trump-to-be-briefed-on-iran-military-options?utm_campaign. Nicht Teile der Schlüsselinfrastruktur der Islamischen Republik (also der Nation) bilden rationale Ziele, sondern die Schaltstellen und Kommunikationsmittel des islamistischen Regimes. – Oder muss eine Geisel erst vergewaltigt werden, bevor sie aus der Hand von Terroristen befreit werden kann?
Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser,
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.
Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts
Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/
Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.
Hier der Link zur Rezension des Buches:
https://www.manova.news/artikel/die-nieten-festnageln