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Klimalüge und Klimadiktatur?Teil 3: Das Klima verändert sich seit Millionen Jahren

Von Uwe Froschauer

Wer über den Klimawandel sprechen will, sollte zunächst einen Schritt zurücktreten. Nicht zehn Jahre. Nicht hundert Jahre. Nicht zweitausend Jahre. Sondern Hunderttausende und Millionen Jahre.

Das Klima der Erde war niemals statisch. Lange bevor der Mensch Kohle, Öl oder Gas nutzte, wechselten sich Warm- und Kaltzeiten ab. Gletscher dehnten sich aus und zogen sich wieder zurück. Wälder entstanden, verschwanden und breiteten sich erneut aus. Meeresspiegel stiegen und fielen. Die Erde befand sich stets in einem Wandel.

Diese historische Perspektive ist unverzichtbar. Wer den Blick ausschließlich auf die vergangenen 150 Jahre richtet, läuft Gefahr, einen winzigen Ausschnitt der Erdgeschichte für das gesamte Bild zu halten. Systematische Wetteraufzeichnungen existieren erst seit dem 19. Jahrhundert. Die Geschichte des Klimas dagegen reicht Millionen Jahre zurück. Wer die Gegenwart verstehen möchte, sollte deshalb zunächst die Vergangenheit kennenlernen.

485 Millionen Jahre Klimageschichte – ein Planet im ständigen Wandel

Eine 2024 in der Fachzeitschrift Science veröffentlichte Untersuchung hat die globale Durchschnittstemperatur der vergangenen 485 Millionen Jahre rekonstruiert. Die Forscher verbanden dafür mehr als 150.000 geologische und fossile Klimahinweise mit Computersimulationen. Das Ergebnis zeichnet das Bild eines Planeten, dessen Klima wesentlich stärker schwankte, als ein Blick auf die jüngere Vergangenheit vermuten lässt.

Die errechnete globale Durchschnittstemperatur bewegte sich im untersuchten Zeitraum zwischen ungefähr 11 und 36 Grad Celsius. Zum Vergleich: Gegenwärtig liegt sie bei etwa 15 Grad. Über weite Teile dieser 485 Millionen Jahre war die Erde somit deutlich wärmer als heute. Zeitweise gab es keine dauerhaften Eiskappen an den Polen. Zu anderen Zeiten breiteten sich mächtige Eisschilde aus. Die Erde wechselte wiederholt zwischen sogenannten Treibhaus- und Eishauszuständen.

Vor ungefähr 485 Millionen Jahren herrschte demnach ein ausgeprägtes Treibhausklima mit globalen Durchschnittstemperaturen von mehr als 30 Grad Celsius. Rund 40 Millionen Jahre später folgte eine massive Abkühlung. Eisflächen breiteten sich aus, der Meeresspiegel sank, und tiefgreifende Veränderungen der Lebensbedingungen trugen zu einem großen Artensterben bei. Später wurde es wieder erheblich wärmer. Am Ende des Perms vor rund 251 Millionen Jahren stieg die globale Temperatur im Zusammenhang mit gewaltigem Vulkanismus erneut stark an.

Diese Rekonstruktion darf nicht als Beweis dafür missverstanden werden, heutige Veränderungen seien bedeutungslos. Sie zeigt aber unmissverständlich, dass das Klima der Erde niemals einen unveränderlichen Normalzustand kannte. Unser heutiges vergleichsweise kühles Klima ist erdgeschichtlich keine Selbstverständlichkeit, sondern lediglich eine Phase in einer langen Abfolge tiefgreifender Veränderungen.

Die Autoren der Studie führen einen wesentlichen Teil der langfristigen Temperaturentwicklung auf Veränderungen des atmosphärischen CO₂-Gehalts zurück. Auf diesen Zusammenhang werde ich in späteren Kapiteln ausführlich eingehen. Zunächst ist jedoch wichtig zu wissen, auf welcher Grundlage solche Aussagen überhaupt beruhen. Die Rekonstruktion stützt sich nicht auf direkte Temperaturmessungen, sondern auf geologische Stellvertreterdaten (Proxydaten), Modellrechnungen und statistische Auswertungen. Selbst beteiligte und außenstehende Forscher weisen darauf hin, dass insbesondere die genauen Temperaturwerte sehr weit zurückliegender Epochen mit erheblichen Unsicherheiten verbunden sind. Der große Befund bleibt dennoch bestehen: Die Erde war über Hunderte Millionen Jahre hinweg zeitweise wesentlich wärmer und zeitweise erheblich kälter als heute.

Vom Treibhausplaneten in das gegenwärtige Eiszeitalter

Seit ungefähr 34 Millionen Jahren befindet sich die Erde in einem Eiszeitalter. Der Begriff klingt zunächst befremdlich, weil wir bei einer Eiszeit gewöhnlich an vollständig vereiste Landschaften denken. Geologisch genügt jedoch das dauerhafte Vorhandensein großer Eisschilde an den Polen. Da die Antarktis und Grönland noch immer von mächtigem Eis bedeckt sind, leben wir auch heute innerhalb eines Eiszeitalters – allerdings gegenwärtig in einer Warmzeit dieses Eiszeitalters.

Vor rund 2,58 Millionen Jahren begann das Quartär. Seitdem wechselten sich lange Kaltzeiten und vergleichsweise kurze Warmzeiten immer wieder ab. Während der Kaltzeiten bedeckten gewaltige Gletscher große Teile Europas und Nordamerikas. In den wärmeren Zwischenphasen zogen sie sich zurück. Dieser Rhythmus wurde nicht von Industrieanlagen oder Automobilen ausgelöst. Er entstand durch das komplexe Zusammenspiel natürlicher Prozesse, auf die in einem später folgenden Kapitel näher eingegangen wird.

In diesen wechselhaften klimatischen Verhältnissen entwickelte sich auch die Gattung Mensch. Unsere Vorfahren lebten nicht in einem stabilen Klima, sondern mussten sich immer wieder an starke Veränderungen von Temperatur, Niederschlag, Vegetation und Lebensräumen anpassen. Der Mensch betrat also keine klimatisch ruhende Bühne. Er entwickelte sich auf einem Planeten, dessen Klima bereits seit Jahrmillionen in Bewegung war.

Das Holozän – die Warmzeit, der wir unsere Zivilisation verdanken

Vor rund 11.700 Jahren endete die letzte große Eiszeit. Gewaltige Gletscher, die über weite Teile Europas und Nordamerikas reichten, begannen sich zurückzuziehen. Dort, wo zuvor Eis und Geröll das Bild bestimmten, entstanden fruchtbare Landschaften. Flüsse fanden neue Läufe, Wälder breiteten sich aus, Tiere besiedelten neue Lebensräume.

Mit dieser Erwärmung begann das Holozän – jene Warmzeit, in der wir bis heute leben.

Sie war weit mehr als nur eine klimatische Episode. Sie schuf die Voraussetzungen für das, was wir heute Zivilisation nennen. Menschen wurden sesshaft, begannen Ackerbau und Viehzucht zu betreiben, gründeten Dörfer und später Städte. Aus kleinen Gemeinschaften entstanden Kulturen, Handelswege und schließlich Hochzivilisationen.
Ohne die Erwärmung nach der letzten Eiszeit gäbe es unsere heutige Gesellschaft vermutlich nicht.

Dieser Blick zurück macht deutlich, dass Wärme in der Geschichte der Menschheit keineswegs ausschließlich als Bedrohung erlebt wurde. Sie war oftmals Voraussetzung für Wachstum, Ernährungssicherheit und kulturelle Entwicklung. Das bedeutet selbstverständlich nicht, dass jede Erwärmung automatisch positiv ist. Es zeigt jedoch, dass Klima differenziert betrachtet werden muss und sich einfache Schwarz-Weiß-Bilder der Geschichte kaum gerecht werden.

Die Mittelalterliche Warmzeit – eine Zeit des Aufbruchs

Auch innerhalb des Holozäns verlief das Klima nicht gleichmäßig. Es gab kühlere und wärmere Phasen, feuchte und trockene Jahrhunderte. Eine der bekanntesten ist die Mittelalterliche Warmzeit, die ungefähr vom 10. bis zum 13. Jahrhundert dauerte.

Zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass die Temperaturen in vielen Regionen Europas mit den heutigen vergleichbar oder regional wahrscheinlich sogar höher gewesen sind. Wein wurde weiter nördlich angebaut als in den Jahrhunderten danach. In England entstanden Weinberge in Gegenden, die später dafür als ungeeignet galten.

Auch die Hochgebirge erzählen diese Geschichte. Seit sich viele Gletscher zurückziehen, kommen immer wieder Baumstämme und Baumreste zum Vorschein, die über Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende unter dem Eis konserviert waren. Diese Bäume konnten nur wachsen, als die Gletscher deutlich kleiner waren und die Baumgrenze höher lag als in späteren Kältephasen. Untersuchungen in den Alpen und in Skandinavien zeigen, dass Bäume zeitweise deutlich oberhalb der heutigen Waldgrenze wuchsen. In Nordschweden wurden Überreste von Kiefern gefunden, die belegen, dass die Baumgrenze während früherer Warmphasen bis zu rund 100 Meter höher lag als heute. Auch in den Alpen wurden unter zurückweichenden Gletschern subfossile Baumstämme entdeckt, die von längeren Perioden mit wesentlich geringerem Gletscherumfang zeugen.

Solche Funde sind für Klimaforscher besonders wertvoll. Sie beruhen nicht auf historischen Berichten oder Vermutungen, sondern auf datierbaren Überresten ehemaliger Wälder. Die Natur selbst dokumentiert damit, dass sich Baumgrenzen und Gletscher im Laufe der Jahrtausende immer wieder verschoben haben.

Je weiter Forscher in die Vergangenheit blicken, desto deutlicher wird, dass Klima nie ein statischer Zustand war. Wälder rückten bergauf und wieder talwärts, Gletscher schrumpften und wuchsen erneut. Die Landschaft, die wir heute als selbstverständlich ansehen, war zu verschiedenen Zeiten der Erdgeschichte eine andere. Deshalb ist die lange Klimageschichte unverzichtbar, wenn wir die Entwicklungen der Gegenwart richtig einordnen wollen.

Ein aufschlussreiches Beispiel liefert die Besiedlung Grönlands durch die Wikinger. Angeführt von Erik dem Roten besiedelten sie Ende des 10. Jahrhunderts Teile Grönlands – jenes Landes, das nach der Überlieferung von Erik dem Roten den Namen „Grönland“ („Grünes Land“) erhielt. Dort betrieben die nordischen Siedler über mehrere Jahrhunderte Landwirtschaft und Viehzucht. Archäologische Funde belegen Höfe, Stallungen sowie die Haltung von Rindern, Schafen und Ziegen. Die klimatischen Bedingungen ermöglichten damals eine dauerhafte Besiedlung, die während der späteren Abkühlung im Zuge der Kleinen Eiszeit zunehmend schwieriger wurde. Schließlich wurden die nordischen Siedlungen aufgegeben.

Die Mittelalterliche Warmzeit war sicherlich nicht überall auf der Erde gleich ausgeprägt. Klima ist regional unterschiedlich. Dennoch zeigt diese Epoche, dass wärmere Phasen bereits lange vor der Industrialisierung existierten und tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Menschen hatten.

Die Kleine Eiszeit – Jahrhunderte der Abkühlung

Auf die Mittelalterliche Warmzeit folgte eine deutlich kühlere Phase: die Kleine Eiszeit. Etwa vom 14. Jahrhundert bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts kühlte sich das Klima in vielen Regionen der Nordhalbkugel spürbar ab. Die Temperaturen sanken zwar nicht dramatisch, doch bereits vergleichsweise geringe Veränderungen reichten aus, um das Leben von Millionen Menschen nachhaltig zu beeinflussen.

Die Folgen waren unmittelbar spürbar. Gletscher rückten in vielen Alpentälern wieder vor und bedrohten Dörfer, Höfe und landwirtschaftliche Flächen. Teilweise mussten Siedlungen aufgegeben oder verlegt werden, weil sich das Eis immer weiter ausdehnte. Felder gingen verloren, Weideflächen schrumpften und ganze Täler veränderten ihr Erscheinungsbild.

Auch die Landwirtschaft litt erheblich unter den kühleren Bedingungen. Die Vegetationsperiode verkürzte sich, Ernten fielen häufiger aus, und wiederkehrende Missernten führten in zahlreichen Regionen Europas zu Hunger, Armut und sozialen Spannungen. Für eine Gesellschaft, deren Existenz nahezu vollständig von der Landwirtschaft abhing, konnte bereits eine Folge schlechter Erntejahre existenzbedrohende Auswirkungen haben.

Berühmt sind die sogenannten Frostmärkte auf der zugefrorenen Themse in London. Zwischen dem 17. und frühen 19. Jahrhundert fror der Fluss während besonders kalter Winter mehrfach so stark zu, dass sich Händler, Schausteller und Handwerker auf der Eisfläche niederließen. Es wurden Marktstände aufgebaut, Speisen verkauft und sogar kleinere Veranstaltungen abgehalten. Was aus heutiger Sicht beinahe romantisch wirkt, war für die Menschen jener Zeit Ausdruck außergewöhnlich harter Winter und eines Klimas, das den Alltag erheblich erschwerte.

Nicht nur die Themse, sondern auch zahlreiche andere Flüsse Europas froren regelmäßig zu. Der Rhein, die Donau und viele kleinere Flüsse waren zeitweise wochenlang von Eis bedeckt. Schifffahrt und Handel kamen teilweise zum Erliegen, Versorgungsketten wurden unterbrochen und Brennholz sowie Lebensmittel verteuerten sich erheblich.

Auch in den Alpen hinterließ die Kleine Eiszeit deutliche Spuren. Historische Berichte schildern die Sorge der Bevölkerung vor den stetig vorrückenden Gletschern. Kirchen veranstalteten Bittprozessionen gegen das Eis, weil ganze Ortschaften fürchteten, von den Gletschern verschlungen zu werden. Heute erinnern zahlreiche historische Zeichnungen, Gemälde und Chroniken an diese außergewöhnliche Zeit.

Kunst und Literatur jener Zeit spiegeln die klimatischen Verhältnisse eindrucksvoll wider. Zahlreiche Gemälde niederländischer und flämischer Maler des 16. und 17. Jahrhunderts zeigen ausgedehnte Eislandschaften, zugefrorene Kanäle, Flüsse und Wasserstraßen, auf denen Menschen Schlittschuh liefen, Handel trieben oder Waren transportierten. Dabei handelt es sich nicht nur um zugefrorene kleine Seen, die auch heute in strengen Wintern vereisen können. Viele Darstellungen zeigen größere Wasserläufe und Kanäle, die heute nur noch äußerst selten oder gar nicht mehr vollständig zufrieren. Solche Gemälde sind nicht nur kunsthistorisch interessant, sondern gelten auch als wertvolle zeitgeschichtliche Zeugnisse der klimatischen Verhältnisse während der Kleinen Eiszeit.

1540 – Das außergewöhnliche Dürrejahr der Kleinen Eiszeit

Ein besonders eindrucksvolles Beispiel für natürliche Wetterextreme ist das Jahr 1540. Zeitgenössische Chroniken berichten von einer außergewöhnlich langen Dürre, die weite Teile Europas erfasste. Über Monate fiel vielerorts kaum Regen. Flüsse schrumpften zu schmalen Rinnsalen, zahlreiche Brunnen versiegten, Felder verdorrten und Wälder gerieten immer wieder in Brand. Ernten fielen aus, Vieh verendete auf ausgetrockneten Weiden, und in vielen Regionen wurde Wasser zu einem kostbaren Gut.

Historische Berichte schildern eindrucksvoll, wie Menschen Flussbetten zu Fuß überquerten, Schiffe vielerorts nicht mehr fahren konnten und Mühlen stillstanden, weil das Wasser fehlte. In manchen Städten musste Trinkwasser aus weit entfernten Quellen herangeschafft werden. Die Landwirtschaft, damals die Lebensgrundlage nahezu der gesamten Bevölkerung, wurde von der anhaltenden Trockenheit besonders hart getroffen.

Neuere klimatologische Untersuchungen beschreiben 1540 teilweise als eines der außergewöhnlichsten Dürrejahre der vergangenen Jahrhunderte oder sogar Jahrtausende in Mitteleuropa. Rekonstruktionen aus historischen Quellen, Baumringen und weiteren Klimaarchiven deuten darauf hin, dass sich die Trockenperiode über viele Monate erstreckte und mit außergewöhnlich hohen Sommertemperaturen einherging. Einige Wissenschaftler sprechen in diesem Zusammenhang sogar von einem „Megadürrejahr“, dessen Ausmaß selbst im Vergleich zu vielen modernen Dürreperioden außerordentlich ist.

Beachtenswert ist dabei vor allem der zeitliche Zusammenhang. Dieses außergewöhnliche Wetterereignis ereignete sich fast drei Jahrhunderte vor Beginn der Industrialisierung. Kohlekraftwerke gab es nicht, Automobile ebenso wenig. Von einem großflächigen Verbrauch fossiler Energieträger konnte keine Rede sein. Gleichwohl erlebten die Menschen eine außergewöhnliche Hitze- und Dürreperiode mit weitreichenden Folgen für Landwirtschaft, Versorgung und Gesellschaft.

Das Jahr 1540 liefert keine Antwort auf alle Fragen der heutigen Klimadebatte. Es erinnert jedoch daran, dass außergewöhnliche Hitze- und Dürreperioden keine Phänomene des Industriezeitalters sind. Sie gehören seit Jahrhunderten zur Klimageschichte Europas. Wer historische Extremereignisse ausblendet, betrachtet nur einen kleinen Ausschnitt der Klimageschichte.

Dieser historische Blick kommt in der öffentlichen Klimadebatte nach meinem Eindruck häufig zu kurz. Der Schwerpunkt liegt vielfach auf der Annahme, der Mensch sei der entscheidende Treiber der gegenwärtigen Klimaentwicklung. Historische Klimaschwankungen und natürliche Einflussfaktoren treten dabei oft in den Hintergrund oder werden nur am Rande erwähnt. Wer jedoch die gesamte Klimageschichte betrachtet, erkennt, dass sich das Klima der Erde seit Millionen von Jahren verändert – mit ausgeprägten Warm- und Kaltphasen, lange bevor der Mensch begann, fossile Energieträger in großem Umfang zu nutzen. Deshalb erscheint es mir problematisch, heutige Klimaveränderungen vorschnell oder überwiegend auf den Menschen zurückzuführen, ohne die natürlichen Prozesse und historischen Zusammenhänge in gleichem Maße zu berücksichtigen.

Wer außergewöhnliche Hitze oder Trockenheit ausschließlich als Phänomen unserer Zeit wahrnimmt, übersieht, dass ähnliche oder regional sogar noch ausgeprägtere Ereignisse bereits lange vor der Industrialisierung dokumentiert wurden. Die Klimageschichte mahnt deshalb zur Vorsicht gegenüber vorschnellen Schlussfolgerungen. Nicht jedes Extremereignis ist einzigartig, nur weil wir es selbst erleben.

Das Jahr 1540 erinnert uns daran, dass die Natur auch ohne menschlichen Einfluss zu außergewöhnlichen Ausschlägen fähig ist. Wer die Gegenwart verstehen will, sollte deshalb nicht nur die Zeitungsberichte der letzten Jahre lesen, sondern auch die Chroniken der vergangenen Jahrhunderte. Erst dann wird deutlich, wie lang, wechselhaft und ereignisreich die Geschichte unseres Klimas tatsächlich ist.

Das Jahr 1540 macht zugleich deutlich, dass historische Klimaperioden keine über Jahrhunderte gleichbleibende Wetterzustände waren. Die Kleine Eiszeit war insgesamt kühler als die vorausgehende Mittelalterliche Warmzeit. Dennoch konnten innerhalb dieser Epoche einzelne Jahre mit außergewöhnlicher Hitze und extremer Trockenheit auftreten. Eine langfristige Abkühlung schließt kurzfristige Hitzeextreme ebenso wenig aus, wie eine langfristige Erwärmung einzelne kalte Winter unmöglich macht.
Klima und Wetter sind nicht dasselbe. Wetter beschreibt den momentanen Zustand der Atmosphäre – also ob es heute regnet, schneit oder ungewöhnlich heiß ist. Klima dagegen beschreibt die langfristige statistische Entwicklung des Wetters über viele Jahrzehnte, in der Regel über einen Zeitraum von mindestens 30 Jahren. Einzelne Wetterereignisse können innerhalb einer Klimaperiode erheblich vom Durchschnitt abweichen. So konnte selbst während der insgesamt kühlen Kleinen Eiszeit ein außergewöhnliches Hitze- und Dürrejahr wie 1540 auftreten. Umgekehrt schließen wärmere Klimaphasen kalte Winter oder schneereiche Jahre keineswegs aus. Wer Wetter und Klima miteinander verwechselt, läuft Gefahr, aus einzelnen Ereignissen vorschnelle oder sogar falsche Schlussfolgerungen abzuleiten.

Mit dem Ende der Kleinen Eiszeit in der Mitte des 19. Jahrhunderts begannen sich die Gletscher vielerorts wieder zurückzuziehen, die Vegetationsperioden verlängerten sich, und die landwirtschaftlichen Bedingungen verbesserten sich schrittweise. Dabei ist der zeitliche Zusammenhang von besonderer Bedeutung: Die Erwärmung setzte bereits ein, bevor der Mensch in großem Umfang fossile Energieträger verbrannte. Die heutigen industriellen CO₂-Emissionen existierten damals noch nicht.

Dieser Blick zurück erinnert daran, dass nicht nur Wärme Herausforderungen mit sich bringen kann, dass weder Wärme noch Kälte pauschal als gut oder schlecht bezeichnet werden können. Auch Kälte hatte für Gesellschaften oft gravierende Folgen – wirtschaftlich, sozial und kulturell.
Klima war nie statisch. Die Geschichte zeigt, dass sowohl Warm- als auch Kaltphasen Chancen und Risiken mit sich bringen können. Wer über den Klimawandel der Gegenwart spricht, sollte deshalb auch die Erfahrungen früherer Generationen kennen. Erst der Blick auf die gesamte Klimageschichte ermöglicht es, heutige Entwicklungen in einen größeren Zusammenhang einzuordnen.

Die Erde führt ihr eigenes Klimaarchiv

Manche fragen sich, woher Wissenschaftler überhaupt wissen, wie das Klima vor Jahrhunderten, Jahrtausenden oder sogar Hunderttausenden von Jahren gewesen ist. Schließlich existieren Thermometer erst seit vergleichsweise kurzer Zeit, systematische Wetteraufzeichnungen sogar erst seit dem 19. Jahrhundert.

Die Antwort ist ebenso einfach wie faszinierend: Die Erde selbst bewahrt ihre Geschichte auf. Man muss nur lernen, sie zu lesen.

Zu den beeindruckendsten Klimaarchiven gehören die gewaltigen Eisschilde Grönlands und der Antarktis. Im Landesinneren ist der grönländische Eisschild stellenweise mehr als drei Kilometer dick – eine gigantische Eisdecke, in der sich die Klimageschichte der Erde über Hunderttausende von Jahren erhalten hat. Jahr für Jahr fällt Schnee, wird von neuen Schneeschichten überdeckt und mit der Zeit zu Eis verdichtet. Dabei werden winzige Luftblasen eingeschlossen – gewissermaßen kleine Zeitkapseln der Atmosphäre. Sie enthalten die Luft, die Menschen vor Tausenden oder sogar Hunderttausenden von Jahren eingeatmet hätten. Durch Eiskernbohrungen werden meterlange Eiszylinder aus dem Inneren der Eisschilde geborgen, die diese natürlichen Zeitkapseln enthalten. Anschließend analysieren Wissenschaftler im Labor die eingeschlossenen Luftblasen sowie die chemische Zusammensetzung des Eises. Dadurch gewinnen sie wertvolle Informationen über die Atmosphäre und die klimatischen Bedingungen vergangener Jahrtausende.

Ebenso aufschlussreich sind die Jahresringe der Bäume. Jeder Baum legt Jahr für Jahr einen neuen Ring an. In warmen und feuchten Jahren wächst er meist stärker, in kalten oder trockenen Jahren langsamer. Aus der Abfolge breiter und schmaler Jahresringe lässt sich deshalb oft rekonstruieren, wie günstig oder ungünstig die Wachstumsbedingungen in vergangenen Jahrhunderten waren. Tausende überlappender Baumringserien ermöglichen es Forschern, Klimaschwankungen über sehr lange Zeiträume nachzuvollziehen.

Auch Seen und Meere führen gewissermaßen Buch über die Vergangenheit. Auf ihrem Grund lagern sich Jahr für Jahr Sedimente ab. Darin finden sich Pollen, Pflanzenreste, Muschelschalen und zahlreiche weitere Spuren früherer Umweltbedingungen. Anhand dieser Ablagerungen können Wissenschaftler Rückschlüsse darauf ziehen, welche Pflanzen wuchsen, wie warm oder kalt es war und wie sich Landschaften im Laufe der Zeit verändert haben.

Selbst Tropfsteine in Höhlen erzählen Klimageschichte. Sie wachsen oft nur wenige Zehntelmillimeter pro Jahr und speichern in ihrer chemischen Zusammensetzung Informationen über Niederschläge, Temperaturen und die Vegetation der jeweiligen Epoche. Ähnliches gilt für Korallenriffe, deren Wachstumsstrukturen Hinweise auf frühere Meerestemperaturen liefern.

Jedes dieser Archive besitzt seine eigenen Stärken und Grenzen. Ein Baumring erzählt eine andere Geschichte als ein Eiskern, ein Tropfstein eine andere als ein Meeresboden. Deshalb ist das Zusammenspiel dieser Zeitzeugen so wertvoll. Keines dieser Klimaarchive erzählt die ganze Geschichte. Erst wenn Eiskerne, Baumringe, Sedimente, Pollen und andere natürliche Archive trotz ihrer völlig unterschiedlichen Eigenschaften ein ähnliches Bild zeichnen, entsteht ein hohes Maß an Vertrauen in die Rekonstruktion der Klimavergangenheit.

Die Klimageschichte stützt sich daher nicht auf Vermutungen oder einzelne Zufallsfunde. Sie beruht auf einer Vielzahl unabhängiger Untersuchungsmethoden, die sich gegenseitig ergänzen und kontrollieren. Diese Vielfalt macht die Rekonstruktion früherer Klimaverhältnisse zu einem der am besten erforschten Bereiche der Geowissenschaften.

Wer die heutigen Diskussionen über den Klimawandel verstehen möchte, sollte deshalb auch diese natürlichen Archive kennen. Sie zeigen, dass die Geschichte des Klimas nicht erst mit dem ersten Thermometer beginnt, sondern seit Jahrmillionen in Eis, Holz, Gestein und Sedimenten gespeichert ist – lange bevor der Mensch begann, sie wissenschaftlich zu erforschen.

Klima bestimmt Geschichte

Klima beeinflusst nicht nur Temperaturen. Es beeinflusst auch die Geschichte der Menschheit.

Seit Beginn der Zivilisation waren Menschen von den natürlichen Bedingungen ihrer Umwelt abhängig. Ernten entschieden über Wohlstand oder Hunger. Wasser entschied darüber, wo sich Menschen niederließen, Städte entstanden oder Handelswege entwickelten. Bereits wenige Jahre mit außergewöhnlicher Trockenheit oder ungewöhnlicher Kälte konnten ganze Regionen wirtschaftlich und gesellschaftlich erschüttern.

Lange Dürreperioden führten immer wieder dazu, dass Menschen ihre Heimat verlassen mussten. Missernten lösten Hungersnöte aus, verschärften soziale Spannungen und begünstigten politische Konflikte. Umgekehrt ermöglichten klimatisch günstige Phasen häufig Bevölkerungswachstum, wirtschaftlichen Aufschwung und kulturelle Entwicklung.
Klima allein erklärt die Geschichte der Menschheit nicht. Es war jedoch stets ein bedeutender Einflussfaktor, der neben politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklungen das Schicksal ganzer Völker mitprägte.

Deshalb lohnt sich der Blick in die Vergangenheit. Wer historische Klimaveränderungen kennt, erkennt, dass sich Gesellschaften seit Jahrtausenden immer wieder an veränderte Umweltbedingungen anpassen mussten. Der Mensch war den Kräften der Natur nie vollständig ausgeliefert, aber er konnte sie auch nie vollständig beherrschen.

Was lehrt uns dieser Blick zurück?

Die Klimageschichte zeigt uns vor allem eines: Klimaveränderungen sind kein Ausnahmezustand der Gegenwart, sondern ein wiederkehrender Bestandteil der Erd- und Menschheitsgeschichte. Wer die heutigen Entwicklungen verstehen und einordnen möchte, sollte diesen langen historischen Zusammenhang nicht aus den Augen verlieren. Erst dann entsteht ein vollständigeres Bild – eines, das über die Schlagzeilen der letzten Jahrzehnte hinausreicht.

Je weiter der Blick in die Vergangenheit reicht, desto deutlicher wird ein grundlegender Befund: Klimaveränderungen sind kein neues Phänomen. Warmzeiten wechselten sich mit Kaltzeiten ab – lange bevor der Mensch begann, fossile Energieträger zu nutzen.

Diese historische Erkenntnis beantwortet noch nicht die Frage, welchen Anteil natürliche Faktoren und menschliche Einflüsse an der heutigen Erwärmung jeweils haben. Sie zeigt jedoch, dass jede seriöse Diskussion zunächst zwischen natürlichen Klimaschwankungen und möglichen menschlichen Einflüssen unterscheiden muss.

Darin liegt der Wert der Klimageschichte. Sie schützt vor vorschnellen Schlüssen. Wer nur die letzten Jahrzehnte betrachtet, sieht lediglich einen kurzen Ausschnitt eines Films, der seit Millionen von Jahren läuft. Erst der Blick auf die gesamte Geschichte ermöglicht es, die Entwicklungen der Gegenwart angemessen einzuordnen.

Wer über den menschengemachten Klimawandel urteilen möchte, sollte zunächst die Geschichte des natürlichen Klimawandels kennen. Bevor wir darüber sprechen, warum sich das Klima verändert, sollten wir zunächst verstehen, dass es sich schon immer verändert hat. Dieses Fundament wurde in diesem Kapitel gelegt. Im nächsten Kapitel geht es um die Frage, wodurch das Klima überhaupt beeinflusst wird – und welche Rolle natürliche Faktoren dabei spielen.

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Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
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Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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Versäumte Lektionen: Was Ceuta über Europas historisches Gedächtnis verrät

Von Christian Hamann

Der Ansturm auf Ceuta hat tiefe historische Wurzeln. Mehrere eindeutige Präzedenzfälle belegen, dass die massive Souveränitätsverletzung vom 29. Juli 2026 vorhersehbar war. Sollten aus diesen Ereignissen erneut keine Konsequenzen gezogen werden, sind weitere Steigerungen bereits vorprogrammiert. Beispielsweise lassen die marokkanischen Behörden die meisten subsaharischen Flüchtlinge bisher gar nicht bis an die Grenze. 

Im Schatten eines ungenügenden historischen Bewusstseins konnte sich an der Südwestflanke Europas unbemerkt ein Bedrohungsszenario aufbauen. Jahrhundertelang hatten arabische Piraten das Mittelmeer unsicher gemacht, Hafenstädte geplündert und Menschen als Sklaven verschleppt. Die Herrin der Weltmeere im Kolonialzeitalter, die britische Kriegsflotte, war jedoch nicht in der Lage oder eher nicht willens, dem Einhalt zu gebieten. Erst als die Piraten-Hochburgen in Nordafrika – Tripolis, Tunis und Algier – die Handelsflotte der jungen USA zu Schutzgeldzahlungen erpressen wollten, setzte die US-Marine unter Thomas Jefferson dem Treiben in den Berberkriegen (1801–1805 und 1815–1816) ein Ende. Es war zugleich die vermeintlich abschließende Klarstellung der Rangordnung zwischen zwei Zivilisationen – der europäisch-westlichen und der islamisch-orientalischen.

Doch seither schwächt sich die westliche Zivilisation durch Uneinigkeit, Bürgerkriege und Weltkriege. Während sich die Bevölkerung der arabischen Länder in den vergangenen 100 Jahren ungefähr verzehnfacht hat, hat sie sich im westlichen Kulturraum weniger als verdoppelt und schrumpft mittlerweile infolge des Geburteneinbruchs.

Außer der Demographie untergräbt vor allem eine von irrationalem Appeasement geprägte westliche Außenpolitik die Stabilität der 1816 geklärten Rangordnung – wie die jüngsten Ereignisse in Ceuta bestätigen.

Zusammen mit Melilla bildet die kleine Enklave den Rest eines spanischen Herrschaftsgebiets in Nordafrika, das bis 1969 auch Ifni (auf der Breite der Kanaren) sowie bis 1975 die Westsahara umfasste. 1957 erfolgte die militärische Anfechtung der alten Rangordnung, als marokkanische Truppen den Ifni-Krieg vom Zaun brachen, aber scheiterten. Doch noch frühzeitiger als im Dauerstreit um Palästina lernte die islamische Seite, dass die Nationen der westlichen Zivilisation nicht allein mit militärischer Macht zu bezwingen sind. Schon 12 Jahre später, 1969, gelang es Marokko mit diplomatischen Bemühungen, Spanien zur Übergabe Ifnis zu bewegen. Das Hauptargument war nicht der geographische Charakter einer Enklave, sondern die marokkanische Bevölkerungsmehrheit.

Schon sehr bald mussten die Spanier feststellen, dass Appeasement ohne Sicherheiten und Gegenleistungen unausweichlich wachsende Forderungen nach sich zieht. 1975 kam es erneut zu bewaffneten Konflikten, dieses Mal im Grenzgebiet zur Westsahara. Mit nur 75.000 Einwohnern zählte das Territorium damals zu den am dünnsten besiedelten Gebieten der Erde. Diese demographische Schwäche nutzte die marokkanische Regierung im Oktober 1975 für eine beispiellose Aktion, den Grünen Marsch. Rund 350.000 Marokkaner übertraten die Grenze mit der Wucht der Masse und verletzten damit zugleich die spanische Souveränität und den Willen der überwiegend beduinischen Bevölkerung. Denn auch ohne Referendum war unabhängigen Beobachtern klar, dass eine deutliche Mehrheit für eine Unabhängigkeit und nicht für einen Anschluss an Marokko plädierte.

Doch die Strategie des Massenansturms hat sich durchgesetzt. Zwar sind fast alle der 350.000 Personen wieder zurückgekehrt, aber Marokko hat die Westsahara annektiert. Die US-Regierung hat diesen Gebietserwerb bereits anerkannt. Es gibt nur ein einziges formales Zugeständnis: Die Westsahara soll innerhalb des Königreichs Marokko Autonomie erhalten. Dieser Status kommt jedoch für die einheimischen Saharauis zu spät, weil die Bevölkerung mittlerweile stark angestiegen ist und heute überwiegend aus zugewanderten Marokkanern besteht.

1975 war auch der Beginn des Libanesischen Bürgerkriegs, der bis 1990 dauerte. In Europa in fahrlässiger Weise ignoriert, wurden auch dort demographische Effekte als Waffe genutzt. Die Fluchtbewegung von Hunderttausenden verschaffte außer tatsächlich verfolgten Christen, die damals noch die Mehrheit im Land stellten, auch Muslimen Zutritt nach Europa. Zusammen mit unterschiedlichen Geburtenraten hat dieser Bürgerkrieg einen heute überwiegend muslimischen Libanon hinterlassen. Die parallel eingeleitete islamische Expansion in Europa überfordert inzwischen alle wohlmeinenden Integrationsbemühungen und schafft stattdessen den Nährboden für einen reformresistenten Scharia-Islam.

Seit diesen in Europa ignorierten Anfängen im Libanon haben Islamistenführer im Nahen Osten und Nordafrika den Nutzen eines umfassenden Leidens ihrer Zivilisten in Kriegen und Bürgerkriegen erkannt und genutzt. https://www.fdd.org/analysis/2024/06/11/hamas-leader-yahya-sinwar-depicts-palestinian-casualties-as-necessary-sacrifices/

Kein anderer Mechanismus bringt sie ihren Zielen so zügig näher, indem Flüchtlingsströme nach Europa in Gang gebracht werden und die Medienberichterstattung für breite Sympathien sorgt.

Die Maximierung des europäischen Appeasements hatte und hat erwartungsgemäß weitere Forderungen und Respektlosigkeiten zur Folge. Im Mai 2021 kam es an den Grenzübertritten Ceutas – einem Präzedenzfall zum Ansturm vom Juli 2026. Damals gelangten rund 8.000 bis 10.000 Menschen in die Enklave, über Grenzzäune hinweg und teilweise mit Schwimmhilfen über das Meer. Die Eindringlinge setzten dabei auf Artikel 33 der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, demzufolge Personen nicht in ein Land ausgewiesen oder an der Grenze abgewiesen werden dürfen, in welchem ihnen Verfolgung droht. Hierbei wird von der Notwendigkeit einer Einzelfallprüfung ausgegangen. Diese Einzelverfahren zwingen die europäischen Rechtsapparate zu einem immensen Aufwand, der die Grenzen der Verhältnismäßigkeit längst überschritten hat. Nachhaltig praktikablen Lösungen steht außer dem besagten Artikel 33 der Genfer Flüchtlingskonvention auch Artikel 4 des 4. Zusatzprotokolls der Europäischen Menschenrechtskonvention im Wege, der Kollektivausweisungen für unzulässig erklärt.

Im Falle des illegalen Ansturms in Ceuta von 2021 zogen Richter am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte jedoch eine Grenze. Sie stellten klar, dass Personen, die unter Meidung der legalen Einreiseoptionen den wegbahnenden Effekt der Masse zum gewaltsamen Grenzübertritt nutzen, den Anspruch auf eine Einzelfallprüfung verwirken.

Für den Einsatz von Demographie als Waffe im Wettbewerb der Kulturen stellte diese prinzipiengeleitete Gerichtsentscheidung ein störendes Hindernis dar. Die entsprechend vorhersehbare erneute Souveränitätsverletzung vom Sommer 2026 hat auch tatsächlich eine richterliche Entscheidung hervorgebracht, welche die Position von 2021 aufzuweichen trachtet. Jetzt soll differenziert werden, ob jemand als Schwimmer oder Zaunkletterer eindeutig illegal eingedrungen ist oder durch die nicht mehr kontrollierbaren Tore. Solche Haarspalterei untergräbt die an klaren Prinzipien orientierte Rechtsstaatlichkeit, denn das Ausnutzen der Wucht der Masse beim Tordurchtritt ist eine Gewaltanwendung, über die individualisierte Ansprüche als verloren angesehen werden müssen.

Doch auch diese klare Rechtsposition wird angefochten, und zwar über eine abenteuerlich inkonsistente Prioritätensetzung. Indem das Asylrecht im Extremfall vor Folter und Tod schützt, gilt es als ein unveräußerliches Recht, das auch durch eigene Gewalttätigkeit nicht untergeht. Damit wird dem Asylrecht jedoch eine unbillige Priorität vor dem Souveränitätsanspruch der Staaten zugestanden, in der Praxis also dem Schutz von Asylbewerbern vor dem Recht der Nationen, ihre rechtsstaatliche Ordnung aufrechtzuerhalten.

Der Stellenwert des Ordnungsgefüges wird in diesem Kontext grob unterbewertet, denn von ihm hängen das Leben, die Freiheit und das Wohlbefinden aller Bewohner ab, auch das der bereits aufgenommenen Asylsuchenden. Wer die Masse dazu nutzt, um einen Grenzübertritt zu erzwingen (egal ob über den Zaun oder durch ein nicht bewachbares Tor), zeigt damit seine fehlende Bereitschaft dieselbe rechtsstaatliche Ordnung zu respektieren, die er anschließend für sich in Anspruch nehmen möchte.

Es existiert ein solider Maßstab, um den Stellenwert eines bestehenden rechtsstaatlichen Ordnungsgefüges im Vergleich zum Stellenwert des Lebens eines einzelnen Individuums einzuschätzen. Dieser Maßstab wird spätestens in Kriegszeiten erkennbar, wenn Tausende bis Millionen individuelle Menschenleben bei der Verteidigung der – also exorbitant hoch eingeschätzten – Souveränität geopfert werden.

Dieser reale Wert der rechtsstaatlichen Ordnung geht entschieden zu wenig in die gegenwärtige Asylpraxis ein und setzt sich u.a. in der prinzipienfernen Duldung von Scharia-Gerichten fort. Angesichts weltweit zunehmender autokratischer Tendenzen muss der langfristigen Stabilisierung der verbliebenen freiheitlichen Rechtsstaaten eine deutlich höhere Wertschätzung zukommen. Wenn dagegen Entwicklungen in Kauf genommen werden, die über den Ablauf einiger Jahrzehnte einer Umschichtung der Mehrheitsverhältnisse wie im Libanon immer näherbringen, dann kann etwas mit den Prioritäten nicht stimmen.

Dieser Text steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0). Er darf kostenlos geteilt, übersetzt und weiterverbreitet werden, solange mein Name und meine Website als Quelle verlinkt werden: Christian Hamann https://www.frieden-freiheit-fairness.com

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Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.

Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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G‘schichtn aus‘m Nachbargartn – Folge 59

Abwegiges – Schwurbeleien – Unsinn

Eine Satire von Werner Roth

Immer noch hört man auch von kritischen Köpfen, wir müssen stets kämpfen „für die Demokratie“, sonst wird sie uns genommen. Aber welche Demokratie ist da gemeint? Die Zeit nach dem Krieg, als Adenauer als der von den Deepies installierte Leiter im Protektorat West-Deutschland den großen Zampano geben durfte, besonders gegen „Sofffijet-Russland“? Oder die darauf folgende große Koalition, mit dem NSDAP-Genossen Kiesinger und den Notstandgesetzen?

Wahrscheinlich am ehesten die Zeit von Willy und Schmidt-Schnauze, in der tatsächlich die Bevölkerung an der langen Leine gehalten werden durfte und Politik, wenigstens einigermaßen, FÜR das Volk gemacht wurde. Mit Kohls „geistig-moralischer Wende“ wurde das Ruder wieder hart steuerbord zugunsten des Kapitals herumgerissen. Nach dem Mauerfall wurde dann nur noch rückgebaut in Sachen Freiheit.

Von der Republik mit dem „Demokratisch“ im Namen der Deutschen fangen wir erst gar nicht an. Denn das waren alles blutrünstige Kommunisten, wobei das „kommunistisch“ auf der westlichen Wertigkeitsskala nah bei Kellerasseln rangiert.

Aber, aber, aber, wir Westler waren und sind doch „die Guten™“. Ach, wirklich? „Uns geht’s gut“ (wohlstandsmäßig) trifft es da eher. Und jetzt geht’s rapide immer mehr nicht mehr gut. Was nu?

„Der Optimist glaubt, dass wir derzeit im besten Deutschland aller Zeiten leben. Der Pessimist befürchtet das.“

Im Ideal ist eine Demokratie die Herrschaft des Volkes, das Volksvertreter wählt, die Volkes Wille zum Ausdruck in Parlamenten bringen. Die Abgeordneten müssen bei Abstimmungen den Überzeugungen ihrer Wähler genügen und keinesfalls anderen, gar konträren Interessen folgen.

Wo und wann gab bzw. gibt es eine solcherart beschaffene Demokratie? „Bist däppad, Oida? Mia hamm des do scho seid am Kriag, hoasts do imma und übaoi.“ Außerdem, was ist mit der Schweiz?

Während Freiheit, Menschenrechte und Demokratie gepredigt werden, erschafft man tatsächlich eine Infrastruktur zur totalen Kontrolle, geprägt von eiskalter Unmenschlichkeit und ausufernder Willkür. Übrigens auch in der Schweiz.

Der ständig Nachdenkende Gerhard Mersmann provoziert hierzu sprachlich elegant „UnsereDemokratie“ mit seinen Einlassungen, dass „von offizieller Seite ein Feindbild das andere jagt, ein Ressentiment das andere ablöst und eine dreiste Lüge den Staffelstab von der anderen übernimmt.“

Auf X lässt sich Franz Branntwein vernehmen: „Wenn die Totalüberwachung kommt, wird sie nicht sagen: „Hallo, ich bin die Totalüberwachung.“ Sie wird sagen: „Hallo, ich bin die #Chatkontrolle“. Im Gedenken an Ignazio Silone. Er ruhe in Frieden.

Belohnt wird nur die Fähigkeit, in einem Machtnetzwerk zu funktionieren.

Die Staatsdelegitimierer von Kla.TV packen gleich die ganz große Schippe aus: „Die ganze Menschheit hat ein Recht darauf zu erfahren, wer die wirklichen Verursacher all dieser furchtbaren Kriege sind. Es sind nicht die Russen oder Ukrainer, nicht die Amerikaner, Israelis, Chinesen oder Palästinenser – nein! Es sind diejenigen, die unser Geld- und Finanzsystem erschaffen haben und beherrschen!“

Wie lange dieses üble Spiel schon läuft, mag einer der Initiatoren mit seinen eigenen Worten belegen, der Mayer Amschel Rothschild (1744–1812), der mal konzedierte: „Gib mir die Kontrolle über das Geld einer Nation und es interessiert mich nicht, wer dessen Gesetze macht.“  Andere aus der Sippe der Barons de Rothschild haben auch gerne mal zu Action (=Kriege) angeraten, wenn der überzählige Pöbel partout nicht schnell genug verrecken will.

Karl Kraus übersetzte das alldieweil 1933 sinngemäß in der Weltbühne in die plastische Aussage: Wenn die Börse Krieg schreit, dann schreibt die Presse Krieg und dann macht die Politik Krieg. Was bleibt für uns Heutigen? Der Satz mit X? Gelernt haben wir nix!

Auch kleine Fische stinken, wenn sie faulen. Oder auch nach dem Arsch kriechen.

Wenn schon die Politiker ihre Reden und Aussagen von algorithmischen Sprachmodellen einer sog. KI kreieren lassen, dann regiert doch die KI bereits. Dabei wird hier die Kernkompetenz des Blechdepps genutzt, denn dem Plattitüden versprühen, dem Floskel-Bingo, dem Phrasen dreschen, hohlem, substanzlosem Gesülze und unkreativem Gebrabbel des politischen und medialen Personals ist die KI jetzt schon weit überlegen.

So, wie die Aussagen dieser Hohlbirnen daherkommen, so öde, langweilig, faktenresistent und vor allem absolut voraussehbar, das könnte wohl sogar ein aktueller Taschenrechner besser zum Ausdruck bringen.

Vielleicht wäre es noch nicht mal schlechter, wenn die KI regiert? Schlimmer kann’s ja eh nicht werden, oder? Die Redewendung „Das muss man sich mal durch den Kopf gehen lassen“ sollte man dabei nicht allzu ernst nehmen, vor allem wenn eine Schusswaffe in Reichweite rumliegt.

Die Doofen haben die Kontrolle übernommen.

Das mag keine bahnbrechende Erkenntnis darstellen, dennoch ist es Überschriftentauglich. Denn um an wirkliche Machtpositionen zu kommen, muss man schon weit übermäßig psychopathisch und geistig minderbemittelt sein. Sonst heißt‘s schnell mal an der Tür zur Macht: „Du kummst do ned rei!“

Die auf den Bildschirmen präsenten Darsteller feiern schon den performativen Sprechakt ihrer Lügen als mediale Wahrheit und Wirklichkeit. Nach dem bewährten Motto: Es existiert nur, was in der Tagesschau kommt. Dazu äußerte sich schon Walter Lippmann: „Wir reagieren nicht zuerst auf die Welt, sondern auf das Bild, das wir uns von ihr gemacht haben.“

Das gewünschte Bild, also die Botschaft, wird uns medial eingehämmert und emotional verankert, mittels gefühliger Reize, in einer möglichst tiefen Bewußtseinsebene, dem Unterbewußtsein. Dies ist der alte Hut mit der klassischen Konditionierung.

Wir „genießen“ das Resultat von über einem Jahrhundert psychologischer Forschung und menschenverachtender Experimente zur Gehirnmanipulation (MK Ultra, etc.). Yuval Noah Harari hat da mal nicht gelogen: „Wir haben den Menschen gehakt“!

Das Ziel besteht darin, den Bereich des Denkens einzuengen.

Derweilen gibt der Trickser Spahn den Kaiser, den Franz, den Beckenbauer und sagt, grenzdebil grinsend: „Gott freut sich über jedes Kind“.

Das Publikum, das solche Unverfrorenheiten goutiert, sind die Mitmacher in „UnsererDemokratie“, die zu den bemitleidenswertesten Lebensformen im Universum gehören. Diese Leute wollen entweder belogen werden, oder sind nicht in der Lage, die dauerlächelnden Gewohnheitslügner als solche zu erkennen, oder haben ein handfestes Stockholm-Syndrom. Aber hey, das ist doch nur ein „ist doch nur Spaß, Leute“-Spiel.

In Anlehnung an die biblischen Schriften könnte man denken: Sie sehen nicht. Sie denken nicht. Und Gott ernährt sie doch. Anzufügen wäre da allerdings noch: Und trotzdem schwimmen sie oben. Den Gedankensprung zu den toten Fischen, können Sie selbst machen…

Einer der letzten Führungsfiguren mit leidlich Verstand, wiewohl viel zu sehr überschätzt, der exzellente Selbstdarsteller mit virtuosem Ausdrucksvermögen, Helmut Schmidt, gab einst zu Protokoll:

„Die Glaubwürdigkeit der Politiker war noch nie so gering wie heute. Das liegt nicht zuletzt an einer Gesellschaft, die in die Glotze guckt. Die Politiker reden nur oberflächliches Zeug in Talkshows, weil sie meinen, es sei die Hauptsache, man präge sich ihr Gesicht ein.“ Ja! Stimmt immer noch. Und wirkt augenscheinlich.

Bei all dem Mist, der aus den Miet-Mäulern quillt, müssten deren Hintern eigentlich eifersüchtig werden.

Die SPD fordert Rechte von Queeren ins Grundgesetz zu schreiben. Was soll da dann stehen, was diesen geschlechtsfluiden Transen nicht sowieso schon zusteht? Das Recht, Unterwerfungs- oder Huldigungsgesten von Normalos jederzeit einzufordern? Das Recht auf uneingeschränkte Geschlechtsakte, überall und wann auch immer?

Aus peripher informierten Kreisen schimmert durch, dass die CDU künftig CDH, „Club der Hirntoten“, heißen soll. Die SPD goes english und nennt sich künftig „Self Punishing Destroyers“.

Der Wunsch, die Welt zu retten (vor Klima, Rääächts, Logik und Realität, etc.) und damit Teil von etwas Größerem zu sein, ist für viele die Möglichkeit, die unendliche Sinnlosigkeit in sich selbst zu bekämpfen. Solche Gestalten verwechseln aber auch gern mal den Rauchmelder mit der anrückenden Feuerwehr.

„Die Guten™“ haben den Nationalsozialismus zwar radikal verbal, nicht aber charakterlich überwunden.

Zeitgenossen wie diese halten sich tatsächlich für mutig, weil sie mit den „richtigen“ Leuten einer Meinung sind. Dabei sind das Radfahrer im übertragenen Sinn: Nach oben buckeln und nach unten treten. In der physischen Realität oft verkörpert als Liegeradfahrer: Auf dem Rücken liegend und strampelnd, wie ein verzogenes Kleinkind an der Kasse.

Diese buntvielfältige Gesellschaft kann nix, weiß nix und macht sich wegen jedem Klein-Scheiß in die Hosen.  Nun ja, das letzte Sprachbild kann man auch als danebengegangen bezeichnen… Upps, schon wieder eine blöde Assoziation.

Wenn die Abweichung zur Normalität erklärt wird, dann ist das „UnsereDemokratie“.

Haben Sie’s mitgekriegt? Nun ist die Welt untergangen, zumindest wenn man die Qualitätsmedien verfolgt. Die Topthemen sind bestimmt von Klima (Höllenfeuer, Hitzerekorde, Dürre, etc.) und Terror. Das letzte auch noch genial verbunden mit Diskriminierung. Ausgerechnet gegen den Markenkern unserer Gesellschaft, der totalen Toleranz. Nur nicht für die, die „UnsereDemokratie“ kritisch sehen.

Wie man gerade erleben kann, führt die staatliche Verpflichtung zur Toleranz in den Autoritarismus. Dessen ungeachtet ist der buntvielfältige CSD-Narrenzirkus kein Zeichen eines Schmelztiegels, sondern führt zur Kernschmelze. Diese Woken sind vom Typus Wasserprediger im Vollsuff und vom umgekehrten Rassenwahn getriebene.

Leute, denen auch Sprachgewalt unterstellt wird, weisen dieses Talent nun entschieden von sich. Denn der „Lonely Bad Guy“ schlechthin, unser Fritz, der Ungeliebte, jagt denen jetzt aber richtig Angst ein, mit seinen Worten zum Anschlag: „Dumme Redensarten, schlechte Witze sind bereits Teil einer solchen Gewalt.“

Dann muas guad sei fia heit. Sunst kimmt nu jemand, den ma goa ned wui…

Mehr von Werner Roth finden Sie hier: https://www.anderweltonline.com/satire/

Dieser Artikel erschien zuerst unter
https://www.anderweltonline.com/satire/satire-2026/gschichtn-ausm-nachbargartn-folge-59/


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Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
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Stepan Bandera – Warum sein Kult Europas Glaubwürdigkeit beschädigt

Von Uwe Froschauer

Europa erklärt den Kampf gegen Rechtsextremismus zu einem seiner wichtigsten politischen Ziele. Kaum eine gesellschaftliche Entwicklung wird so entschieden bekämpft wie Nationalismus, Antisemitismus und die Verherrlichung faschistischer Ideologien. Politiker beschwören regelmäßig die historische Verantwortung Europas und betonen, dass sich die Verbrechen des Nationalsozialismus niemals wiederholen dürfen.

Wie kann es dann sein, dass dieselben Regierungen seit Jahren einen Staat politisch, finanziell und militärisch unterstützen, in dem Stepan Bandera – eine der umstrittensten Figuren des Zweiten Weltkriegs – von großen Teilen der Gesellschaft und Politik als Nationalheld verehrt wird. Straßen, Denkmäler und Gedenkveranstaltungen erinnern an einen Mann, dessen Name außerhalb der Ukraine vor allem mit ethnischem Nationalismus sowie den Verbrechen der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) und der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA) verbunden wird.

Besonders in Polen stößt diese Erinnerungspolitik seit Jahren auf scharfe Kritik. Dort gelten die Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien als eines der dunkelsten Kapitel des Zweiten Weltkriegs. Dennoch ist die Bandera-Verehrung in der Ukraine für viele westliche Regierungen selten ein Thema.

Wie passt es zusammen, dass Europa jede Form der Verherrlichung nationalsozialistischer Ideologien im eigenen Land entschieden verurteilt, gleichzeitig aber kaum Kritik daran übt, wenn in einem eng unterstützten Partnerstaat Persönlichkeiten geehrt werden, deren historische Rolle international höchst umstritten ist? Dieser Frage geht dieser Beitrag nach.

Stepan Bandera – Die Geschichte hinter dem Mythos

Um zu verstehen, warum Stepan Bandera bis heute in großen Teilen der Ukraine verehrt wird und zugleich in vielen anderen Ländern als Symbol eines radikalen Nationalismus gilt, sollte man seine Lebensgeschichte kennen. Sie ist geprägt von dem Streben nach einem unabhängigen ukrainischen Staat, aber auch von politischen Bündnissen und Entscheidungen, die mehr als fragwürdig sind.

Stepan Bandera wurde am 1. Januar 1909 im damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Dorf Staryj Uhryniw in Galizien geboren. Er wuchs in einer Zeit auf, in der die Ukraine zwischen verschiedenen Großmächten aufgeteilt war. Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs fiel seine Heimat an Polen. Viele ukrainische Nationalisten empfanden die polnische Herrschaft als Fremdbestimmung und kämpften für einen eigenen Staat.

Schon als junger Mann schloss sich Bandera der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) an. Die OUN verfolgte das Ziel, einen unabhängigen ukrainischen Nationalstaat zu errichten. Dabei vertrat sie einen radikalen Nationalismus, der demokratische Prinzipien ablehnte und den bewaffneten Kampf als legitimes Mittel zur Erreichung politischer Ziele betrachtete. Innerhalb der Organisation gewann Bandera rasch an Einfluss. 1940 spaltete sich die OUN in zwei Flügel: den gemäßigteren Flügel unter Andrij Melnyk (OUN-M) und den radikaleren Flügel unter Stepan Bandera (OUN-B).

Mit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion im Juni 1941 sahen viele ukrainische Nationalisten die Chance gekommen, die sowjetische Herrschaft abzuschütteln und einen eigenen Staat zu errichten. Teile der OUN arbeiteten zunächst mit dem Deutschen Reich zusammen und hofften, Deutschland werde die Gründung eines unabhängigen ukrainischen Staates unterstützen. Am 30. Juni 1941 riefen Anhänger Banderas in Lemberg ein unabhängiges ukrainisches Staatswesen aus.

Diese Hoffnung erfüllte sich jedoch nicht. Die nationalsozialistische Führung verfolgte eigene Pläne für die besetzten Gebiete und lehnte einen souveränen ukrainischen Staat ab. Bandera weigerte sich, die Unabhängigkeitserklärung zurückzunehmen. Daraufhin wurde er im Juli 1941 von den deutschen Behörden verhaftet und später im Konzentrationslager Sachsenhausen in einem Sonderbereich für prominente Häftlinge interniert. Dort blieb er bis zum Herbst 1944, als er im Zuge der sich verschlechternden Kriegslage freigelassen wurde.

Während Bandera interniert war, entwickelten sich die von seinem Flügel der OUN geprägten Strukturen weiter. Aus diesem Umfeld ging die Ukrainische Aufstandsarmee (UPA) hervor, die sowohl gegen die deutsche Besatzung als auch gegen sowjetische Truppen kämpfte, deren Schwerpunkt sich jedoch zunehmend auf den Kampf gegen die Sowjetunion verlagerte.

Zu den dunkelsten Kapiteln dieser Zeit gehören die Massaker an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien in den Jahren 1943 und 1944. Historiker schreiben Einheiten der UPA und Angehörigen der OUN eine zentrale Rolle bei diesen Verbrechen zu. Die Schätzungen der Opferzahlen reichen – je nach Quelle – von mehreren Zehntausend bis zu über 100.000 überwiegend polnischen Zivilisten. Polen bewertet die Ereignisse heute offiziell als Völkermord. Über die genaue persönliche Verantwortung Stepan Banderas bestehen in der historischen Forschung unterschiedliche Auffassungen. Unstrittig ist jedoch, dass die Verbrechen im Umfeld der von seinem Flügel geprägten nationalistischen Bewegung stattfanden und bis heute das Verhältnis zwischen Polen und der Ukraine belasten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs lebte Bandera im Exil in München. Der beginnende Kalte Krieg verlieh dem ukrainischen Nationalismus eine neue geopolitische Bedeutung. Westliche Geheimdienste, insbesondere britische und amerikanische Dienste, unterhielten Kontakte zu verschiedenen ukrainischen Exilgruppen und unterstützten einzelne antikommunistische Netzwerke im Kampf gegen die Sowjetunion. Auch das Umfeld Banderas spielte in diesen Zusammenhängen eine Rolle.

Am 15. Oktober 1959 wurde Stepan Bandera vor seinem Wohnhaus in München vom KGB-Agenten Bohdan Staschynskyj mit einer speziell konstruierten Giftwaffe ermordet. Sein Tod machte ihn für viele ukrainische Nationalisten endgültig zu einer Märtyrerfigur. Bis heute wird Bandera von Teilen der ukrainischen Gesellschaft als Symbol des Unabhängigkeitskampfes verehrt, während andere in ihm einen Vertreter eines radikalen Nationalismus sehen, dessen politische Bewegung mit schweren Kriegsverbrechen verbunden war. Diese gegensätzlichen Deutungen bilden den Hintergrund für die bis heute andauernden Kontroversen um seine Person.

Vom Nationalisten zur Ikone – Der Bandera-Kult in der heutigen Ukraine

Mit dem Tod Stepan Banderas im Jahr 1959 endete sein Leben, nicht jedoch seine politische Wirkung. Nach dem Zerfall der Sowjetunion und insbesondere seit der Unabhängigkeit der Ukraine entwickelte sich Bandera für Teile der ukrainischen Gesellschaft zunehmend zu einer Symbolfigur des nationalen Unabhängigkeitskampfes. Gleichzeitig wuchs außerhalb der Ukraine die Kritik daran, dass bei seiner Verehrung häufig jene Kapitel ausgeblendet werden, die seine politische Bewegung mit schweren Verbrechen während des Zweiten Weltkriegs verbinden.

Besonders in der Westukraine begann eine systematische Aufwertung Banderas und anderer führender Vertreter der Organisation Ukrainischer Nationalisten (OUN) sowie der Ukrainischen Aufstandsarmee (UPA). Zahlreiche Straßen, Plätze und öffentliche Einrichtungen wurden nach Bandera benannt. In mehreren Städten entstanden Denkmäler und Büsten, während bereits vorhandene Erinnerungsstätten restauriert oder erweitert wurden. Wer durch Städte wie Lwiw (Lemberg) oder Iwano-Frankiwsk reist, begegnet dem Namen Bandera an vielen Stellen des öffentlichen Lebens.

Jedes Jahr am 1. Januar, dem Geburtstag Stepan Banderas, finden in verschiedenen ukrainischen Städten Gedenkveranstaltungen statt. Am Bandera-Denkmal in Lwiw versammeln sich regelmäßig Politiker, Vertreter regionaler Behörden, Veteranenverbände und Unterstützer nationalistischer Organisationen. Kränze werden niedergelegt, Reden gehalten und Bandera als Symbol des ukrainischen Unabhängigkeitskampfes gewürdigt. Auch zum 117. Geburtstag am 1. Januar 2026 fanden erneut offizielle Gedenkveranstaltungen statt. Der Bandera-Kult beschränkt sich dabei längst nicht auf einen symbolischen Feiertag. Symbolträchtig war auch der Besuch des damaligen ukrainischen Botschafters in Deutschland, Andrij Melnyk, am Grab Stepan Banderas auf dem Münchner Waldfriedhof im Jahr 2015. Dort legte er Blumen nieder und bezeichnete Bandera anschließend öffentlich als „unseren Helden“. Während des Ukraine-Kriegs 2022 wurde Melnyk jedoch erneut zum Gegenstand einer breiten Debatte – allerdings nicht wegen eines weiteren Grabbesuchs, sondern weil er in Interviews, insbesondere bei Jung & Naiv, Bandera als Freiheitskämpfer verteidigte und historische Vorwürfe gegen ihn bestritt oder relativierte.
Nach meiner Auffassung handelt es sich um die Verherrlichung einer historischen Persönlichkeit, deren politisches Umfeld mit ethnischem Nationalismus und schweren Kriegsverbrechen verbunden war.

Hinzu kommen zahlreiche Straßen, Plätze und öffentliche Einrichtungen, die seinen Namen tragen. Im Zuge der sogenannten Dekommunisierung nach 2014 wurden tausende Straßen und Plätze umbenannt, sowjetische Denkmäler entfernt und zahlreiche Persönlichkeiten des ukrainischen Nationalismus stärker in das öffentliche Geschichtsbild integriert. Befürworter sehen darin eine Loslösung von der sowjetischen Vergangenheit und die Stärkung einer eigenständigen nationalen Identität. Ich werfe den Verantwortlichen dagegen vor, die dunklen Seiten einzelner historischer Persönlichkeiten zu relativieren oder bewusst auszublenden.

Diese Erinnerungspolitik richtet sich nicht allein an Erwachsene. Sie prägt auch das öffentliche Geschichtsverständnis jüngerer Generationen. Öffentliche Gedenkveranstaltungen, schulische Aktivitäten und Jugendorganisationen vermitteln vielerorts ein Bild Banderas als Nationalheld und Freiheitskämpfer. Die kritische Auseinandersetzung mit den Verbrechen, die Historiker Angehörigen der OUN und der UPA zuschreiben, tritt dabei nach meiner Einschätzung in den Hintergrund.

Auch Angehörige der ukrainischen Streitkräfte haben sich in der Vergangenheit öffentlich mit Bandera identifiziert. Fotos und Beiträge in sozialen Medien, auf denen hochrangige Militärangehörige oder militärische Einheiten vor Bandera-Porträts oder entsprechenden Symbolen auftreten, sorgten wiederholt für internationale Kritik. Solche Darstellungen verstärken den Eindruck, dass Bandera nicht nur als historische Persönlichkeit betrachtet wird, sondern bis heute eine identitätsstiftende Symbolfigur für Teile des ukrainischen Staats- und Sicherheitsapparates geblieben ist.

Nicht nur Bandera wird auf diese Weise geehrt. Auch Roman Schuchewytsch, einer der führenden Kommandeure der UPA, ist Namensgeber zahlreicher Straßen, Denkmäler und öffentlicher Einrichtungen. Für viele Ukrainer verkörpern Bandera und Schuchewytsch den jahrzehntelangen Kampf gegen die sowjetische Herrschaft. Für Polen und zahlreiche Historiker stehen ihre Namen dagegen untrennbar mit den Massakern an der polnischen Zivilbevölkerung in Wolhynien und Ostgalizien in Verbindung – einem der schwersten Verbrechen des Zweiten Weltkriegs in Osteuropa.

Diese gegensätzliche Erinnerungskultur macht deutlich, warum der Bandera-Kult bis heute weit über die Grenzen der Ukraine hinaus kontrovers diskutiert wird. Während seine Anhänger ihn als Freiheitskämpfer verehren, sehen seine Kritiker in der staatlichen Ehrung Banderas und weiterer OUN- beziehungsweise UPA-Führer eine problematische Verklärung historischer Persönlichkeiten, deren politisches Umfeld mit schweren Verbrechen verbunden war.

Besonders scharf fällt die Kritik aus Polen aus. Dort gelten die Verbrechen der UPA an der polnischen Bevölkerung als historisch gesichert und werden offiziell als Völkermord bewertet. Polnische Regierungen – unabhängig von ihrer politischen Ausrichtung – haben die fortdauernde Verehrung Banderas und anderer OUN- beziehungsweise UPA-Führer wiederholt kritisiert. Warschau fordert seit Jahren eine umfassende historische Aufarbeitung sowie die uneingeschränkte Möglichkeit, die Opfer der Massaker zu exhumieren und würdig zu bestatten. Immer wieder führen neue Ehrungen oder Straßenbenennungen in der Ukraine zu diplomatischen Spannungen zwischen beiden Ländern.

Es ist bezeichnend, dass diese Kritik nicht von vom „Wertewesten“ dämonisierten Russland ausgeht, sondern von einem der engsten Verbündeten der Ukraine in Europa. Polen gehört seit Beginn des russischen Angriffskrieges zu den entschiedensten Unterstützern Kiews – militärisch, finanziell und politisch. Umso größer ist dort das Unverständnis darüber, dass Persönlichkeiten geehrt werden, die in Polen als Mitverantwortliche für eines der schwersten Verbrechen an der eigenen Zivilbevölkerung gelten.

An diesem Punkt beginnt die eigentliche politische Frage. Wenn europäische Regierungen jede Form der Verherrlichung nationalsozialistischer oder faschistischer Ideologien im eigenen Land zurecht entschieden ablehnen, warum wird die anhaltende Verehrung Stepan Banderas in der Ukraine nur selten zum Gegenstand öffentlicher Kritik? Diese Frage führt unmittelbar zum nächsten Abschnitt.

Europas Schweigen – Wenn Werte plötzlich relativ werden

Die Verehrung Stepan Banderas und anderer führender Vertreter der OUN und UPA ist längst keine ausschließlich ukrainische Angelegenheit mehr. Spätestens seit die Europäische Union die Ukraine politisch, finanziell und militärisch in beispielloser Weise unterstützt und ihr zugleich eine Beitrittsperspektive eröffnet hat, stellt sich zwangsläufig die Frage, wie Europa mit diesem Teil der ukrainischen Erinnerungspolitik umgeht.

Die jüngste Auseinandersetzung zwischen Polen und der Ukraine zeigt, dass es sich keineswegs um eine historische Randnotiz handelt. Nachdem Präsident Selenskyj Ende Mai 2026 eine Eliteeinheit nach den „Helden der UPA“ benennen ließ, reagierte die polnische Regierung berechtigterweise mit scharfer Kritik. Warschau sprach von einer Provokation gegenüber einem Land, dessen Bevölkerung während des Zweiten Weltkriegs zehntausende Opfer der UPA zu beklagen hatte. Auch das Europäische Parlament äußerte Bedauern und bezeichnete die Entscheidung als eine „unnötige und unprovozierte Eskalation“. Doch bei diesem Bedauern blieb es. Weder hatte die Entscheidung erkennbare politische Folgen für den EU-Beitrittsprozess der Ukraine, noch führte sie zu einer grundsätzlichen Debatte über die ukrainische Erinnerungspolitik.

Diese Reaktion befremdet mich doch sehr. Die Europäische Union versteht sich als Wertegemeinschaft – dieses Verständnis verabschiedet sich bei mir als bedingungslosen Pazifisten aufgrund der bellizistischen Ausrichtung der Protagonisten der EU zunehmend. Die EU fordert von Beitrittskandidaten die Achtung von Demokratie, Rechtsstaatlichkeit und Menschenrechten und tritt entschieden gegen jede Form der Verherrlichung nationalsozialistischer Ideologien auf. Umso scheinheiliger ist es, dass die anhaltende Verehrung historischer Persönlichkeiten wie Stepan Bandera und Roman Schuchewytsch zwar gelegentlich kritisiert wird, daraus jedoch bislang kaum politische Konsequenzen erwachsen.

Hier stellt sich eine grundsätzliche Frage: Würde die Europäische Union ebenso reagieren, wenn ein Mitgliedstaat der EU eine militärische Einheit nach einer Organisation benennen würde, die mit schweren Kriegsverbrechen in Verbindung gebracht wird? Würde ein bloßes Bedauern genügen, oder wären massive politische Reaktionen die Folge?

Die Europäische Union hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass die Verherrlichung totalitärer Regime und ihrer Repräsentanten mit den europäischen Grundwerten unvereinbar ist. So wurden etwa Ehrungen von Persönlichkeiten des Ustascha-Regimes auf dem westlichen Balkan wiederholt zum Gegenstand politischer Debatten und parlamentarischer Anfragen auf europäischer Ebene. Deshalb stellt sich die Frage, warum die Ehrung von OUN- und UPA-Führern in der Ukraine bislang weitgehend ohne vergleichbare politische Konsequenzen geblieben ist.

In meinen Augen misst die Europäische Union hier mit zweierlei Maß. Dieselben Handlungen, die andernorts scharfe Verurteilungen nach sich ziehen, werden im Fall der Ukraine nachsichtig behandelt. Für mich ist das Doppelmoral. Historische Maßstäbe werden in diesem Fall nicht unabhängig von aktuellen politischen Interessen angewendet. Unübersehbar ist, dass die Debatte über den Bandera-Kult weit über eine historische Auseinandersetzung hinausreicht. Sie berührt die Glaubwürdigkeit jener Werte, auf die sich die Europäische Union immer wieder beruft.

Diese Zurückhaltung zeigt sich nicht nur in den Institutionen der Europäischen Union, sondern auch im Verhalten zahlreicher europäischer Regierungschefs. Während in den eigenen Ländern jede Nähe zu rechtsextremen Symbolen oder historischen Persönlichkeiten des Nationalsozialismus regelmäßig zu heftigen politischen Debatten führt, spielt der Bandera-Kult in der Ukraine im Umgang westlicher Spitzenpolitiker praktisch keine Rolle.

Bundeskanzler Friedrich Merz zählt ebenso wie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron, EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der damalige britische Premierminister Keir Starmer zu den entschiedensten politischen Unterstützern der Ukraine. Milliardenhilfen, umfangreiche steuer- und kreditfinanzierte Waffenlieferungen, demonstrative Solidaritätsbesuche und die klare Unterstützung eines künftigen EU-Beitritts prägen seit Jahren die europäische kriegsverlängernde Ukraine-Politik. Die fortdauernde Verehrung Stepan Banderas oder anderer führender Vertreter der OUN und UPA wird dabei allenfalls am Rande thematisiert.

Dieser Kontrast schreit zum Himmel. Würde eine vergleichbare Form der staatlichen Erinnerungspolitik in einem Mitgliedstaat der Europäischen Union ebenso zurückhaltend behandelt? Oder würden politische Konsequenzen folgen? Der unterschiedliche Umgang mit vergleichbaren historischen Symbolen zeigt, dass moralische Maßstäbe nicht unabhängig von aktuellen geopolitischen Interessen angewendet werden.

Besonders deutlich wurde dies am 14.Juli 2026, dem französischen Nationalfeiertag, als Präsident Selenskyj als Ehrengast in Paris empfangen wurde. Solche Gesten unterstreichen die enge politische Partnerschaft zwischen der Ukraine und ihren europäischen Unterstützern. Ich frage mich ernsthaft, warum die ukrainische Erinnerungspolitik gegenüber Stepan Bandera und der UPA im politischen Dialog kaum eine erkennbare Rolle spielt. Würde sie eine Rolle spielen, dürfte ein Regierungschef eines faschistisch unterminierten Regimes wie Wolodymyr Selenskyj zu Feierlichkeiten wie dem französischen Bastille-Tag nicht eingeladen werden.

In Deutschland genügt häufig bereits das Auftauchen einzelner rechtsextremer Symbole oder Fahnen bei einer Demonstration, um die öffentliche Debatte maßgeblich zu prägen. Medien berichten ausführlich darüber, Politiker verurteilen solche Erscheinungen scharf, und meist gerät dadurch die eigentliche Botschaft einer Veranstaltung bei den Medien und damit bei großen Teilen der Bevölkerung in den Hintergrund.

So wurde beispielsweise auch bei Kundgebungen der Friedensbewegung oder bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen intensiv über das Auftreten einzelner Personen mit rechtsextremen Symbolen berichtet. Unabhängig davon, wie repräsentativ diese für die jeweiligen Demonstrationen waren, bestand in Politik und Medien weitgehend Einigkeit darüber, dass jede Form der Verherrlichung oder Verharmlosung rechtsextremer Symbolik entschieden zurückgewiesen werden müsse.

Deshalb ist in meinen Augen der Umgang mit der ukrainischen Erinnerungspolitik widersprüchlich. Während in Deutschland bereits einzelne rechtsextreme Symbole zu scharfer öffentlicher Kritik führen, wird die staatliche Ehrung historischer Persönlichkeiten wie Stepan Bandera oder Roman Schuchewytsch im politischen Dialog mit der Ukraine nur selten zum zentralen Thema gemacht.

Für mich drängt sich deshalb die Frage auf, ob hier mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wird. Wenn historische Symbolik im eigenen Land zu Recht sensibel bewertet wird, sollte dieselbe Sensibilität auch gegenüber einem engen politischen Partner gelten.

Wie glaubwürdig sind Europas Werte?

Der Kern dieses Beitrags ist nicht die historische Bewertung Stepan Banderas. Ebenso wenig geht es darum, die komplexe Geschichte der Ukraine auf eine einzige Persönlichkeit zu reduzieren. Die eigentliche Frage lautet vielmehr: Gilt der Wertekanon der Europäischen Union ausnahmslos – oder hängt seine Anwendung davon ab, ob es sich um einen politischen Verbündeten oder einen politischen Gegner handelt?

Wer Antisemitismus, Nationalsozialismus und die Verherrlichung faschistischer Ideologien zu Recht verurteilt, muss dies ohne Ausnahme tun. Dieselben moralischen Maßstäbe müssen für Freunde ebenso gelten wie für Gegner. Andernfalls verlieren sie ihren universellen Charakter und werden zu politischen Instrumenten.

Deshalb muss die ukrainische Erinnerungspolitik offen und ehrlich diskutiert werden. Polen – eines der Länder, das die Ukraine seit Beginn des Krieges am stärksten unterstützt – weist seit Jahren auf die Verbrechen in Wolhynien und Ostgalizien hin und kritisiert die anhaltende Verehrung Stepan Banderas und anderer OUN- beziehungsweise UPA-Führer scharf. Dennoch bleibt dieses Thema im politischen Dialog zwischen der Europäischen Union und der Ukraine randständig.

Geschichte lässt sich nicht ändern. Der Umgang mit ihr jedoch schon. Wer historische Verbrechen verschweigt, relativiert oder je nach politischer Interessenlage unterschiedlich bewertet, untergräbt die Glaubwürdigkeit der Werte, auf die er sich selbst beruft.

Hier entscheidet sich die Glaubwürdigkeit einer Wertegemeinschaft. Der wahre Prüfstein von Werten ist nicht der Umgang mit politischen Gegnern – dort fällt moralische Empörung leicht. Er zeigt sich vielmehr im Umgang mit den eigenen Verbündeten. Entweder gelten dieselben Maßstäbe für Freunde und Gegner – oder es sind keine universellen Werte.

Eine Wertegemeinschaft kann nur dann glaubwürdig sein, wenn ihre Maßstäbe unabhängig von politischen Interessen gelten. Glaubwürdigkeit entsteht nicht durch wohlklingende Erklärungen, sondern durch konsequentes Handeln – insbesondere dann, wenn es gegenüber den eigenen Verbündeten unbequem wird.

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Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2.Juli 2026 veröffentlicht.
https://www.amazon.de/dp/B0H761YF9H/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=

Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.

Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

Meine Artikel können gerne für andere Blogs oder sonstige Kommunikationsplattformen verwendet werden, soweit Inhalte nicht verändert werden, die Quelle zitiert und der Spendenaufruf beibehalten wird.

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G‘schichtn aus‘m Nachbargartn – Folge 58

Abwegiges – Schwurbeleien – Unsinn

Eine Satire von Werner Roth

Wie vielen geht es eigentlich in diesem Land aus Irren und Unfähigen wie Jack Nicholson im Film „Einer flog übers Kuckucksnest“? Wie lebt man einigermaßen unbeschadet als Normalo unter Schwachsinnigen?

Alle Zeitgenossen im „Imperium der Lügen“ sind Produkte von Gesellschaften, die von Psychosen und Wahnzuständen beherrscht werden. Orientierungsverlust und geistige Verwirrung werden hierbei beschönigend als bunt, vielfältig und erstrebenswert verklärt.

Doch schrill sein, schräg sein und laut sein sind keine Qualität für sich, sondern eben schrill, schräg und laut. Und damit einfach nur nervig. Das erinnert stark an einen Spontispruch aus den 70ern: „Wir gehören jetzt nicht mehr zur Norm, denn wir tragen die Nonkonformistenuniform,“

Es wäre inzwischen angebracht, nicht mehr nur vom „Imperium der Lügen“ zu sprechen, sondern vom „Imperium der Lügen und des Wahnsinns“.

Panta Rhei, soll Heraklit mal von sich gegeben haben. Alles fließt. Da ist eine Welterkenntnis sehr platzsparend verpackt. Dass „nix blaibt wias is“ dürfte aber auch unseren unsteten Vorgängern in ihren Höhlen schon aufgefallen sein.

Heute liest und hört man über alles und von allen, dass sich Strukturen, Stabilisierungspunkte, Überzeugungen, Gewissheiten, Bindungen, Beziehungen, Regeln, etc. auflösen, verflüchtigen oder zerfließen. Salvador Dali hat das bereits im Jahr 1931 unnachahmlich in seinem berühmten Bild „Die Beständigkeit der Erinnerung“ (La persistencia de la memoria) festgehalten (siehe Titelbild).

Auch die seit Beginn der Corona-Spezialoperation noch zunehmenden und inzwischen permanenten Bombardierungen der Menschengehirne mit Bullshit en masse bewirken immer spürbarer den Effekt einer Gehirnverflüssigung.

Jeden Tag werden neue Lügen der Propaganda aufgedeckt. Das sprengt inzwischen jede Strichliste.

Falls es jemand noch nicht mitgekriegt hat, sei nochmal erwähnt, dass wir uns schon recht lange in einem Weltkrieg befinden. Der wird um die Vereinnahmung des menschlichen Geistes geführt, denn die Kontrolle des menschlichen Gehirns durch subtile Manipulation ist von weit größerer Bedeutung als die Herrschaft über ein geografisches Territorium. „Des blärrn de kätzarischn Spinna oiwai umanand:“

Der unerbittliche und kristallklar sehende Roberto de Lapuente stellt zu den deutlicher werdenden Kriegsfolgen bündig fest: „Deutschland ist ein ziemlich verkorkstes, ein dysfunktionales Land. Überall Brachen und Baustellen, überall defekte Rolltreppen, Toiletten und Klimaanlagen. Kaputte Leute obendrauf.“

In Anlehnung an das berühmte „panta rhei“ müsste heute noch, je nach gewünschtem Fokus, „panta syrriknonetai“, was auf Griechisch heißt „alles schrumpft“, hinzukommen, „wann‘s ned a so gach zum sogn war.“

Der Parteichef von „Die Partei“, der Martin Sonneborn kübelt einfach Wahrheit, heute leicht und gern als Zynismus abgekanzelt, über unsere aktuellen Verteidigungsbemühungen, also unsere erstrebenswerte Kriegstüchtigkeit nach innen wie außen: „Schade nur, dass wir dafür all die Errungenschaften und Freiheiten aufgeben müssen, die wir damit verteidigen wollten.“

Wer die Demut nicht lebt, wird sie durch eine Demütigung erlernen müssen.

Da trifft es sich gut, dass der westlich sozialisierte Mensch die perfekte Entsprechung zum Pawlow’schen Hund ist. Durch das stärkste Konditionierungsmittel unserer Zeit, das Bewegtbild bzw. die Filmwirtschaft, wurden wir glauben gemacht, dass Katastrophen immer mit Rumms-Bumms-Wumms bis hin zu Atompilzen, Sirenen, und Notfallmeldungen bzw. Breaking-News im Fernsehprogramm einhergehen.

In Wirklichkeit kommen die wahrlich einschneidenden Krisen weit weniger theatralisch daher. Es geht zuerst leise und fast unmerklich los, bereitet dann zunehmend Unannehmlichkeiten, bis es nicht mehr beherrschbar ist. „Spadastans do duats dann wääh.“

Das alles wird einer Gesellschaft übergestülpt, der systematisch über Generationen, auf der tiefsten Ebene, den im Unterbewusstsein sitzenden Gefühlen, vornehmlich Angst eingejagt wurde. Über Film und Medien wird unablässig Angst verbreitet. Unbewusst, subtil, manipulativ und flächendeckend – und, hähä, nachhaltig.

Die Angstproduktion läuft wie geschmiert und planmäßig auf hohem verhaltenspsychologischem Niveau. Realität und die Wahrheit mit ihr lösen sich auf. Aber sicher nicht in Wohlgefallen.

Mit der Suche nach der Wahrheit kann man zwar nicht auf Nummer sicher gehen, aber aufrechter.

Zum Klimawandel kann es keine verschiedenen Meinungen geben, denn „das geht ja gar nicht“ (Mutti Merkel). Aber was, wenn sich das Meinungsklima wandelt? Denn tatsächlich leben wir in Meinungsklimawandelzeiten, nicht in Klimawandelzeiten.

Derweilen geben sich die „Eliten“ die größte Mühe, die Mantra mäßige Leier vom Menschen erdachten, ääähh…, gemachten Klimawandel tatsächlich wahr werden zu lassen. Diese gigantische Menge an heißer Luft, die da produziert und freigesetzt wird, muss doch Konsequenzen zeitigen?

Denn sonst droht am Horizont die totale Abwendung der Leute von den immer rücksichtsloseren, zivilisationszerstörenden Maßnahmen, die sie im Namen einer völlig imaginären Katastrophe akzeptieren sollen. Nicht, dass auf Dauer diese verdammte Realität die virtuellen Träume der Erdverkochung zunichtemachen wird, wie ein Maschinengewehr eine angetretene Infanteriekompanie beim Appell, um im kriegstüchtigen Duktus zu bleiben.

Deutschland wird nicht wärmer, sondern ärmer.

Auf dem Schlachtfeld der Intelligenz sollte man nicht unbewaffnet erscheinen.

Das Betriebsklima im Beraterstab der Personal Coaches vom Hape „Huuurz“ Kerkeling muss derzeit bombastisch sein. Die Idee, diese abgetakelte Schabracke eines aufgedunsenen Bekenntnisschwulen in das höchste Staatsamt überhaupt zu hieven, hat zweifellos Lachstürme im Team der Imageberater ausgelöst.

Wahrscheinlich hatte jemand den verrückten Einfall, das Drehbuch zum unwitzigsten, ödesten, langweiligsten Film „Isch kandidiere“ für die heutige Realität einer Zweitverwertung zuzuführen. Dort, im Film, überkommt dem Alter Ego des Hauptdarstellers, Horst Schlämmer, die Überzeugung, er hätte gute Chancen zu irgendwas gewählt zu werden.

Nun ist er, der Hape, ja auch Experte für Rääächts. Nein. Quatsch. Natürlich gegen Rääächts. In den Thüringischen Landtag wurde er jedenfalls als solcher berufen. Mehr muss man ja nicht draufhaben.

Von selbst kommt eine Hohlbirne wie die sowieso auf gar nix, der hat seine Leute, die ihm die Vorlagen und –gaben liefern. Wenn das also in unserer neuen Lebenswahrheit gelingen sollte, wäre das wirklich die Krönung. Und überhaupt: Der oberste Repräsentant dieser Deppenrepublik kann ja eigentlich auch nur ein Ober-Depp sein. Passt! Hape for President!

Für eine Doku über Vulva Watching bekommt man hierzulande einen Fernsehpreis! Nein! Doch! Ohhh!

Am Ende wird alles gut. Der Ober-Dummschwätzer von den „laahren Hosn“ (bayrisch für jemanden ohne Mut und Rückgrat), der Andreas Joachim Wolfgang Konrad Frege, der Fruchtbonbonverteiler, der Campino, ruft auf: „Wir alle gegen die Dummheit. Da wird jede Stimme gebraucht“. Wenn allerdings die Brunsdummen gegen die Dummheit agieren, ist das dann nicht Selbstverstümmelung?

Die Bahnchefin Palla, unter Freunden liebevoll Balla-Palla geheißen, überlässt nichts mehr den Satirikern. Sie verkündet ein Sofortprogramm, indem sie die satirischen Formulierungen gleich selbst vorgibt: „Bahn sagt jetzt schneller, wann sie später kommt.“ Wie soll man das noch toppen?

Warum versuchen es unsere „Führungskräfte“ in EU, NATO und „UnsererDemokratie“ zur Abschreckung der Feinde (Putin, Xi, Mullahs, Klingonen, etc.) nicht mal mit dem neuseeländischen Nationaltanz der Māori, dem Haka? Das soll Kraft, Stärke und Einheit demonstrieren. Sich lächerlicher machen als bisher schon, geht doch eh nicht mehr. „Aba blos ned laibhaftig voastäin, sunst kimmt da Lachkrampf wias Amen in da Kirch.“

Ein gewaltiger Unterschied zwischen Tier und Mensch ist bspw., dass Tiere niemals zulassen würden, dass ein Schwächling das Rudel anführt, während die Menschen im „bDaZ“ mittlerweile freiwillig gewollt die Führung an die schlechtesten übergeben.

Der Zugang zum „Futtertrog“ verengt sich immer weiter.

Das hippe Kürzel „bDaZ“ für den allgegenwärtigen Slogan vom „besten Deutschland aller Zeiten“, in dem wir „gut und gerne leben“ dürfen, wird inzwischen von den neumodischen Ketzern, den Querdullis, Irgendwas-Leugnern und Desinformanten, verballhornt zum „blödesten Deutschland aller Zeiten“. Auf dass sich die Zeiten (nicht?) ändern mögen.

Bei der verstandesmäßigen Spanne unserer Geistesgrößen aus Politik, Medien und Expertokratie kann einem das Bierdeckelbeispiel in den Sinn kommen, bei der die Steuerklärung auf einem dementsprechenden Deckel Platz finden sollte. Überlegen Sie mal, wer da einst mit dieser Idee spazieren ging?

Nun gut, das hat nicht recht funktioniert. Wahrscheinlich aufgrund der Begrenztheit der intellektuellen Fähigkeiten der oben gemeinten Denkgranaten. Doch deren gedankliches Potenzial passt locker auf einen Bierdeckel. Ja, der füllt den noch nicht mal aus.

Die Intellektuellen heutzutage leisten tagtäglich in den Medien ihren intellektuellen Offenbarungseid. Es wirkt wie eine schlechte Kopie eines Loriot-Sketches und ist eigentlich nur noch als Olympiade des Dummschwätzertum zu verstehen.

Die Konsumenten sind inzwischen mit dem gesamten Info-Trash so dermaßen gehirngewaschen, dass sie nur noch auf dem Niveau ihrer niedrigsten Instinkte angesprochen werden können. Letztendlich sind sie auf ihre im Stammhirn verankerten und verbliebenen automatischen Überlebensmechanismen zurückgeworfen: Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Ausatmen. …

Das Allerletzte zum Schluss!

Dem größten Wahrheitsfreund, dem ehrlichsten und aufrichtigsten Hominiden jenseits der Marsumlaufbahn, dem Lügen-Langnasen-Mofa-Rocker Fritze Merz, gebührt das Schlusswort aller Schlussworte. Er deklamierte feierlich und stolz:

„Glaubwürdigkeit ist in der Politik das wichtigste Gut.“

Na dann. Gudnabdn. Das Wetter… äähhh, Klima…

Mehr von Werner Roth finden Sie hier: https://www.anderweltonline.com/satire/

Der Artikel erschien zuerst unter
https://www.anderweltonline.com/satire/satire-2026/gschichtn-ausm-nachbargartn-folge-58/


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Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.

Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
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Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

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Klimalüge und Klimadiktatur ? Teil 2: Wie Angst Politik macht

Von Uwe Froschauer

Angst ist ein natürlicher Schutzmechanismus. Sie warnt den Menschen vor Gefahren, schärft kurzfristig seine Aufmerksamkeit und kann ihm im entscheidenden Moment das Leben retten. Angst kann aber auch das Gegenteil bewirken. Wird sie dauerhaft geschürt, verengt sie den Blick, schwächt die Urteilskraft und macht Menschen empfänglicher für einfache Botschaften und vermeintlich alternativlose Lösungen.

Ein Mensch in Angst fragt nicht mehr zuerst: Stimmt das überhaupt?

Er fragt: Was muss ich tun, damit mir nichts geschieht?

Darin liegt die politisch genutzte Macht der Angst. Wer eine Bedrohung überzeugend beschreibt, kann sich anschließend als Retter präsentieren. Er definiert das Problem, verkündet die Lösung und erklärt jeden zum verantwortungslosen Gefährder, der diese Lösung nicht mittragen will.

Das Geschäft mit der Angst ist so alt wie die Menschheit. Versicherungen verkaufen Schutz vor möglichen Schäden. Schutzgelderpresser bieten Sicherheit vor einer Gefahr an, die sie häufig selbst erzeugen. Politiker versprechen, die Bevölkerung vor Bedrohungen zu bewahren, die sie zuvor in den Mittelpunkt der öffentlichen Wahrnehmung gerückt oder selbst inszeniert haben.

Natürlich sind nicht alle Warnungen unbegründet. Gefahren existieren. Verantwortliche Politik muss sie benennen. Zwischen sachlicher Risikokommunikation und gezielter Panikkommunikation besteht jedoch ein gewaltiger Unterschied.

Risikokommunikation informiert über eine mögliche Gefahr. Sie benennt Wahrscheinlichkeiten, Unsicherheiten und unterschiedliche Handlungsoptionen. Sie versetzt Menschen in die Lage, sich ein eigenes Urteil zu bilden.

Panikkommunikation arbeitet anders. Sie zeigt den schlimmstmöglichen Fall, präsentiert ihn als drohende Normalität und erzeugt Zeitdruck. Sie sagt nicht: Wir sollten die Lage prüfen. Sie sagt: Es ist fünf vor zwölf. Wir müssen sofort handeln. Für Diskussionen bleibt keine Zeit.

Die Klimadebatte liefert dafür ein aufschlussreiches Beispiel. Über Jahre wurde das äußerst emissionsreiche Szenario RCP8.5 – später SSP5-8.5 genannt – in Medien und politischen Debatten häufig so behandelt, als beschreibe es den wahrscheinlichen Weg der Menschheit. Tatsächlich handelte es sich um ein Extrem- beziehungsweise Hochrisikoszenario. Es ging von der Annahme aus, dass der weltweite Verbrauch fossiler Energieträger – insbesondere von Kohle – über Jahrzehnte massiv weiter zunimmt, die CO₂-Emissionen nahezu ungebremst steigen und technologische Fortschritte sowie wirksame klimapolitische Maßnahmen weitgehend ausbleiben.

Unter diesen Voraussetzungen errechneten Klimamodelle einen besonders starken Temperaturanstieg bis zum Ende des Jahrhunderts. Als mögliche Folgen wurden unter anderem häufigere und intensivere Hitzewellen, längere Dürren, stärkere Starkregenereignisse, ein beschleunigter Meeresspiegelanstieg sowie erhebliche Auswirkungen auf Ökosysteme, Landwirtschaft und Teile der Weltwirtschaft diskutiert. Es handelte sich dabei jedoch nicht um eine Vorhersage, sondern um die Modellrechnung für einen sehr weitreichenden hypothetischen Emissionspfad.

Mittlerweile räumt selbst der Weltklimarat ein, dass ein derart extremer Emissionspfad deutlich weniger wahrscheinlich geworden ist. Das Szenario wurde zwar nicht einfach „gestrichen“, wie gelegentlich behauptet wird. Es gilt heute jedoch nicht mehr als die wahrscheinlichste Entwicklung, sondern als ein Extremfall unter mehreren möglichen Zukunftsszenarien.

Das ist keine Nebensächlichkeit. Denn wenn ein Extremszenario über Jahre in der öffentlichen Debatte nahezu wie die wahrscheinlichste Zukunft dargestellt wird, entsteht beim Publikum leicht der Eindruck, diese Entwicklung sei nahezu unvermeidlich. Aus einer wissenschaftlichen Möglichkeit wird so in der öffentlichen Wahrnehmung schnell eine scheinbare Gewissheit.

Hier verläuft die Grenze zwischen Risiko- und Panikkommunikation. Ein verantwortungsvoller Umgang mit Szenarien müsste erklären, auf welchen Annahmen sie beruhen, wie wahrscheinlich diese Annahmen sind und welche anderen Entwicklungen ebenfalls möglich wären. Wer dagegen fast ausschließlich den schlimmsten Fall zeigt und dessen Voraussetzungen verschweigt, informiert nicht neutral. Er benutzt wissenschaftliche Modelle als Kulisse für politische Dringlichkeit. Es entsteht bewusst verursachte Angst.

Man kann eine Warnung so lange zuspitzen, bis sie ihre Wirkung verliert. Wer ständig den Weltuntergang ankündigt, darf sich nicht wundern, wenn immer mehr Menschen irgendwann – wie auch ich – nicht mehr zuhören. Vertrauen geht nicht nur durch falsche Aussagen verloren. Es geht auch verloren, wenn Möglichkeiten als Gewissheiten, Extremszenarien als Normalfälle und Modellrechnungen als unabwendbare Zukunft verkauft werden.

Damit beginnt Politik durch Angst.

Von der Emotion zur Lenkung

Menschen werden nicht ausschließlich durch Argumente beeinflusst. Gefühle wirken meist schneller und stärker als Zahlen, Statistiken oder wissenschaftliche Erklärungen. Ein Bild von einem brennenden Wald, einem überfluteten Dorf oder einem ausgetrockneten Flussbett erreicht den Menschen unmittelbar. Es braucht keine lange Erläuterung. Die emotionale Botschaft lautet: Die Katastrophe ist da.

Das bedeutet nicht, dass solche Bilder unwahr sein müssen. Entscheidend ist der Zusammenhang, in den sie gestellt werden. Zeigt das Bild ein langfristiges klimatisches Muster oder ein einzelnes Wetterereignis? Handelt es sich um eine außergewöhnliche Entwicklung oder um ein Ereignis, das in dieser Region bereits früher aufgetreten ist? Welche Rolle spielen Bebauung, Bodenversiegelung, schlechte Forstwirtschaft, mangelnder Hochwasserschutz oder Brandstiftung?

Diese Fragen verschwinden meist hinter der Kraft der Bilder.

Ein brennender Wald wird zum Symbol der „Klimakatastrophe“. Eine überflutete Straße gilt als Beweis für den „Klimanotstand“. Ein heißer Sommertag wird zum Vorboten einer unbewohnbaren Erde. Das einzelne Ereignis bekommt eine umfassende, ihm oftmals aber nicht zukommende Bedeutung.

Nicht gefakte Bilder zeigen einen Ausschnitt der Realität. Wer den Ausschnitt auswählt und mit einer Botschaft versieht, bestimmt wesentlich mit, was der Betrachter fühlt und denkt, beziehungsweise fühlen und denken soll.

Diese Technik wurde nicht nur für die Klimadebatte erfunden. Während Corona prägten Särge, Intensivstationen, Schutzanzüge und Krankenwagen das öffentliche Bewusstsein. Im Ukrainekrieg sind es zerstörte Häuser, verletzte Kinder und fliehende Familien. In der Migrationsdebatte werden je nach politischer Zielrichtung entweder ausländische hilfsbedürftige Frauen und Kinder oder gewalttätige Männer gezeigt.

Jede Seite wählt die Bilder aus, die ihre Botschaft stützen.

Zur Unterstützung der Behauptung eines menschengemachten Klimawandels werden brennende Wälder, schmelzende Gletscher, ausgemergelte Eisbären und rissige Böden gezeigt. Sie bilden das visuelle Begleitprogramm einer Politik, die immer weiter in das Leben der Menschen eingreifen möchte. Die Botschaft ist einfach: Wenn ihr nicht tut, was wir verlangen, wird die Erde unbewohnbar – was längst widerlegt ist. Der Hang der eliteinstruierten Politiker zu einer autokratischen Gesellschaftsform ist unverkennbar.

Angst braucht Schuldige

Angst allein reicht zur politischen Mobilisierung häufig nicht aus. Sie benötigt einen Verursacher.

In der Klimadebatte ist dieser Verursacher leicht gefunden: der Mensch. Allerdings nicht der Mensch als abstraktes Wesen, sondern vor allem der gewöhnliche Bürger mit seinem Auto, seiner Heizung, seinem Fleischkonsum und seiner Urlaubsreise.

Er soll sich schuldig fühlen.

Er fährt zur Arbeit und belastet angeblich das Klima. Er heizt seine Wohnung und belastet angeblich das Klima. Er besucht seine Familie mit dem Auto und belastet angeblich das Klima. Er fliegt einmal im Jahr in den Urlaub und belastet angeblich das Klima. Schritt für Schritt entsteht so der Eindruck, nahezu jede alltägliche Handlung des Menschen hinterlasse einen klimaschädlichen Fußabdruck. Aus dem Bürger wird ein Klimasünder.

Selbst das Kohlendioxid, das der Mensch mit jedem Atemzug ausatmet, wird gelegentlich in einer Weise thematisiert, als sei CO₂ grundsätzlich ein Schadstoff. Dabei gerät leicht in Vergessenheit, dass Kohlendioxid zugleich ein natürlicher Bestandteil der Atmosphäre und eine unverzichtbare Grundlage der Photosynthese ist, ohne die Pflanzen – und damit letztlich auch Menschen und Tiere – nicht existieren könnten. Mehr CO₂ – mehr Pflanzenwuchs, weniger CO₂ – weniger Pflanzenwuchs und damit mehr Hunger auf der Erde.

Menschen sich schuldig fühlen zu lassen ist psychologisch geschickt. Wer Schuld empfindet, ist eher bereit, Buße zu tun. Die moderne Buße besteht in CO₂-Abgaben, höheren Energiepreisen, teuren Sanierungen, Einschränkungen der Mobilität und dem Verzicht auf einen gewohnten Lebensstandard.

Die politische Botschaft lautet: Du hast das Problem mitverursacht, also musst du für seine Lösung bezahlen.

Dabei ist die Frage zu stellen, wer tatsächlich in welchem Umfang Emissionen verursacht und wer die finanziellen Folgen der Klimapolitik trägt. Ein wohlhabender Mensch kann sich ein Elektroauto, eine Wärmepumpe, eine energetische Sanierung und höhere Flugpreise leisten. Eine Familie mit geringem Einkommen kann das nicht.

Die Kosten der Klimapolitik treffen nicht alle gleichermaßen. Wer wenig verdient, spürt steigende Energiepreise und zusätzliche Abgaben unmittelbar im Alltag. Diejenigen, die am wenigsten finanziellen Spielraum haben, werden von steigenden Energiepreisen, höheren Abgaben und kostspieligen Sanierungspflichten besonders stark belastet. Ihr Einkommen wächst meist nicht im gleichen Maße wie ihre Ausgaben. Ihnen bleibt am Monatsende schlicht weniger zum Leben. Für wohlhabendere Haushalte stellen dieselben Mehrkosten häufig eine deutlich geringere Belastung dar. Finanzstärkere Haushalte können Preissteigerungen leichter verkraften und zugleich von Förderprogrammen, Investitionen oder neuen Geschäftsfeldern profitieren.

Gleichzeitig entstehen durch die Energiewende und den klimapolitischen Umbau neue Märkte. Hersteller von Solaranlagen, Windkrafttechnik, Batteriespeichern, Wärmepumpen oder Anbieter von CO₂-Dienstleistungen profitieren ebenso wie Investoren, die an entsprechenden Unternehmen beteiligt sind. Das ist in einer Marktwirtschaft grundsätzlich nichts Ungewöhnliches. Es wirft jedoch die Frage auf, wie gerecht die finanziellen Lasten und die wirtschaftlichen Vorteile der Klimapolitik verteilt sind. Und es wirft die Frage auf, wem die Behauptung vom menschengemachten Klimawandel nutzt. Cui bono?

Doppelte Maßstäbe

Die Glaubwürdigkeit einer politischen Bewegung hängt nicht nur von ihren Forderungen ab, sondern auch davon, ob ihre Wortführer nach denselben Maßstäben leben, die sie von anderen verlangen.

In der Klimadebatte wird deshalb zu Recht der Vorwurf der Doppelmoral erhoben. Während Millionen Bürger aufgefordert werden, weniger Auto zu fahren, seltener zu fliegen, ihre Heizungen auszutauschen oder ihren Konsum einzuschränken, reisen zahlreiche politische und wirtschaftliche Entscheidungsträger weiterhin selbstverständlich mit Privatjets zu internationalen Konferenzen. So geriet etwa EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in die Kritik, weil sie 2021 für die rund 50 Kilometer lange Strecke von Wien nach Bratislava einen Privatjet nutzte. Die EU-Kommission verwies dabei auf Termin- und Sicherheitsgründe. Lächerlich! Der Fall zeigt ein grundlegendes Problem: Wer von der Bevölkerung weitreichende Einschränkungen im Namen des Klimaschutzes verlangt, wird an seinem eigenen Verhalten gemessen. Glaubwürdigkeit entsteht nicht allein durch politische Programme, sondern vor allem dadurch, dass diejenigen, die Verzicht einfordern, ihn auch selbst vorleben. Wasser predigen und Wein trinken untergräbt das Vertrauen in jede politische Botschaft.

Das Weltwirtschaftsforum in Davos liefert dafür regelmäßig Stoff für Kritik. Obwohl dort der Klimawandel zu den zentralen Themen gehört, werden Jahr für Jahr außergewöhnlich viele Privatjet-Flüge zu den umliegenden Flughäfen registriert. Umweltorganisationen wie Greenpeace und ich sehen darin einen offensichtlichen Widerspruch zwischen Anspruch und eigenem Verhalten.

King Charles unternahm kürzlich zwei Helikopterflüge in 24 Stunden, um das neue Africa Centre in London zu eröffnen, wo er über die Auswirkungen des Klimawandels diskutierte. Wenn Schauspieler und „Umweltaktivist“ Leonardo DICaprio einen Tagesausflug mit seiner Yacht unternimmt, stößt er mehr CO2 aus als Sie mit Ihrem Auto in Ihrem ganzen Leben.

Es geht dabei nicht um Neid auf Wohlhabende. Es geht um Glaubwürdigkeit. Wer von Millionen Menschen einschneidende Veränderungen ihres Lebensstils verlangt, muss sich daran messen lassen, ob er selbst bereit ist, vergleichbare Maßstäbe an sein eigenes Verhalten anzulegen.

Moralische Autorität entsteht nicht durch Appelle, sondern durch Vorbild.

Die Wiederholung schafft Wirklichkeit

Eine der wirksamsten Methoden emotionaler Beeinflussung ist die ständige Wiederholung. Was täglich gehört, gelesen und gesehen wird, beginnt vertraut zu wirken. Und was vertraut wirkt, wird leichter für wahr gehalten.

„Die Klimakrise verschärft sich.“

„Die Zeit läuft uns davon.“

„Die Wissenschaft ist sich einig.“

„Wir müssen jetzt handeln.“

„Es gibt keine Alternative.“

Solche Sätze werden so häufig wiederholt, dass sie irgendwann nicht mehr als Behauptungen wahrgenommen werden, sondern als selbstverständliche Tatsachen. Die eigentliche Beweisführung tritt in den Hintergrund. Die Wiederholung wird zum Ersatz für das Argument. Die Wissenschaft beispielsweise ist sich keineswegs „einig“.

Auch einzelne Begriffe erfüllen diese Funktion. „Klimakrise“, „Klimanotstand“ und „Klimakatastrophe“ sind keine neutralen Beschreibungen. Sie enthalten bereits eine Bewertung. Wer diese Begriffe übernimmt, hat einen Teil der Schlussfolgerung akzeptiert, bevor die Diskussion überhaupt begonnen hat.

Dazu kommt die permanente Verkündung neuer Rekorde. Der heißeste Tag. Der trockenste Sommer. Der wärmste Monat. Die höchste Temperatur seit Beginn bestimmter Messungen. Rekorde erzeugen Aufmerksamkeit. Sie vermitteln den Eindruck einer unaufhaltsamen Zuspitzung.

Hinzu kommt ein weiterer Effekt. Kaum tritt irgendwo eine außergewöhnliche Hitzeperiode auf, entsteht in den nationalen Medien häufig der Eindruck, das eigene Land sei von der Entwicklung besonders betroffen. Deutschland berichtet über Rekordtemperaturen, Frankreich über historische Hitzewellen, Spanien über nie dagewesene Dürre, die skandinavischen Länder über außergewöhnliche Hitze bis weit in den Norden. Für den jeweiligen Leser entsteht dadurch der Eindruck, insbesondere sein eigenes Land stehe im Zentrum der Klimakrise. Aus einer globalen Debatte wird eine unmittelbar persönliche Bedrohung gemacht – psychologisch sehr geschickt!

Problematisch und realitätsfern wird es, wenn außergewöhnliche Wetterereignisse nahezu ausschließlich unter dem Blickwinkel der Zuspitzung dargestellt werden, während Einordnung, historische Vergleiche, regionale Besonderheiten und wissenschaftliche Unsicherheiten in den Hintergrund treten. Dadurch entsteht beim Publikum das Gefühl einer permanenten Eskalation.

Jede Rekordmeldung muss eingeordnet werden, wenn die Klimadebatte seriös geführt werden soll. Seit wann wird gemessen? Wo wird gemessen? Wurden Messstationen verlegt? Hat sich ihre Umgebung durch Bebauung verändert? Handelt es sich um lokale, regionale oder globale Werte? Welche Vergleichszeiträume wurden gewählt?

Wer nur den Rekord verkündet, aber seine Entstehung und Bedeutung nicht erklärt, informiert nicht vollständig. Er lenkt die Masse der Bevölkerung in die von ihm gewünschte Richtung.

Erst die Katastrophe, dann die Rettung

Politische Angstkommunikation folgt häufig einem einfachen Aufbau:

Zuerst wird eine existenzielle Gefahr beschrieben. Dann wird erklärt, dass nur noch ein kleines Zeitfenster zum Handeln bleibt. Anschließend werden weitreichende Maßnahmen als unvermeidbar präsentiert. Wer widerspricht, gefährdet angeblich die Allgemeinheit.

Dieses Muster war während Corona deutlich sichtbar. Es begegnet uns in der Sicherheits- und Kriegspolitik. Und es prägt ebenso die Klimapolitik.

Die Erde steht angeblich kurz vor dem Kollaps. Kipppunkte könnten überschritten werden. Ganze Regionen würden unbewohnbar. Millionen Menschen müssten fliehen. Ernten würden ausfallen. Städte könnten überflutet werden.

Nachdem dieses Bild gezeichnet wurde, erscheinen nahezu alle Maßnahmen gerechtfertigt: höhere Abgaben, Verbote bestimmter Technologien, Einschränkungen des Verkehrs, kostspielige Gebäudesanierungen, Eingriffe in Landwirtschaft und Ernährung sowie die schrittweise Lenkung des persönlichen Konsums.
Wer die Katastrophe verhindern will, muss angeblich nur den politischen Vorgaben folgen.

Diejenigen, die die Krise verkünden, treten zugleich als deren Retter auf. Sie präsentieren Programme, Gesetze, Steuern und Verbote als Patentlösung. Scheitern die Maßnahmen oder steigen die Kosten, wird nicht die Grundannahme hinterfragt. Dann heißt es, man habe lediglich noch nicht entschlossen genug gehandelt.

Aus dem Retter wird ein Dauerretter, da eine endgültig gelöste Krise politisch weit weniger nützlich wäre als eine Krise, die ständig neue Maßnahmen verlangt.

Teile und herrsche

Angst verbindet nicht nur. Sie spaltet auch.

Divide et impera – teile und herrsche – ist ein uraltes Prinzip der Machtausübung. Es wird häufig mit dem Römischen Reich verbunden und war auch ein wesentliches Mittel kolonialer Herrschaft. Wer die Bevölkerung in konkurrierende Lager aufteilt, verhindert nicht nur, dass sie ihre gemeinsamen Interessen erkennt. Während die Menschen gegeneinander kämpfen, richten sie ihren Blick kaum noch auf diejenigen, die politische Entscheidungen treffen.

Darin liegt der eigentliche politische Nutzen einer solchen Strategie: Eine gespaltene Gesellschaft lässt sich leichter lenken als eine geeinte. Wenn öffentliche Debatten fast ausschließlich um den Konflikt zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen kreisen, geraten andere politische Entscheidungen leichter aus dem Fokus. Maßnahmen, die in einer geeinten, aufmerksamen und kritisch diskutierenden Gesellschaft auf erheblich mehr Widerstand stoßen würden, können unter solchen Bedingungen einfacher umgesetzt werden. Je stärker die Aufmerksamkeit der Bürger auf den Streit untereinander gelenkt wird, desto weniger richtet sie sich auf die Frage, welche Entscheidungen im Hintergrund getroffen werden und wem sie letztlich nützen.

In der Corona-Zeit standen Geimpfte gegen Ungeimpfte. Im Ukrainekrieg stehen Friedensfreunde gegen Verteidiger der Freiheit, wobei jede Forderung nach Verhandlungen schnell als Unterstützung des Gegners ausgelegt werden kann. In der Migrationsdebatte werden Hilfsbereitschaft und Sicherheitsbedürfnis gegeneinander ausgespielt.

In der Klimadebatte verläuft die Trennlinie zwischen den vermeintlich Verantwortungsbewussten und den angeblich Rücksichtslosen. Auf der einen Seite stehen die „Klimaretter“: Fahrradfahrer, Veganer, Aktivisten, Käufer von Elektroautos und Unterstützer immer neuer Klimagesetze. Auf der anderen Seite stehen die „Klimasünder“: Autofahrer, Flugreisende, Fleischesser, Eigenheimbesitzer mit Öl- oder Gasheizung und Menschen, die Zweifel an bestimmten klimapolitischen Maßnahmen äußern.

Eine sachliche Auseinandersetzung wird dadurch erschwert. Es geht nicht mehr darum, welche Maßnahme sinnvoll, wirksam, sozial verträglich und verhältnismäßig ist. Es geht um Gut und Böse. Wer das richtige Bekenntnis ablegt, gehört zu den Guten. Wer Fragen stellt, gerät unter Verdacht.

Eine solche moralische Spaltung ist politisch außerordentlich wirkungsvoll und absolut gewollt. Die Bürger streiten darüber, wer den größeren ökologischen Fußabdruck hinterlässt, während kaum noch gefragt wird, wer von CO₂-Handel, Subventionen, Investitionsprogrammen und neuen Regulierungen profitiert. Die Menschen kontrollieren gegenseitig ihr Verhalten, während politische und wirtschaftliche Macht weitgehend unbehelligt bleibt.

Die Schweigespirale

Je stärker eine Meinung moralisch aufgeladen wird, desto schwerer wird es, öffentlich von ihr abzuweichen. Hier wirkt die von Elisabeth Noelle-Neumann beschriebene Schweigespirale.

Menschen beobachten ständig, welche Auffassungen gesellschaftlich akzeptiert sind. Wer glaubt, mit seiner Meinung in der Minderheit zu sein, schweigt häufig aus Angst vor Isolation, beruflichen Nachteilen oder sozialer Ausgrenzung.

Die Klimadebatte ist dafür ein anschauliches Beispiel. Wissenschaftler, Journalisten, Lehrer oder Unternehmer müssen nicht einmal ausdrücklich zum Schweigen gebracht werden. Es reicht häufig, wenn sie beobachten, was mit anderen geschieht, die öffentlich vom vorherrschenden Narrativ abweichen.

Sie werden öffentlich angegriffen, als „Klimaleugner“ bezeichnet, aus Diskussionen ausgeschlossen oder in die Nähe unwissenschaftlicher oder extremistischer Positionen gerückt. Ob diese Kritik im Einzelfall berechtigt ist oder nicht, tritt dabei häufig in den Hintergrund. Entscheidend ist die Signalwirkung.

Der alte Grundsatz „Bestrafe einen, erziehe hundert“ beschreibt diesen Mechanismus treffend. Oft genügt schon ein öffentlich sichtbar sanktionierter Fall, damit viele andere ihre Zweifel oder Einwände gar nicht mehr äußern. Nicht aus Überzeugung, sondern aus Sorge vor beruflichen, gesellschaftlichen oder persönlichen Konsequenzen. Die Folge ist Selbstzensur. Daraus speist sich die von Elisabeth Noelle-Neumann beschriebene Schweigespirale.

Der Fall des US-amerikanischen Politikwissenschaftlers Roger Pielke Jr. zeigt, wie kontroverse Positionen in der Klimadebatte zu erheblichem öffentlichem Druck führen können. Pielke stellte den Klimawandel nicht grundsätzlich infrage. Er argumentierte jedoch anhand veröffentlichter Schadensdaten, dass sich für wetterbedingte Katastrophenschäden keine eindeutige Zunahme allein durch den Klimawandel nachweisen lasse. Für diese von der damals vorherrschenden öffentlichen Darstellung abweichende Position geriet er erheblich unter politischen und medialen Druck und zog sich zeitweise aus der Klimadebatte zurück. Unabhängig davon, wie man seine wissenschaftlichen Schlussfolgerungen bewertet, entfalten solche Fälle eine Signalwirkung: Andere Wissenschaftler überlegen sich zweimal, ob sie öffentlich von einer Mehrheitsmeinung abweichen.

Hier setzt die Schweigespirale ein. Nicht erst Zensur verändert das öffentliche Meinungsklima, sondern bereits die Erwartung möglicher beruflicher oder gesellschaftlicher Konsequenzen. Wer beobachtet, was mit prominenten Kritikern geschieht, beginnt häufig, sich selbst zu zensieren. Wer seine Ruhe haben möchte, hält besser den Mund. Wer die angebliche Wahrheit anzweifelt, braucht ein schnelles Pferd.

Durch das Wirken der Schweigespirale entsteht der Eindruck eines nahezu vollständigen Konsenses. Doch dieser Eindruck täuscht. Schweigen bedeutet nicht Zustimmung. Es kann ebenso gut Ausdruck von Vorsicht, Resignation oder Angst sein.

Eine offene Gesellschaft darf Kritik nicht nur theoretisch erlauben. Sie muss sie praktisch aushalten und auch selbst üben.

Medien zwischen Information und Erregung

Medien sind nicht alleinige Verursacher politischer Angst. Sie sind aber deren wichtigste Verstärker.

Viele Medien finanzieren sich über Reichweite. Je mehr Aufmerksamkeit ein Beitrag erzielt, desto wirtschaftlich attraktiver ist er. Angst erzeugt Aufmerksamkeit. Katastrophenmeldungen werden häufiger angeklickt als Meldungen, nach denen eine Entwicklung weniger dramatisch ist als angenommen. Bad news sells.

„Forscher sehen komplexe Zusammenhänge und erhebliche Unsicherheiten“ ist keine besonders aufregende Überschrift.

„Klimaforscher warnen vor unbewohnbarer Erde“ dagegen schon.

So entsteht ein Hang zur Zuspitzung. Aus Möglichkeiten werden Erwartungen. Aus hypothetischen Szenarien werden scheinbar sichere Zukunftsbilder. Aus Risiken werden Gewissheiten. Einschränkende Formulierungen aus wissenschaftlichen Veröffentlichungen verschwinden, während die spektakulärste Aussage in der Überschrift landet.

Der Leser bekommt dann nicht unbedingt eine falsche Information. Er bekommt aber möglicherweise ein verzerrtes Bild ihrer Bedeutung.

Hinzu kommt eine besondere Form der Auswahl. Tritt irgendwo eine außergewöhnliche Hitzewelle auf, wird sie häufig in einen Zusammenhang mit dem Klimawandel gestellt. Kommt es andernorts zu ungewöhnlicher Kälte oder starken Schneefällen, wird dagegen oft darauf verwiesen, dass einzelne Wetterereignisse keine Aussagen über das Klima erlauben. Beides ist wissenschaftlich zunächst richtig: Weder eine Hitzewelle noch eine Kälteperiode beweisen für sich genommen eine langfristige Klimaentwicklung. Auffällig ist jedoch, dass vergleichbare Wetterextreme in der öffentlichen Berichterstattung häufig unterschiedlich eingeordnet werden. Starkregen wird als Beleg für die Klimakrise präsentiert. Bleibt ein angekündigtes Extremereignis aus oder fallen Entwicklungen weniger dramatisch aus als erwartet, ist dies dagegen meist kaum eine Meldung wert.

Dadurch entsteht beim Publikum der Eindruck, die Katastrophe sei allgegenwärtig. Nicht unbedingt, weil jedes einzelne Bild falsch wäre, sondern weil fast ausschließlich Bilder ausgewählt werden, die in dieselbe Richtung weisen.

Manipulation besteht nicht nur darin, Unwahres zu verbreiten. Sie kann ebenso darin bestehen, Wahres so auszuwählen und anzuordnen, dass ein einseitiger Eindruck entsteht.

Angst ist ein schlechter Ratgeber

Wer Angst hat, denkt kurzfristiger. Er sucht Schutz, Zustimmung und einfache Lösungen. Er ist eher bereit, Freiheit abzugeben, wenn ihm dafür Sicherheit versprochen wird.

Eine demokratische Gesellschaft muss besonders wachsam sein, sobald politische Maßnahmen mit dem drohenden Untergang begründet werden. Je größer die angekündigte Gefahr und je knapper das angebliche Zeitfenster, desto wichtiger wären eigentlich Ruhe, Prüfung und offene Diskussion. Das Gegenteil ist jedoch meist der Fall. Zweifel gelten als Zeitverschwendung. Einwände als verantwortungslos. Kosten-Nutzen-Abwägungen als unmoralisch. Wer nach der tatsächlichen Wirksamkeit einer Maßnahme fragt, muss sich rechtfertigen, als habe er sich gegen den Schutz der Erde ausgesprochen.

Doch Angst ersetzt keine Analyse. Ein brennender Wald beweist nicht automatisch eine bestimmte Ursache. Eine Hochwasserkatastrophe beantwortet nicht die Frage nach dem Anteil von Flussbegradigung, Versiegelung und mangelndem Schutz. Ein heißer Sommer belegt für sich genommen keine bestimmte Klimatheorie. Und eine politische Maßnahme wird nicht dadurch sinnvoll, dass ihre Befürworter vor schrecklichen Folgen warnen, falls sie unterbleibt.
Wer verantwortungsvoll handelt, prüft zuerst:

Wie groß ist die Gefahr tatsächlich?

Wie sicher ist die wissenschaftliche Aussage?

Welche Faktoren wirken zusammen?

Welche Maßnahme kann welchen Effekt erzielen?

Welche sozialen, wirtschaftlichen und ökologischen Nebenwirkungen entstehen?

Und wer profitiert von der gewählten Lösung?

Diese Fragen sind keine Verweigerung von Verantwortung. Sie sind Verantwortung.

Fazit: Nicht die Angst soll entscheiden

Dieser Artikel fordert nicht dazu auf, jedes Umweltrisiko zu leugnen oder jede Warnung zu ignorieren. Es fordert dazu auf, sich nicht durch Angst regieren zu lassen.
Sehen Sie sich die Bilder an – aber fragen Sie, woher sie stammen und was sie tatsächlich zeigen.
Lesen Sie die Schlagzeilen – aber prüfen Sie, ob der Inhalt ihre Dramatik rechtfertigt.
Hören Sie den Politikern zu – aber fragen Sie, welche Interessen, Kosten und Machtverschiebungen mit ihren Lösungen verbunden sind.
Vertrauen Sie seriösen Wissenschaftlern – aber verwechseln Sie Wissenschaft nicht mit Unfehlbarkeit, und verfolgen Sie die Spur des Geldes.
Vor allem aber: Lassen Sie sich nicht einreden, Nachdenken sei gefährlich.
Glauben Sie niemandem, der behauptet, etwas wäre alternativlos – es gibt immer Alternativen!

Gefährlich wird es vielmehr, wenn eine Gesellschaft aus Angst jede Forderung akzeptiert, jede Einschränkung hinnimmt und jede kritische Stimme ausgrenzt.

Nicht die Angst darf am Ende entscheiden, wie Sie leben. Das sollte immer noch Ihr Verstand und Ihre innere Stimme tun.

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Noch ein privates Anliegen
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Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2.Juli 2026 veröffentlicht.
https://www.amazon.de/dp/B0H761YF9H/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=

Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.

Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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Wissen ist frei – auch wenn das manche eliteinstruierte Politiker und Journalisten anders sehen.

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Kann Marx Europas Weg auf den Friedhof der Geschichte stoppen?

Von Christian Hamann

Der Aktienkurs des größten europäischen Rüstungskonzerns, der BAE Systems in Großbritannien, hat sich seit dem 23.02.2022, dem Tag vor Beginn des Ukrainekrieges, gut verdreifacht. Noch einmal gut doppelt so hoch fiel der Zuwachs beim schwedischen Kampfjet-Hersteller Saab AB aus, und den Rekord unter den Rüstungsriesen hält der deutsche Rheinmetall-Konzern mit einer rund Verzehnfachung des Aktienkurses bis heute.

Das blühende Geschäft mit dem Tod droht allerdings zu einer der letzten großen historischen Aktionen zu werden, die Europa als traditionell jüdisch-christlicher Kulturerdteil abwickelt. Jeder neue emotionale Graben und jeder physische Bruderkrieg beschleunigt den relativen Bedeutungsverlust Europas und des gesamten Westens. Zusammen mit der Geburtenschwäche trägt der Ukrainekrieg in der westlichen eurasischen Randzone zu dem Vakuum bei, das tendenziell von außereuropäischen Kräften aufgefüllt wird. Indem die kulturelle Integration und demokratische Sozialisation der Zuwanderer mit diesen demographischen Umschichtungen nicht mithält, bahnt sich eine Ablösung der freiheitlichen europäischen Zivilisation durch autokratisch geprägte Gesellschaften an.

Auch wenn der Wandel zweifellos von vielen politisch einflussreichen Personen und vielen Zuwanderern herbeigewünscht wird, stellt er weniger das Resultat eines konzertierten Übernahmeplans dar, als die Folge einer demografischen Implosion und einer verfehlten Geopolitik, die die Türen für chaotische globale Migrationsbewegungen und disharmonische geopolitische Verschiebungen öffnet.

Karl Marx hatte mit nicht vielen, aber sehr wesentlichen Erkenntnissen Recht, doch ausgerechnet diese haben die allermeisten Bürger und Politiker bis heute nicht begriffen. Und während seine Irrtümer hartnäckig weiterpropagiert werden, sind wir noch immer weit davon entfernt, seine wertvollen Erkenntnisse nutzbringend anzuwenden. Zu diesen Letzteren gehört die höchst aktuelle Einsicht, dass die Philosophie einer Zeitepoche stets diejenige ihrer herrschenden Klasse ist. Der Grund der publizistischen Vernachlässigung ist simpel: Wäre diese wichtige Regel im Bewusstsein der Bürger präsent, würden sie sehen, dass heute klarer denn je eine internationale Geldelite wesentlichen Einfluss auf politische Entscheidungen nimmt, eben auch darauf, was ihnen die Medien vorsetzen. https://resolve.cambridge.org/core/services/aop-cambridge-core/content/view/4FFB3958AD06C5E3307F96AFE5F99F43/9781139522489c7_p196-225_CBO.pdf/cartel_or_free_trade_supplying_the_worlds_news_18561947.pdf#:~:text Diese nicht demokratisch kontrollierten Personen repräsentieren damit die Marxsche ‚herrschende Klasse‘ der Gegenwart.

Marx lag in vielen anderen fundamentalen Aussagen falsch. Gegenwärtig zeichnet sich das auch für die (ihm möglicher Weise nur in den Mund gelegte) Prognose ab, die Kapitalisten würden den Strick verkaufen, mit dem sie gehängt werden.

Denn die Realität des 21. Jahrhunderts zeigt ein gegenteiliges, zynisches Bild: Im Moment sind die Akteure des MIC, des Militärisch-Industriellen Komplexes und die stets mitprofitierenden Finanzkapitalisten dabei, den europäischen Steuerzahlern diejenigen Rüstungsgüter zu verkaufen, mit denen sich der Kontinent in einer Eskalationsspirale wirtschaftlich, strategisch und demographisch auf den Friedhof der Geschichte befördert. Während die Profite in private Hände fließen, trägt die Allgemeinheit die Lasten einer gigantischen Staatsverschuldung. Dadurch werden jene Ressourcen aufgezehrt, die für die Bewältigung der inneren Krisen so dringend benötigt würden – von der demografischen Erneuerung bis zur Sicherung der kritischen Infrastruktur.

Dieser Text steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0). Er darf kostenlos geteilt, übersetzt und weiterverbreitet werden, solange mein Name und meine Website als Quelle verlinkt werden: Christian Hamann https://www.frieden-freiheit-fairness.com

Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser,

Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2.Juli 2026 veröffentlicht.
https://www.amazon.de/dp/B0H761YF9H/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=

Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.

Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.


Hier der Link zur Rezension des Buches:
https://www.manova.news/artikel/die-nieten-festnageln

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Seht ihr nicht …


Von Uwe Froschauer

Seht ihr nicht, dass sie einen neuen Krieg vorbereiten?

Seht ihr nicht, dass sie euch die Aufrüstung als alternativlos verkaufen?

Seht ihr nicht, dass sie euch für ihre Kriege das letzte Hemd ausziehen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie euch zahlen lassen für ihren Krieg, den ihr nicht wollt?

Seht ihr nicht, dass nicht nur ihr, sondern auch eure Kinder und Enkel die Schulden tragen sollen, die heute für Krieg und Aufrüstung aufgenommen werden?

Seht ihr nicht, dass sie die Zukunft eurer Kinder und Enkel mit immer neuen Schulden belasten?

Seht ihr nicht, dass sie den Wohlstand kommender Generationen aufs Spiel setzen?

Seht ihr nicht, dass sie Milliarden für Krieg bereitstellen, während sie bei den Sorgen der eigenen Bevölkerung sparen?

Seht ihr nicht, dass sie euch junge Menschen als Kanonenfutter missbrauchen wollen?

Seht ihr nicht, dass wieder alte Menschen, die sich kennen, hassen und bekämpfen, junge Menschen, die sich weder kennen noch hassen, aufeinander schießen lassen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie an Krieg und Aufrüstung verdienen?

Seht ihr nicht, dass sie euch ein Feindbild präsentieren, bevor sie den Krieg präsentieren?

Seht ihr nicht, dass sie eure Sprache verändern, bevor sie eure Wirklichkeit verändern?

Seht ihr nicht, dass sie Worte benutzen, um euer Denken zu lenken?

Seht ihr nicht, dass Begriffe wie „kriegstüchtig“ Schritt für Schritt zur neuen Normalität gemacht werden sollen?

Seht ihr nicht, dass sie den Krieg sprachlich vorbereiten, lange bevor der erste Schuss fällt?

Seht ihr nicht, dass sie aus Aufrüstung eine Tugend und aus Friedensbereitschaft eine Schwäche machen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie Worte so lange wiederholen, bis ihr sie nicht mehr hinterfragt?

Seht ihr nicht, dass Sprache ihre stärkste Waffe ist?

Seht ihr nicht, dass George Orwell vor dieser Umdeutung der Sprache gewarnt hat?

Seht ihr nicht, dass sie euch ein verzerrtes Bild von Wladimir Putin als Dämon vermitteln?

Seht ihr nicht, dass sie euch ein ebenso verzerrtes Bild von Wolodymyr Selenskyj als Freiheitskämpfer vermitteln?

Seht ihr nicht, dass sie kaum über die kritischen Seiten seiner Politik sprechen?

Seht ihr nicht, dass sie euch selten zeigen, wie intensiv Selenskyj weltweit um militärische, finanzielle und politische Unterstützung wirbt?

Seht ihr nicht, dass sie immer neue Waffenlieferungen als alternativlos darstellen, statt gleichermaßen über diplomatische Auswege zu sprechen?

Seht ihr nicht, dass sie kaum darüber sprechen, welche menschlichen und wirtschaftlichen Folgen ein immer länger dauernder Krieg für die Ukraine hat?

Seht ihr nicht, dass sie nur selten die Frage stellen, wer den Preis eines jahrelangen Krieges tatsächlich bezahlt?

Seht ihr nicht, dass sie ein antidemokratisches Land unterstützen, das mit erheblicher Korruption zu kämpfen hat?

Seht ihr nicht, dass sie außenpolitische Eskalation nutzen, um von ihrem innenpolitischen Versagen abzulenken?

Seht ihr nicht, dass sie ständig neue Bedrohungsszenarien entwerfen?

Seht ihr nicht, dass sie Jahreszahlen wie „2029“ nennen, ohne sie nachvollziehbar zu begründen?

Seht ihr nicht, dass sie euch glauben machen wollen, Russland wolle Europa überfallen?

Seht ihr nicht, dass sie euch kaum fragen lassen, welche Sicherheitsinteressen Russland selbst geltend macht?

Seht ihr nicht, dass sie den Krieg fast ausschließlich aus einer einzigen Perspektive erklären?

Seht ihr nicht, dass sie euch kaum über die Vorgeschichte dieses Krieges sprechen lassen?

Seht ihr nicht, dass sie euch vermitteln, militärische Stärke sei die einzige Antwort auf politische Konflikte?

Seht ihr nicht, dass sie die NATO fast ausschließlich als Verteidigungsbündnis darstellen, während ihre geopolitische Rolle kaum kritisch hinterfragt wird?

Seht ihr nicht, dass sie die NATO weiterhin als Verteidigungsbündnis darstellen, obwohl sie längst die Merkmale eines Angriffsbündnisses angenommen hat?

Seht ihr nicht, dass sie euch selten fragen lassen, welchen Einfluss geopolitische Machtinteressen der Großmächte auf diesen Krieg haben?

Seht ihr nicht, dass sie über die Zerstörung der Nordstream-Pipelines mehr wissen als sie euch sagen?

Seht ihr nicht, dass sie euch kaum darüber nachdenken lassen, wem ein langer Krieg politisch und wirtschaftlich nützt?

Seht ihr nicht, dass sie kaum darüber sprechen, wer an immer höheren Rüstungsausgaben verdient?

Seht ihr nicht, dass sie euch kaum fragen lassen, ob dieser Krieg auch Merkmale eines Stellvertreterkrieges zwischen Großmächten trägt?

Seht ihr nicht, dass die USA einen Krieg in der Ukraine – notfalls bis zum letzten Ukrainer – führen?

Seht ihr nicht, dass die USA bewusst Russland und die EU schwächen?

Seht ihr nicht, dass die USA mit allen Mitteln ein starkes Eurasien verhindern wollen?

Seht ihr nicht, dass sie von europäischer Solidarität sprechen, während die wirtschaftlichen und finanziellen Lasten zu einem erheblichen Teil von den europäischen Staaten getragen werden?

Seht ihr nicht, dass sie euch glauben machen wollen, Frieden entstehe durch immer mehr Waffen?

Seht ihr nicht, dass sie jede Forderung nach Verhandlungen schnell als Schwäche erscheinen lassen?

Seht ihr nicht, dass sie den Gedanken an Frieden immer häufiger dem Gedanken an Sieg unterordnen?

Seht ihr nicht, dass sie euch mit der Angst vor einer Klimakatastrophe lenken wollen?

Seht ihr nicht, dass sie euch für eine angebliche Klimakrise zahlen lassen, deren Ursachen sie als unumstößliche Wahrheit darstellen?

Seht ihr nicht, dass sie euch Bilder zeigen, die euch erschüttern sollen, während sie andere Bilder bewusst weglassen?

Seht ihr nicht, dass sie euch nur den Ausschnitt der Wirklichkeit zeigen, der ihre Geschichte vom menschengemachten Klimawandel bestätigt?

Seht ihr nicht, dass sie euch Zahlen über das Klima präsentieren, ohne den Zusammenhang zu erklären?

Seht ihr nicht, dass sie Zeiträume auswählen, die ihre Behauptungen stützen, während längere Entwicklungen des Klimas kaum gezeigt werden?

Seht ihr nicht, dass sie euch Klima-Computermodelle als Gewissheiten präsentieren, obwohl Modelle von Annahmen abhängen?

Seht ihr nicht, dass sie euch Klimaprognosen als Tatsachen verkaufen?

Seht ihr nicht, dass sie euch wissenschaftliche Unsicherheiten in Klimafragen nur selten erklären?

Seht ihr nicht, dass sie euch glauben machen wollen, die Klima-Wissenschaft spreche immer nur mit einer Stimme?

Seht ihr nicht, dass sie euch suggerieren, jede kritische Frage zum angeblich menschengemachten Klimawandel sei bereits widerlegt?

Seht ihr nicht, dass sie euch einreden wollen, es gebe zu komplexen Klimafragen nur eine einzige zulässige Antwort?

Seht ihr nicht, dass sie euch mit Angstbildern emotional und nicht sachlich überzeugen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie ständig von Kipppunkten, Katastrophen und Weltuntergang sprechen, aber nur selten über Unsicherheiten ihrer Vorhersagen?

Seht ihr nicht, dass sie jedes Wetterextrem sofort in eine große Erzählung einordnen, während andere mögliche Erklärungen kaum zur Sprache kommen?

Seht ihr nicht, dass sie fremdgesteuerte Klimaaktivisten für ihre politischen Ziele einsetzen?

Seht ihr nicht, dass sie wissenschaftliche gekaufte Autorität als politisches Instrument benutzen?

Seht ihr nicht, dass sie Angst als Mittel der Steuerung einsetzen?

Seht ihr nicht, dass sie immer neue Abgaben, Verbote und Einschränkungen mit dem Klimaschutz begründen?

Seht ihr nicht, dass sie euch Schuldgefühle einreden, um euch gefügiger zu machen?

Seht ihr nicht, dass sie euch immer umfassender kontrollieren wollen?

Seht ihr nicht, dass sie Schritt für Schritt ein immer autoritäreres System errichten?

Seht ihr nicht, dass sie eure Freiheit immer weiter einschränken?

Seht ihr nicht, dass sie eure Grundrechte immer häufiger als verhandelbar behandeln?

Seht ihr nicht, dass sie den Souverän – Euch – immer seltener fragen?

Seht ihr nicht, dass sie Demokratie predigen, aber immer weniger Demokratie zulassen?

Seht ihr nicht, dass sie Entscheidungen über eure Köpfe hinweg treffen?

Seht ihr nicht, dass sie eure Zustimmung durch Angst ersetzen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie euch immer abhängiger vom Staat machen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie Kritik nicht widerlegen, sondern delegitimieren wollen?

Seht ihr nicht, dass sie Andersdenkende immer häufiger ausgrenzen?

Seht ihr nicht, dass sie den Interessen weniger mehr Gewicht geben als denen der Mehrheit?

Seht ihr nicht, dass sie euch glauben machen wollen, ihr wäret der Souverän, während andere die Richtung bestimmen?

Seht ihr nicht, dass sie jede Krise nutzen, um neue Überwachungsinstrumente einzuführen?

Seht ihr nicht, dass sie die digitale Identität für weitreichende Möglichkeiten der Kontrolle nutzen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie digitales Geld nicht nur als Mittel für die Bequemlichkeit, sondern auch als Mittel zur Kontrolle nutzen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie eure Bewegungsfreiheit immer stärker einschränken?

Seht ihr nicht, dass sie eure Meinungsfreiheit Stück für Stück begrenzen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie Andersdenkende immer häufiger diffamieren, ausgrenzen oder zum Schweigen bringen?

Seht ihr nicht, dass sie den Menschen immer stärker mit Technik verschmelzen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie den Menschen zunehmend als optimierbares System betrachten?

Seht ihr nicht, dass sie mit dem Transhumanismus den Menschen immer häufiger als technisches Projekt verstehen?

Seht ihr nicht, dass sie euch glauben machen wollen, jede technische Möglichkeit sei automatisch auch ein gesellschaftlicher Fortschritt?

Seht ihr nicht, dass sie kaum noch darüber sprechen, wo die ethischen Grenzen technischer Eingriffe in den Menschen liegen?

Seht ihr nicht, dass sie immer mehr persönliche Daten von euch verlangen, damit ihr am gesellschaftlichen Leben uneingeschränkt teilnehmen könnt?

Seht ihr nicht, dass sie digitale Identität, digitales Geld und immer umfassendere Datensammlungen für weitreichende Möglichkeiten der Kontrolle nutzen?

Seht ihr nicht, dass sie immer mehr Entscheidungen über euch auf Grundlage digitaler Daten treffen?

Seht ihr nicht, dass sie euch an eine Welt gewöhnen wollen, in der Überwachung als Service und Kontrolle als Sicherheit erscheint?

Seht ihr nicht, dass sie den Menschen immer häufiger auf Daten, Algorithmen und biologische Funktionen reduzieren?

Seht ihr nicht, dass sie immer weniger darüber sprechen, was den Menschen jenseits von Technik, Leistung und Berechnung ausmacht?

Seht ihr nicht, dass sie den Eindruck vermitteln, der Mensch könne sich selbst neu erschaffen und seine natürlichen Grenzen beliebig überwinden?

Seht ihr nicht, dass der Mensch dabei Gefahr läuft, seine eigene Menschlichkeit aus dem Blick zu verlieren?

Seht ihr nicht, dass eine Welt, die nur noch auf Technik vertraut, leicht den Sinn für Demut verlieren kann?

Seht ihr nicht, dass für viele Menschen der Gedanke, der Mensch könne sich selbst nach Belieben neu erschaffen, im Widerspruch zu ihrem Glauben an eine Schöpfung steht?

Seht ihr nicht, dass der Transhumanismus für viele Gläubige die Frage aufwirft, ob der Mensch sich an die Stelle dessen setzt, was sie Gott nennen?

Seht ihr nicht, dass jede Gesellschaft entscheiden muss, ob der technische Fortschritt dem Menschen dienen soll – oder der Mensch dem technischen Fortschritt?

Seht ihr nicht, dass sie euch während der Corona-Zeit Angst als wichtigstes politisches Instrument präsentiert haben?

Seht ihr nicht, dass sie während der Corona-Zeit Freiheitsrechte in einem bis dahin beispiellosen Ausmaß eingeschränkt haben?

Seht ihr nicht, dass sie den Schutz der Grundrechte hinter andere politische Ziele zurückgestellt haben?

Seht ihr nicht, dass sie den Ausnahmezustand über Jahre zum politischen Leitprinzip gemacht haben?

Seht ihr nicht, dass sie euch täglich mit Zahlen konfrontiert haben, ohne sie in den notwendigen Zusammenhang einzuordnen?

Seht ihr nicht, dass sie euch Auslastungsquoten präsentierten, ohne zugleich zu erklären, wie sich die Zahl der verfügbaren Intensivbetten im Verlauf der Pandemie verändert hatte?

Seht ihr nicht, dass sie euch Zahlen zeigten, die Angst erzeugten, während entscheidende Hintergrundinformationen oft nur am Rande erwähnt wurden?

Seht ihr nicht, dass sie kaum zuließen, dass offizielle Zahlen und ihre Interpretation öffentlich kritisch hinterfragt wurden?

Seht ihr nicht, dass sie euch glauben machten, es gebe in der Wissenschaft nur eine einzige zulässige Meinung?

Seht ihr nicht, dass sie kritische Wissenschaftler, Ärzte, Juristen und andere Fachleute häufig nicht als Diskussionspartner behandelten, sondern als Problem darstellten?

Seht ihr nicht, dass sie Menschen mit abweichenden Ansichten diffamierten, ausgrenzten oder zum Schweigen bringen wollten?

Seht ihr nicht, dass sie Angst über Freiheit stellten?

Seht ihr nicht, dass sie Grundrechte in einem bis dahin beispiellosen Ausmaß einschränkten?

Seht ihr nicht, dass sie den Ausnahmezustand über lange Zeit zur politischen Normalität machten?

Seht ihr nicht, dass sie Menschen gegeneinander aufbrachten, und Familien, Freunde und Kollegen spalteten?

Seht ihr nicht, dass sie euch in der Corona-Zeit zu einem beispiellosen gesellschaftlichen Experiment machten?

Seht ihr nicht, dass sie auf eure Kosten milliardenschwere Gewinne ermöglichten?

Seht ihr nicht, dass es ihnen weniger um Gesundheit, sondern um Macht, Kontrolle und Gehorsam ging?

Seht ihr nicht, was sie den Kindern angetan haben?

Seht ihr nicht, welche Folgen Angst, Isolation und Schulschließungen für viele Kinder und Jugendliche hatten?

Seht ihr nicht, dass die Jüngsten oft den höchsten Preis zahlten, obwohl sie selbst kaum eine Stimme hatten?

Seht ihr nicht, dass sich Geschichte wiederholen kann, wenn Fehlentwicklungen nicht kritisch aufgearbeitet werden?

Seht ihr nicht, dass jede Krise genutzt werden kann, um Maßnahmen durchzusetzen, die unter normalen Umständen auf deutlich größeren Widerstand stoßen würden?

Seht ihr nicht, dass sie Krisen nutzen oder erzeugen und sich anschließend als Retter präsentieren?

Seht ihr nicht, dass sie nicht euer Wohl, sondern die Interessen weniger verfolgen?

Seht ihr nicht, dass sie euch abhängig machen wollen?

Seht ihr nicht, dass sie längst einen Informationskrieg gegen euch führen?

Seht ihr nicht, dass sie ein Imperium der Lügen aus Angst, Ablenkung und Erzählungen errichtet haben und es täglich ausbauen?

Seht ihr nicht, wer „sie“ sind?

Eine eng verflochtene, mafiöse Machtstruktur aus Finanzinteressen, politischen Entscheidungsträgern, medialen Meinungsmachern und wissenschaftlichen Autoritäten, die sich gegenseitig stützen.

Seht ihr nicht, dass sie den Wohlstand vieler opfern, um die Interessen weniger zu schützen?

Seht ihr nicht, dass sie euren Blick auf die Wirklichkeit verändern wollen?

Seht ihr nicht, dass sie euer Denken lenken und euer Urteilsvermögen beeinflussen wollen?

Seht ihr nicht, dass große Teile der Medien ihre Macht immer seltener kontrollieren und immer häufiger begleiten?

Seht ihr nicht, dass kritische Fragen meist bekämpft werden, statt sie zu beantworten?

Begreift ihr nicht, dass niemand eure Freiheit für euch verteidigen wird?

Begreift ihr nicht, dass jede Generation ihre Freiheit neu erringen und bewahren muss?

Begreift ihr nicht, dass Schweigen Zustimmung bedeutet?

Begreift ihr nicht, dass Wegsehen nichts verändert?

Begreift ihr nicht, dass Angst noch nie ein guter Ratgeber war?

Begreift ihr nicht, dass die Zeit der Warnungen vorbei ist?

Begreift ihr nicht, dass wir nicht mehr vor einer Entscheidung stehen, sondern längst mitten in ihr?

Begreift ihr nicht, dass es nicht mehr fünf vor zwölf ist?

Es ist fünf nach zwölf.

Wann wollt ihr endlich erkennen, dass Freiheit nicht an einem Tag verloren geht, sondern Stück für Stück – immer dann, wenn Menschen schweigen?

Wann wollt ihr endlich erkennen, dass Demokratien nicht mit Panzern sterben, sondern mit Gleichgültigkeit?

Wann wollt ihr endlich erkennen, dass Angst noch nie Freiheit hervorgebracht hat?

Wann wollt ihr endlich erkennen, dass jede Veränderung mit einem einzigen Menschen beginnt – mit dir, mit euch?

Wann wollt ihr endlich erkennen, dass der Souverän in einer Demokratie nicht die Regierung ist, sondern das Volk?

Wann wollt ihr endlich erkennen, dass niemand eure Zukunft gestaltet, wenn ihr es nicht selbst tut?

Denkt selbst.

Prüft alles.

Hinterfragt alles.

Habt Mut.

Sagt, was ihr denkt.

Lasst euch nicht gegeneinander aufhetzen.

Lasst euch nicht einschüchtern.

Lasst euch eure Freiheit nicht nehmen.

Erinnert euch daran, wer der Souverän ist.

Steht auf.

Nicht morgen.

Heute.

Denn die größte Macht der Lüge besteht nicht darin, dass sie ausgesprochen wird.

Sie besteht darin, dass zu viele Menschen aufhören, nach der Wahrheit zu suchen, den Mut verlieren, sie auszusprechen – und dadurch zulassen, dass aus der Lüge Wirklichkeit wird.


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Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2.Juli 2026 veröffentlicht.
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Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.

Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.

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Wissen ist frei – auch wenn das manche eliteinstruierte Politiker und Journalisten anders sehen.

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Klimalüge und Klimadiktatur – Teil 1: Vom Denken zum Glauben

Von Uwe Froschauer

Wie Sprache die Klimadebatte lenkt

Eine bequeme Lüge ist für viele Menschen leichter zu ertragen als eine unbequeme Wahrheit. Die Wahrheit verlangt, dass man nachdenkt, zweifelt, recherchiert und möglicherweise sogar lieb gewonnene Überzeugungen aufgibt. Eine fertige Erzählung ist angenehmer. Sie teilt die Welt in Gut und Böse, Täter und Retter, Wissende und Leugner.

Deshalb beginne ich diese Artikelserie über Klimalüge und Klimadiktatur nicht mit Temperaturkurven, CO₂-Werten oder Klimamodellen. Ich beginne mit der Sprache.
Bevor Menschen bereit sind, politische Maßnahmen zu akzeptieren, müssen sie zunächst lernen, die Welt in den dafür vorgesehenen, den Politikern genehmen Begriffen zu betrachten.

George Orwell schrieb in seinem Roman 1984 über den Zweck des sogenannten Neusprechs (1):

„Das ganze Ziel des Neusprechs besteht darin, den Bereich des Denkens einzuengen.“

Orwell beschreibt eine Sprache, deren Wortschatz nicht erweitert, sondern gezielt verkleinert wird. Bestimmte Gedanken sollen schließlich nicht mehr ausgesprochen werden können, weil die dafür notwendigen Begriffe fehlen. Der Roman handelt von einem totalitären Staat. Der von ihm beschriebene Mechanismus – wer die Sprache verengt, verengt auch den Raum der zulässigen Gedanken – wird von den Macht- und Besitzeliten und ihren politischen, medialen und wissenschaftlichen Handlangern umfangreich genutzt.

Dieser Mechanismus ist auch in der Klimadebatte zu erkennen. Wer Zweifel an einzelnen Klimaprognosen, politischen Maßnahmen oder Berechnungsmodellen äußert, wird häufig nicht mehr als Kritiker oder Skeptiker bezeichnet. Er wird zum „Klimaleugner“. Damit ist die Diskussion im Grunde bereits beendet. Ein Leugner prüft nicht, zweifelt nicht und argumentiert nicht. Er verweigert sich einer angeblichen, offenkundigen Wahrheit. Der Begriff Klimaleugner in einer „Scheindebatte“ ersetzt eventuell fehlende evidenzbasierte Argumente, welche die Argumente des „Leugners“ widerlegen könnten. In der Corona-Ära war bei Politikern und Medien diese unredliche und im Faschismus gerne angewendete Umgangsweise mit Andersdenkenden täglich zu beobachten. Sie bezeichneten andersdenkende Personen als Coronaleugner, Schwurbler, Verschwörungstheoretiker und dergleichen mehr.

Aus dem Bürger, der nach der Wirksamkeit deutscher Klimapolitik fragt, wird ein „Klimasünder“. Wer höhere Abgaben, Verbote oder staatliche Eingriffe unterstützt, darf sich dagegen als „Klimaschützer“ oder sogar als „Klimaretter“ fühlen. Der eine wird moralisch herabgesetzt, der andere moralisch erhöht. Noch bevor Zahlen auf dem Tisch liegen, sind die Rollen verteilt.

Auch der Begriff „Klimanotstand“ ist keineswegs neutral. Ein Notstand verlangt keine lange Diskussion. Er verlangt schnelles Handeln. In einem Notstand erscheinen Einschränkungen, Abgaben und Verbote leichter begründbar als im politischen Normalbetrieb. Wer widerspricht, wirkt dann nicht mehr wie ein kritischer Bürger, sondern wie jemand, der die angeblich notwendige Rettung behindert.

Ähnlich funktioniert das Wort „alternativlos“. Wo eine Maßnahme alternativlos ist, braucht man nicht mehr über Alternativen zu sprechen. Was in dieser Welt ist bitte alternativlos? Schwachsinn Frau Merkel! Blödsinn, Herr Merz! Ob CO₂-Bepreisung, Heizungsgesetz, Verbrennerverbot, Emissionshandel oder milliardenschwere Transformationsprogramme: Sobald eine politische Entscheidung als einzig mögliche Antwort auf eine existenzielle Gefahr dargestellt wird, schrumpft der demokratische Raum. Und das ist vom Imperium der Lügen – den Macht- und Besitzeliten und ihren politischen, medialen und wissenschaftlichen Prostituierten – so gewollt. Welcher Dämon wiederum die Macht- und Besitzeliten reitet, steht auf einem anderen Blatt, und ist nicht Gegenstand dieser Betrachtung.

An diesem Punkt wird mithilfe begrifflicher Instrumente aus Politik Glauben. Wissenschaftlicher Konsens wird dann nicht mehr als gegenwärtiger Stand wissenschaftlicher Erkenntnis verstanden, der grundsätzlich überprüfbar und korrigierbar bleiben muss. Er wird zu einer Art Glaubenssatz. Wer ihn infrage stellt, gilt als „wissenschaftsfeindlich“. Wer auf Unsicherheiten hinweist, verbreitet angeblich „Desinformation“. Wer nach Interessenkonflikten, Modellannahmen oder wirtschaftlichen Folgen fragt, gerät unter Rechtfertigungsdruck.

Orwell schrieb bereits 1946, politische Sprache könne dazu verwendet werden, Lügen wahr erscheinen zu lassen und bloßen Behauptungen den Anschein von Festigkeit zu geben. Damit meinte er nicht die Klimadebatte. Aber sein Gedanke lässt sich auf jede politische Auseinandersetzung anwenden, in der Sprache nicht mehr der Klärung, sondern der Verschleierung dient. Mit der Sprache wurde auch gleichzeitig die Lüge geboren.

Deshalb lohnt es sich, in der Klimadebatte genau auf die verwendeten Begriffe zu achten.

Was bedeutet „klimaneutral“ tatsächlich?

Kann ein Staat, ein Unternehmen oder ein Flug klimaneutral sein, oder handelt es sich teilweise um rechnerische Kompensationen?

Was bedeutet „erneuerbare Energie“, wenn Windräder, Solaranlagen, Stromnetze, Speicher und Rohstoffe keineswegs ohne endlichen Materialverbrauch entstehen?

Was bedeutet „Klimaschutz“, wenn zugleich aufgerüstet, Krieg geführt und zerstörte Infrastruktur anschließend wieder aufgebaut wird?

Und was bedeutet „wissenschaftlicher Konsens“, wenn wissenschaftliche Erkenntnis ihrem Wesen nach nicht durch Mehrheitsbeschluss endgültig abgeschlossen ist, wenn der in einer Demokratie notwendige Meinungspluralismus nicht mehr zugelassen wird?

Ich gebe in dieser Artikelserie nicht vor, die endgültige Wahrheit zu kennen. Niemand kennt sie. Ich suche nach ihr. Dazu gehört für mich, auch unbequeme Fragen zu stellen und Begriffe nicht deshalb zu übernehmen, weil sie täglich wiederholt werden.

Orwells Warnung beginnt nicht erst bei offener Zensur. Sie beginnt dort, wo Menschen ihre Gedanken bereits selbst begrenzen, weil sie wissen, welche Fragen gesellschaftlich erwünscht sind und welche nicht. Hier wirkt die von Elisabeth Noelle-Neumann beschriebene „Schweigespirale“, die stille Selbstzensur, auf die ich im nächsten Kapitel eingehen werde.

Die Gedankenpolizei aus 1984 musste in die Köpfe der Menschen eindringen. Die wirkungsvollere Form der Kontrolle beginnt jedoch dort, wo der Mensch selbst darauf achtet, keinen verdächtigen Gedanken mehr zuzulassen.

Wer nicht als Klimaleugner gelten möchte, schweigt.

Wer seine berufliche Stellung nicht gefährden möchte, passt sich an.

Wer gesellschaftlich dazugehören möchte, wiederholt die anerkannten Begriffe.

Und irgendwann wird nicht mehr gefragt, ob eine Aussage richtig ist. Es wird nur noch geprüft, ob sie innerhalb des erlaubten Meinungskorridors liegt.

Dann hat der Glaube das Denken ersetzt.

Warum Angst stärker wirkt als Argumente

Warum lassen sich Millionen Menschen von denselben Botschaften beeinflussen? Warum lösen manche Bilder eine gewaltige öffentliche Reaktion aus, während nüchterne Zahlen kaum Beachtung finden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich der französische Arzt und Sozialpsychologe Gustave Le Bon bereits vor mehr als hundert Jahren. Seine Erkenntnisse über das Verhalten von Menschenmengen gehören bis heute zu den Grundlagen der Massenpsychologie.

Le Bon schrieb (2):

„Die Massen denken in Bildern, und die hervorgerufenen Bilder rufen ihrerseits weitere Bilder hervor, ohne irgendeinen logischen Zusammenhang.“

An anderer Stelle beschreibt er:

„Nicht Tatsachen, sondern die Art, wie sie dargestellt werden, beherrscht die Vorstellungskraft der Massen.“

In diesen Worten ist ein entscheidender Schlüssel zum Verständnis der heutigen Klimadebatte zu erkennen. Ich habe den Eindruck, dass kaum jemand seine Meinung über den Klimawandel aufgrund wissenschaftlicher Originalarbeiten bildet. Die meisten Menschen orientieren sich an Bildern, Schlagzeilen und emotionalen Botschaften. Das ist kein Vorwurf, sondern eine menschliche Eigenschaft. Niemand kann täglich Hunderte wissenschaftlicher Veröffentlichungen lesen. Also verlassen sich die meisten auf das, was ihnen Medien, Politik oder sogenannte Experten vermitteln.

Deshalb prägen sich nicht Diagramme oder Messreihen in unser Gedächtnis ein, sondern Bilder: brennende Wälder, schmelzende Gletscher, ausgetrocknete Flussbetten, überflutete Straßen oder leidende Eisbären. Solche Bilder wirken unmittelbar. Sie lösen Betroffenheit, Angst oder Schuldgefühle aus. Statistische Einordnungen oder wissenschaftliche Unsicherheiten wirken dagegen oft abstrakt und erreichen nur einen kleinen Teil der Öffentlichkeit.

Le Bon war das schon vor gut 130 Jahren klar. Er beschrieb bereits Ende des 19. Jahrhunderts, dass Menschenmengen weniger auf logische Argumente reagieren als auf starke Bilder, einfache Botschaften und wiederholte Erzählungen. Je häufiger eine Aussage wiederholt wird, desto vertrauter erscheint sie – und Vertrautheit wird leicht mit Wahrheit verwechselt.

Deshalb sollte man in der Klimadebatte nicht nur fragen, welche Bilder gezeigt werden, sondern auch, welche Bilder kaum gezeigt werden.

Warum sehen wir wochenlang brennende Wälder, aber seltener Berichte über Regionen, in denen sich Wälder erholen?

Warum werden einzelne Extremwetterereignisse oft sofort als Beleg für den Klimawandel interpretiert, während historische Vergleiche oder natürliche Klimaschwankungen in der öffentlichen Debatte häufig weniger Raum einnehmen?

Warum erzeugt eine dramatische Schlagzeile mehr Aufmerksamkeit als eine differenzierte wissenschaftliche Einordnung?

Das sind keine rhetorischen Fragen. Es sind Fragen, die jeder Leser für sich selbst beantworten sollte.

Le Bon macht noch auf einen weiteren Mechanismus aufmerksam: Die Masse sucht nach einfachen Erklärungen. Komplexität ist anstrengend. Deshalb setzen sich einfache Erzählungen meist leichter durch als differenzierte Analysen. Auch in der Klimadebatte ist dieser Wunsch nach Einfachheit immer wieder zu sehen: Hier das CO₂ als zentrale Ursache, dort die CO₂-Reduktion als zentrale Lösung. Ob komplexe klimatische Prozesse tatsächlich so einfach erklärt und auch gelöst werden können, ist eine der Fragen, denen ich in den folgenden Kapiteln nachgehen werde.

Le Bons Werk liefert keine Antworten auf die Klimafrage. Es liefert jedoch einen Schlüssel zum Verständnis, warum bestimmte Botschaften so große Wirkung entfalten können. Wer verstehen will, wie öffentliche Meinungen entstehen, sollte deshalb nicht nur Klimaforscher lesen, sondern auch Psychologen und Soziologen. Bevor Menschen politische Maßnahmen akzeptieren, müssen sie zunächst überzeugt werden, dass eine bestimmte Wirklichkeit existiert. Die Psychologie beschäftigt sich mit diesem Weg – vom Bild im Kopf bis zur festen Überzeugung, und die Soziologie mit den Mechanismen, die zwischen Menschen ablaufen.

Damit stellt sich die nächste Frage: Was geschieht, wenn aus der natürlichen Neigung des Menschen zur Anpassung ein gesellschaftlicher Konformitätsdruck wird? An diesem Punkt setzt der deutsche Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz mit dem Begriff der Normopathie an. Dieser Begriff wurde bereits Anfang der 1970er-Jahre geprägt. Der deutsche Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz hat ihn jedoch aufgegriffen, weiterentwickelt und wie kaum ein anderer auf gesellschaftliche Entwicklungen angewendet.

Wenn Anpassung zur Krankheit wird

Warum schweigen so viele Menschen, obwohl sie Zweifel haben? Warum stellen sie Fragen nur noch im privaten Kreis, aber kaum noch öffentlich? Warum übernehmen sie Meinungen, die sie selbst nie überprüft haben?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der deutsche Psychoanalytiker Hans-Joachim Maaz seit vielen Jahren. Er knüpft dabei an den Begriff der Normopathie an, den er zu einem zentralen Bestandteil seiner Gesellschaftsanalyse gemacht hat.

Maaz beschreibt Normopathie als eine übersteigerte Anpassung an gesellschaftliche Fehlentwicklungen. Menschen übernehmen Verhaltensweisen und Überzeugungen nicht deshalb, weil sie sie nach sorgfältiger Prüfung für richtig halten, sondern weil sie dazugehören möchten. Anpassung wird zur Normalität – und darin liegt nach Maaz die eigentliche Gefahr.

Maaz formuliert dazu (3):

„Mit ‚Normopathie‘ ist eine Anpassung einer Mehrheit von Menschen einer Gesellschaft an eine Fehlentwicklung, an pathogenes psychosoziales Verhalten gemeint, dessen Störung nicht mehr erkannt und akzeptiert wird, weil eine Mehrheit so denkt und handelt.“

Dieser Gedanke hat mich insbesondere während der Coronazeit nachdenklich gemacht.

Nicht weil ich glaube, dass jede Mehrheitsmeinung falsch wäre – auch wenn die Geschichte lehrt, dass die Mehrheit meist irrte. Das wäre jedoch ebenso unscharf wie die Behauptung, jede Mehrheitsmeinung müsse richtig sein. Entscheidend ist etwas anderes:

Wie viele Menschen bilden sich ihre Meinung tatsächlich selbst?

In der Klimadebatte beobachte ich häufig folgenden Mechanismus. Viele Menschen sagen nicht: „Ich habe mich intensiv mit Klimamodellen, Messreihen oder der Erdgeschichte beschäftigt und bin deshalb zu dieser Überzeugung gekommen.“

Sie sagen vielmehr:

„Die Wissenschaft ist sich doch einig.“
Ist sie übrigens absolut nicht.

„Das sagen doch alle Experten.“
Bei solchen Aussagen sollte man vorsichtshalber der Spur des Geldes folgen.

„Das weiß man doch inzwischen.“
Wer ist bitte „man“? Ich? Sie?

An dieser Stelle beginnt für mich das eigentliche Problem. Nicht echte Überzeugung steht hinter diesen Aussagen – deswegen muss ihre Herkunft hinterfragt werden. Stammen sie aus eigener Auseinandersetzung mit dem jeweiligen Thema oder aus gesellschaftlicher Anpassung?

Maaz beschreibt den Menschen als soziales Wesen. Jeder möchte dazugehören. Niemand wird gerne ausgegrenzt, verspottet oder als Außenseiter behandelt. Dieses Bedürfnis ist zutiefst menschlich. Gleichzeitig macht es uns anfällig für Konformitätsdruck. Je größer der gesellschaftliche Druck wird, desto größer wird die Versuchung, sich der Mehrheitsmeinung anzuschließen – selbst dann, wenn man innerlich Zweifel hat.

Dieser Mechanismus ist auch in der Klimadebatte zu erkennen. Wer heute grundlegende Fragen stellt – etwa zur Aussagekraft von Klimamodellen, zur Wirksamkeit einzelner Maßnahmen oder zu den wirtschaftlichen Folgen der Klimapolitik –, muss damit rechnen, als „Klimaleugner“, „wissenschaftsfeindlich“ oder „unsolidarisch“ abgestempelt zu werden. Dass diese Etiketten in den meisten Fällen nicht gerechtfertigt sind – damit beschäftige ich mich in späteren Kapiteln. Es ist auch nicht so wichtig, ob man mit seiner Meinung eher falsch oder richtig liegt, entscheidend ist die Wirkung der Diffamierung, Diskreditierung und Etikettierung: Viele Menschen vermeiden kritische Fragen, weil sie die sozialen Konsequenzen fürchten.

Für Maaz ist das ein Kennzeichen normopathischer Entwicklungen. Nicht der offene Zwang ist das eigentliche Problem. Sondern der innere Zwang, sich anzupassen.

Besonders hellhörig wurde ich bei einem weiteren Gedanken von Hans-Joachim Maaz. Er weist darauf hin, dass gesellschaftliche Krisen häufig dazu führen, dass dieselben Institutionen oder politischen Akteure, die eine Bedrohung definieren oder in den Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit rücken, sich zugleich als diejenigen präsentieren, die über die einzig richtige Lösung verfügen. Daraus folgt nicht automatisch, dass Krisen bewusst erzeugt oder inszeniert werden – auch wenn das bei Corona zweifelsfrei der Fall war. Es zeigt jedoch einen Mechanismus politischer Macht: Wer die Krise – auch bei Nicht-Existenz – definiert und eventuell auch an deren Planung beteiligt war, gewinnt häufig erheblichen Einfluss auf die Gestaltung der Lösung. Der Retter!

Deshalb sollten vorgeschlagene Lösungen niemals ungeprüft übernommen werden. Die Coronazeit hat aus meiner Sicht viele Menschen gelehrt, staatliche Maßnahmen, mediale Narrative und politische Begründungen kritischer zu hinterfragen. Wer einmal beginnt, eigenständig zu denken, gibt sich nicht mehr so leicht mit einfachen Erklärungen oder vermeintlich alternativlosen Lösungen zufrieden. Die politische Philosophin Hannah Arendt sah im eigenständigen Denken die wichtigste Voraussetzung menschlicher Urteilskraft. Für sie bestand die eigentliche Gefahr nicht im Denken, sondern im Nicht-Denken. Ihr berühmter Satz „Es gibt keine gefährlichen Gedanken; das Denken selbst ist gefährlich“ bringt genau das zum Ausdruck. Wer beginnt, selbst zu denken, hinterfragt Gewissheiten, prüft Begründungen und gibt sich nicht mehr mit einfachen Antworten zufrieden. Darin liegt die befreiende Kraft des Denkens.

Deshalb halte ich es für gefährlich, wenn Skepsis von Machthabern bewusst zum Makel degradiert wird. Skepsis ist wichtig und gut! Nicht die Skepsis ist gefährlich für die Demokratie, sondern derartig agierende Machthaber. Demokratie lebt nicht vom Mitlaufen. Demokratie lebt davon, dass Bürger Fragen stellen – besonders dann, wenn nahezu alle dieselbe Antwort zu kennen glauben.

„Wo all dasselbe denken, wird nicht viel gedacht“
Karl Valentin

Vielleicht ist kritisches Denken heute weniger eine Frage der Intelligenz als vielmehr eine Frage des Mutes. Denn gegen die Mehrheit zu denken war noch nie bequem.

Wenn Angst den Blick verengt

Warum fällt es Gesellschaften in Krisenzeiten so schwer, kritische Fragen überhaupt noch zuzulassen? Warum entsteht häufig der Eindruck, es gebe nur noch eine richtige Sichtweise und nur noch einen akzeptablen Lösungsweg?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich der belgische Psychologe Mattias Desmet. Er entwickelte seine Theorie der Massenbildung aus der Beobachtung, dass Menschen unter bestimmten gesellschaftlichen Bedingungen bereit sind, einfache Erklärungen und weitreichende Maßnahmen zu akzeptieren (4).

Desmet beschreibt vier Voraussetzungen, unter denen Massenbildung besonders begünstigt wird: weit verbreitete soziale Isolation, das Gefühl mangelnder Sinnhaftigkeit, frei schwebende Angst und eine allgemeine Unzufriedenheit, die sich keinem konkreten Auslöser zuordnen lässt. Treffen diese Faktoren zusammen, steigt nach seiner Auffassung die Bereitschaft vieler Menschen, sich hinter einer gemeinsamen Erzählung zu versammeln und einer zentralen Lösung zu folgen.

Seinen Denkansatz halte ich für äußerst aufschlussreich. Er lenkt den Blick weg von der Frage, ob eine bestimmte politische Maßnahme richtig oder falsch ist, und hin zu einer viel grundsätzlicheren Frage: Warum schließen sich in Krisenzeiten plötzlich so viele Menschen derselben Sichtweise an? Warum werden komplexe Zusammenhänge häufig auf wenige, scheinbar eindeutige Erklärungen reduziert? Die Klimadebatte bietet ein anschauliches Beispiel dafür. Seit Jahren wird sie von Begriffen geprägt, die ein Gefühl permanenter Bedrohung vermitteln: Klimanotstand, Kipppunkte, Hitzekatastrophen, Jahrhundertdürre, Artensterben oder gar das drohende Ende unseres Planeten. Wo Angst entsteht, wächst verständlicherweise auch der Wunsch nach Sicherheit – und mit ihm die Bereitschaft, weitreichende politische Maßnahmen zu akzeptieren – auch wenn sie mit der Einschränkung der persönlichen Freiheit und des eigenen Wohlbefindens verbunden sind. Man kämpft ja schließlich gegen einen gemeinsamen Feind, nicht wahr, ob das jetzt das böse Virus und seine Verharmloser, der böse Putin und seine Versteher, oder der „menschengemachte“ Klimawandel und seine Leugner sind. Schulter an Schulter, Brüder und Schwestern, das schafft Verbundenheit! So einfach ist das!
Nein, ist es nicht!

Desmet weist darauf hin, dass Angst den Blick des Menschen verändern kann. Wer sich bedroht fühlt, sucht Orientierung. Komplexe Zusammenhänge erscheinen dann oft weniger attraktiv als einfache Erklärungen. Gleichzeitig wächst die Bereitschaft, Maßnahmen zu akzeptieren, die unter normalen Umständen wahrscheinlich deutlich kritischer diskutiert und eventuell nicht durchgesetzt werden würden.

Eine demokratische Gesellschaft sollte darauf achten, dass Angst niemals zum dauerhaften politischen Instrument wird. Politikern wie Karl Lauterbach, Boris Pistorius, Roderich Kiesewetter und Konsorten, die bewusst Angst verbreiten, sollte das Handwerk gelegt werden. Angst kann kurzfristig mobilisieren. Sie ist jedoch ein schlechter Ratgeber, wenn es darum geht, langfristige Entscheidungen mit weitreichenden Folgen für Freiheit, Wohlstand und gesellschaftliches Zusammenleben zu treffen.

Desmets Arbeiten liefern keine Antwort auf die Frage, wie sich das Klima entwickelt. Sie erklären jedoch, warum Krisenkommunikation eine so große Wirkung entfalten kann. Wer verstehen möchte, weshalb Millionen Menschen innerhalb kurzer Zeit dieselben Begriffe übernehmen und dieselben politischen Forderungen unterstützen, kommt an Erkenntnissen der Psychologie kaum vorbei.

Damit gelangen wir zu einer weiteren entscheidenden Frage: Wie entstehen eigentlich die Bilder in unseren Köpfen, die unser Weltbild prägen? Mit diesem Mechanismus beschäftigte sich bereits vor über hundert Jahren der amerikanische Publizist Walter Lippmann.

Die Bilder in unseren Köpfen

Wie entsteht eigentlich unsere Vorstellung von der Realität?

Diese Frage stellte sich der amerikanische Publizist und Politikwissenschaftler Walter Lippmann bereits im Jahr 1922 in seinem Werk Public Opinion. Seine Antwort ist ebenso einfach wie tiefgründig: Die meisten Menschen reagieren nicht auf die Realität selbst, sondern auf das Bild von der Realität, das sich in ihren Köpfen gebildet hat. Dieses auf sie „wirkende“ Bild der Realität wird dann zu ihrer „Wirklichkeit“.

Lippmann schrieb (5):

„Wir reagieren nicht zuerst auf die Welt, sondern auf das Bild, das wir uns von ihr gemacht haben.“

Dieser Gedanke ist von zeitloser Aktualität. Kein Mensch kann die gesamte Realität erfassen. Niemand kann alle wissenschaftlichen Studien lesen, sämtliche Messdaten auswerten oder jedes politische Ereignis selbst überprüfen. Deshalb sind wir zwangsläufig darauf angewiesen, dass uns andere die Welt erklären. Medien, Wissenschaftler, Politiker, Experten oder soziale Netzwerke liefern uns täglich eine Vielzahl von Informationen, aus denen sich nach und nach ein Bild unserer Wirklichkeit zusammensetzt.

Das ist zunächst weder gut noch schlecht. Problematisch wird es erst dann, wenn wir dieses vermittelte Bild mit der Realität selbst verwechseln. Darin sehe ich eine der entscheidenden Fragen der heutigen Klimadebatte. Die meisten Menschen kennen den Klimawandel nicht aus eigener Anschauung. Sie kennen ihn aus Fernsehnachrichten, Zeitungsberichten, Dokumentationen, Internetportalen oder den sozialen Medien. Das Bild, das sie sich vom Klima machen, entsteht daher überwiegend aus Informationen, die andere ausgewählt, eingeordnet und vermittelt haben.

Damit stellen sich zwangsläufig weitere Fragen:

Welche Ereignisse werden immer wieder gezeigt – und welche kaum?

Welche wissenschaftlichen Studien schaffen es in die Hauptnachrichten – und welche bleiben weitgehend unbeachtet?

Welche Experten erhalten regelmäßig eine Bühne – und welche kommen kaum zu Wort?

Diese Fragen richten sich gegen die Vorstellung mancher Menschen, dass öffentliche Darstellungen automatisch die gesamte Realität abbilden.
Mehr hierzu im nächsten Teil.

Lippmann machte darauf aufmerksam, dass zwischen der Realität und unserer Wahrnehmung immer ein Filter liegt. Diesen Filter bilden unsere Erfahrungen, unsere Erwartungen, aber auch die Informationen, die wir täglich erhalten. Je einseitiger dieser Filter wird, desto einseitiger wird zwangsläufig auch unser Bild der Realität.

Deshalb halte ich es für gefährlich und verantwortungslos, wenn in der Klimadebatte bestimmte Positionen vorschnell als unzulässig oder wissenschaftlich erledigt erklärt werden. Wissenschaft lebt vom Vergleich unterschiedlicher Hypothesen. Dissens ist die Essenz der Wissenschaft. Wer den Blick auf eine einzige Erklärung verengt, läuft Gefahr, den Unterschied zwischen Realität und ihrer Darstellung aus den Augen zu verlieren.

Lippmann wollte die Öffentlichkeit nicht entmutigen. Im Gegenteil. Sein Werk ist eine Einladung zu mehr Urteilskraft. Es erinnert daran, dass zwischen dem, was tatsächlich geschieht, und dem, was wir darüber wahrnehmen, oft ein erheblicher Unterschied bestehen kann.

Vielleicht besteht die wichtigste Aufgabe eines mündigen Bürgers deshalb nicht darin, möglichst viele Informationen aufzunehmen. Vielleicht besteht sie vielmehr darin, sich immer wieder zu fragen, ob das Bild im eigenen Kopf tatsächlich die ganze Wirklichkeit widerspiegelt – oder nur einen Ausschnitt davon. Es trifft – auch bei mir – immer Letzteres zu.

Doch wer entscheidet nach welchen Kriterien, welche Informationen hervorgehoben, welche Themen wiederholt und welche Fragen in den Hintergrund gedrängt werden? Mit dieser Form der Aufmerksamkeitslenkung beschäftigte sich der Psychologe und Kognitionsforscher Rainer Mausfeld.

Die Macht über unsere Wahrnehmung

Wer bestimmt eigentlich, was wir für wichtig halten oder für wichtig zu halten haben? Und warum beschäftigen manche Themen wochenlang die Schlagzeilen, während andere kaum öffentliche Aufmerksamkeit erhalten?

Mit diesen Fragen befasst sich der Wahrnehmungspsychologe Rainer Mausfeld. In seinen Arbeiten zeigt er, dass Macht in modernen Demokratien immer seltener durch offene Zensur ausgeübt wird. Weitaus wirkungsvoller ist es, die Aufmerksamkeit der Menschen zu lenken: Welche Themen stehen im Mittelpunkt? Welche Informationen werden wiederholt? Welche Zusammenhänge werden hervorgehoben – und welche bleiben weitgehend unsichtbar?

Mausfeld macht deutlich, dass unser Bild von der Realität nicht nur von den vorhandenen Fakten geprägt wird, sondern ebenso von deren Auswahl, Gewichtung und Einordnung. Dieselben Informationen können – je nach Kontext – zu völlig unterschiedlichen Schlussfolgerungen führen.

Rainer Mausfeld beschreibt damit einen Mechanismus, der weit über einzelne politische Themen hinausreicht. Wer die öffentliche Aufmerksamkeit lenkt, beeinflusst auch die Wahrnehmung gesellschaftlicher Wirklichkeit. Nicht weil Fakten erfunden werden, sondern weil nie alle Fakten gleichzeitig im Mittelpunkt stehen können.

In der Klimadebatte lässt sich dieser Mechanismus gut beobachten. Kaum ein Tag vergeht ohne Berichte über Hitzewellen, Dürren, Waldbrände, schmelzende Gletscher oder Extremwetterereignisse. Solche Entwicklungen verdienen selbstverständlich Aufmerksamkeit. Die entscheidende Frage lautet jedoch, ob gleichzeitig auch jene, eher gegenteilige oder auch positive Informationen angemessen berücksichtigt werden, die das Gesamtbild ergänzen oder differenzieren könnten.

So stellt sich beispielsweise die Frage, wie häufig über natürliche Klimaschwankungen, historische Warm- und Kaltzeiten, Unsicherheiten in Klimamodellen oder unterschiedliche wissenschaftliche Bewertungen berichtet wird. Nicht weil diese Aspekte die Existenz des Klimawandels widerlegen würden, sondern weil sie zu einem umfassenderen Verständnis beitragen können.

Mausfeld erinnert uns daran, dass eine demokratische Gesellschaft nicht nur von der Freiheit lebt, Informationen zu verbreiten, sondern auch von der Freiheit, unterschiedliche Perspektiven wahrnehmen und miteinander vergleichen zu können. Erst der Vergleich verschiedener Sichtweisen ermöglicht eigenständige Urteile.

Sein Gedanke knüpft unmittelbar an Walter Lippmann an. Wenn unser Weltbild aus den Bildern entsteht, die wir im Kopf tragen, dann entscheidet die Auswahl dieser Bilder wesentlich darüber, wie wir die Wirklichkeit beurteilen. Kritisches Denken beginnt deshalb nicht erst bei den Antworten, sondern bereits bei der Frage, ob wir überhaupt das ganze Bild sehen, und aus welchen Quellen wir dieses Bild speisen und zusammensetzen.

Wie gelingt es, öffentliche Meinungen nicht nur zu beeinflussen, sondern gezielt Zustimmung für politische und wirtschaftliche Ziele zu erzeugen? Mit dieser Frage beschäftigte sich bereits vor rund hundert Jahren ein Mann, der als Begründer der modernen Public Relations gilt: Edward Bernays.

Zustimmung lässt sich organisieren

Wie gelingt es, ganze Gesellschaften von einer bestimmten Idee zu überzeugen? Wie entsteht öffentlicher Konsens? Und warum übernehmen Menschen mitunter Überzeugungen, die sie ohne gezielte Beeinflussung möglicherweise nie entwickelt hätten?

Mit diesen Fragen beschäftigte sich der amerikanische PR-Pionier Edward Bernays. Der Neffe des berühmten Psychoanalytikers Sigmund Freud verband Erkenntnisse über das menschliche Unbewusste mit den Möglichkeiten moderner Massenkommunikation. Während Freud erforschte, welche verborgenen Motive menschliches Handeln beeinflussen, fragte Bernays, wie sich dieses Wissen gezielt nutzen lässt, um die öffentliche Meinung zu formen.

Sein bekanntestes Werk trägt den mittlerweile negativ besetzten Titel Propaganda (7). Der Titel wirkt heute befremdlich. Doch in den 1920er-Jahren hatte der Begriff noch nicht die eindeutig negative Bedeutung, die er nach den Erfahrungen mit den totalitären Regimen des 20. Jahrhunderts erhielt.

Bernays vertrat die Auffassung, dass demokratische Gesellschaften nicht allein durch Argumente zusammengehalten werden, sondern dass öffentliche Zustimmung aktiv organisiert werden müsse. Seine berühmte Formulierung von der „bewussten und intelligenten Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen“ gehört bis heute zu den meistdiskutierten Sätzen der Kommunikationswissenschaft.

Bernays Erkenntnisse machen deutlich, dass politische Überzeugungen nicht ausschließlich das Ergebnis freier, unabhängiger Meinungsbildung sind. Sie können ebenso das Resultat professioneller Kommunikationsstrategien sein, die Emotionen ansprechen, Bilder erzeugen und bestimmte Deutungen immer wieder in den Vordergrund rücken.

Bernays berichtete später selbst, Joseph Goebbels habe seine Schriften studiert und propagandistische Methoden daraus übernommen. Ob und in welchem Umfang dies geschah, ist historisch unterschiedlich bewertet. Unstrittig ist jedoch, dass psychologische Erkenntnisse zur Beeinflussung öffentlicher Meinungen sowohl für legitime Öffentlichkeitsarbeit als auch für manipulative Propaganda eingesetzt werden können. Nicht die Methode oder Technik entscheidet über ihre moralische Bewertung, sondern der Zweck, dem sie dient. Mit einem Messer kann man sich ein Brot schmieren oder auch jemanden damit umbringen.

Deshalb lohnt sich der Blick auf die heutige Klimadebatte. Wer über Monate und Jahre hinweg dieselben Bilder, dieselben Schlagworte und dieselben Botschaften wiederholt, prägt zwangsläufig die Wahrnehmung der Bevölkerung. Schmelzende Gletscher, brennende Wälder, überflutete Straßen oder vertrocknete Landschaften sind reale und eindrucksvolle Bilder. Die entscheidende Frage lautet jedoch: Vermitteln sie ein umfassendes Bild einer komplexen Realität, oder zeigen sie nur einen kleinen Teil davon?

Bernays hätte vermutlich gesagt, dass erfolgreiche Kommunikation nicht dadurch entsteht, dass möglichst viele Fakten präsentiert werden. Entscheidend ist vielmehr, welche Botschaften emotional verankert werden und sich dauerhaft im Bewusstsein der Menschen festsetzen.

Deshalb genügt es in einer Demokratie nicht, Informationen lediglich aufzunehmen. Es ist ebenso wichtig zu fragen, wer sie auswählt, wie sie präsentiert werden und welches Ziel mit ihrer Vermittlung verfolgt wird. Kritisches Denken bedeutet nicht, jede Botschaft zurückzuweisen. Es bedeutet vielmehr, auch die Mechanismen ihrer Entstehung zu hinterfragen.

Fazit

Nach Orwell, Le Bon, Maaz, Arendt, Desmet, Lippmann, Mausfeld und Bernays zeichnet sich ein gemeinsamer Gedanke ab: Öffentliche Meinungen entstehen selten zufällig. Sie werden durch Sprache, Bilder, Emotionen, Aufmerksamkeit und Kommunikation geprägt und gelenkt.

Wissen über Menschen ist nicht vor Missbrauch geschützt, wie die Geschichte zeigt. Andererseits, wer diese Mechanismen kennt, wird politische Debatten mit anderen Augen betrachten – auch die über das Klima.


Quellenverzeichnis

  • Orwell, George (1949): 1984. London: Secker & Warburg
  • Le Bon, Gustave (1895): Psychologie der Massen (frz. Psychologie des Foules)
  • Maaz, Hans-Joachim (2017): Das falsche Leben – Ursachen und Folgen unserer normopathischen Gesellschaft. München: C.H. Beck. Die zentrale These des Buches ist, dass übermäßiger Anpassungsdruck zu einer „normopathischen“ Gesellschaft führen kann
  • Desmet, Mattias (2022): The Psychology of Totalitarianism. White River Junction (VT): Chelsea Green Publishing
  • Lippmann, Walter (1922): Public Opinion. New York: Harcourt, Brace and Company
  • Mausfeld, Rainer (2018): Warum schweigen die Lämmer? Wie Elitendemokratie und Neoliberalismus unsere Gesellschaft und unsere Lebensgrundlagen zerstören. Frankfurt am Main: Westend Verlag
  • Bernays, Edward L. (1928): Propaganda. New York: Horace Liveright

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Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.


Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

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Der gottlose Gottesstaat

Betrachtungen von Werner Roth

Wir leben wieder in einem Glaubensstaat. Schlimmer als im Mittelalter. Denn die Dogmen, die alles bestimmen, beziehen sich nicht auf eine höhere Macht oder Gott, sondern kommen von einer sektengleichen Gruppe, die alle Machtpositionen okkupiert hat. Sie füllt die entsetzliche Leere, die das gottlose mechanistische Weltbild aufgerissen hat.

Durch die Aufklärung und die damit korrelierende Etablierung der Wissenschaft wurde die traditionelle Religion in der westlichen Kultur als allumfassendes Welterklärungsmodell sukzessive verdrängt. Doch das Bedürfnis nach einem gemeinsamen Glauben verschwand nicht. Es wurde umgelenkt hin zum sogenannten mechanistischen Weltbild.

Kurz gesagt, sieht diese Weltsicht alles, den Mensch, die Natur, das ganze Universum, als riesige, hochkomplexe Maschine an, bei der man alles berechnen kann, sobald man die nötige Information hat. Im heutigen IT-Zeitalter wird eher die Gleichsetzung mit einem Computer herangezogen.

Das pervertiert die Zahlengläubigkeit geradezu und lässt den Vorstellungsraum zusammenbrutzeln zur digitalen Dichotomie. Null – Eins. Schwarz – Weiß. Gut – Böse. Der Großteil des Lebens und der Realität liegt aber zwischen diesen Polen, nichts ist hundert Prozent, ob schlecht oder gut. Doch solche „ewigen“ Weisheiten finden offenkundig keine Beachtung mehr.

Die Bedeutung des Weltbilds als Grundlage allen Denkens und Tuns wird viel zu sehr unterschätzt.

Wir westlichen Menschenwesen gelangten somit zu Annahmen über die Welt, die wir glauben berechnen zu können, jedoch die Komplexität der jeweiligen Prozesse ursächlich nur schwer oder gar nicht erfassen. „Wai, ois hängt hoid mit oim zsamm.“

Eine persische Weisheit sagt. „Die Welt ist wie ein Spiegel, man sieht nur sich selbst.“ Das heißt, so wie man die Welt sieht, spiegelt sich darin etwas wieder, was in einem selbst ist. Leicht zugespitzt könnte man formulieren, wenn ein Einfaltspinsel über die Welt reflektiert, kann nur Einfältigkeit herauskommen.

Bestens beobachten kann man dies bei den unzähligen Quatschrunden im TV. Ganz egal, zu welchem Thema auch immer. Mit dem dort zur Schau gestellten geistig-intellektuellem Horizont könnte man nicht mal eine frisch geputzte Glasscheibe durchschauen.

Wo liegt der Hase im Pfeffer?

Da die tatsächliche Informationsflut, die auf den Menschen einströmt, sämtliche Synapsen sprengen würde, reduzieren unsere fünf Sinne und unser Gehirn die Wahrnehmung auf ein uns genehmes Maß. Unser Verstand bietet uns somit ein handhabbares Modell an. Die Realität, die wir wahrnehmen, ist also nur ein Teil der Realität, wie sie wirklich ist.

Aufgrund des technischen Fortschritts während der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert bekam der Mensch ein ständig verbessertes Instrumentarium, das die Grenzen der Wahrnehmung enorm weit verschob. Auf einmal schien alles messbar. Die Erkenntnisse in den Naturwissenschaften explodierten förmlich.

Das beförderte die Annahme, dass die Welt insgesamt funktioniert wie eine zwar hochkomplexe, aber eben doch eine Maschine. Das mechanistische Weltbild begrenzt sich dabei allerdings selbst auf alles Messbare. Nicht messbares wird entweder messbar gemacht oder ausgegrenzt.

Nichtsdestotrotz haben wir dieser Denkmethodik beim Verständnis der Welt unglaublich viel zu verdanken.

Aber die Absolutsetzung als das einzig mögliche Weltmodell, ist die Krux. Wer das nicht-meßbare, die Anerkennung einer „höheren Macht“ aus seinem Weltverständnis vollkommen ausschließt, bleibt auf Dauer orientierungslos zurück, in einer Welt voller Verwirrter und Orientierungsloser. Man muss ja nur die Augen aufmachen.

Der überaus renommierte Physiker Hans-Peter Dürr merkte mal an: „Die Schöpfung der Welt ist ein andauernder Prozess und in jedem Augenblick ein Gesamtkunstwerk. Nichts und niemand kann sich aus diesem Prozess herausnehmen. Das ist keine Behauptung, das ist ein Naturgesetz.“

„Die Wissenschaft“ heutzutage kämpft auch deshalb ständig mit sich selbst, weil sie sich in ihren eigenen, begrenzten Dogmen verfangen hat. Somit ist das transportierte Bild einer monolithischen, materialistischen Wissenschaft eher ein Medienprodukt, als Wirklichkeit.

Hach, waren das noch Zeiten, als noch das altmodische Prinzip galt, dass das bessere Argument das gute Argument schlägt.

Mit dem Coronaregime wurde es überdeutlich. Der Staat und seine Trägersäulen wie die Ämter, die Gerichte und vor allem „die Wissenschaft“ gründen überwiegend auf dem Glauben an Dogmen und nicht auf Wissen.

Wir Menschen sehen und erklären uns die Welt mittels Geschichten. Ist eine Geschichte nicht mehr haltbar, dann baut sich unser Gehirn sofort eine neue Geschichte. Natürlich kann auch die falsch sein. Die Sprache weist uns den Weg mit Redewendungen wie „Auf der falschen Fährte unterwegs“, „Auf dem Holzweg sein“, „Sich gedanklich verlaufen zu haben“ und vielem mehr für die gelegentlich irrlichternden Gestalten.

Entscheidend für die Menschen ist immer, für wie vernünftig, plausibel und nachvollziehbar sie eine Geschichte halten. Der Ausgangspunkt für die Einordnung ist dabei stets das jeweilige Weltbild. Insbesondere bei Gesundheitsfragen gibt es da eklatant große Differenzen.

Die gesamte westliche moderne Medizin ist selbst von Grund auf krank.

Denn sie basiert auf diesem unsäglichen materialistischen Weltbild, das auch den Menschen als seelenlose Maschine begreift. Dass der Mensch, das Leben, überhaupt alles unendlich viel mehr umfassen, ist in dieser abgehobenen, in Dünkel einbetonierten Weltsicht nicht eingepreist.

Wie vielen Menschen wurde besser geholfen, weil sämtliche medizinischen Begrifflichkeiten auf Latein ausgedrückt werden und die Beschäftigten im medizinisch-pharmakologischen Bereich mit blütenweißen Kitteln über die Flure schweben?

Das Spitzenpersonal bekam die Bezeichnung „Halbgötter in Weiß“, denen Professor Brinkmann Gestalt verlieh für die Ewigkeit. Die moderne Schulmedizin kann heute praktisch fast jedes Organ reparieren und/oder austauschen, nur den Menschen wirklich heilen kann es nicht.

„Wir“ legen eine ungeheure Aktivität an den Tag, um „uns“ vor irgendwelchen Bedrohungen jedweder Art zu schützen. Der Hochinfektions-Vollschutzanzug ist die Krönung der eingebildeten Angst vor allem. „Wir“ sind „fast total gut „geschützt“ gegen alles Mögliche, was es nicht gibt“, wie das Michael Sailer köstlich in Worte kleidet.

Der „oide“ Karl Kraus hatte eh schon immer den richtigen Schmäh: „Wenn der Dachstuhl brennt, nützt weder beten noch den Fußboden scheuern. Immerhin ist Beten praktischer“

„Die Dosis macht das Gift!“ Stimmt immer…

Es gibt aber auch noch Gesellschaften außerhalb der westlichen, mit jahrtausender alter Kultur und Heilkunst. Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen der westlichen modernen Medizin und der traditionellen asiatischen bzw. indischen Heilkunst bzw. Medizin?

Antwort KI: „Während die moderne westliche Medizin (Schulmedizin) naturwissenschaftlich, analytisch und symptomorientiert arbeitet, betrachten die traditionelle indische (Ayurveda) und asiatische Medizin (z. B. TCM) den Menschen ganzheitlich als Einheit von Körper, Geist und Umwelt.“

In westlichen Gefilden gibt es da ja (noch) diese Esoteriker und Naturheiler, selbstverständlich alle Kurpfuscher vor dem Herrn. Die phantasieren da rum, Krankheiten würden nur die Symptome darstellen, die eine bedrängte Seele aussendet, um eine innere Ungleichgewichtigkeit aufzuzeigen. „Nua Hexn- und Abaglam zum Goid abzockn, de Grattla de elendign.“

Man könnte sich fragen, wie unsere Spezies überhaupt noch existiert.

Eines der grundlegendsten Prinzipien der Natur ist das permanente Streben nach einem Gleichgewicht. Die Natur, vor allem wenn man sie in Ruhe lässt, behebt jede Ungleichgewichtigkeit aus sich selbst heraus. Dies beinhaltet natürlich auch, dass alles Lebendige in der Lage ist, sich selbst wiederherzustellen. Bis zu einem gewissen Grad. „Sie wissns eh: De Dosis …“.

Was ebenfalls einfach allem Lebendigem gemein ist, ist das Bestreben, sich wohl zu fühlen. Das geht vom kleinsten Einzeller bis zum Menschen. Ob pflanzlich, tierisch oder pilzförmig. Alles Lebendige will „sei Ruah und sein Friedn“. Und der Bayer sein Bier, wie seit Alois Hingerl, Dienstmann Nummer 172, aka Engel Aloisius, bekannt.

Dieser Urtrieb, gerade in Verbindung mit dem bestens berechenbaren materiellen Weltbild, hat die Menschheit letztendlich, vor allem im Westen, zu einem außergewöhnlichen Wohlstand und beispiellosen Komfort geführt. Doch dieser Wohlstand im „Imperium der Lügen“ basiert im Wesentlichen eben auf, nun ja… Lügen. Obendrauf liegt bleischwer noch Ignoranz und Engstirnigkeit.

Die Dichotomie ist eine essenzielle Methode, um Ordnung zu schaffen, kann jedoch in komplexen Fällen zu simplifizierend wirken.

Bereits 1979 veröffentlichte ein Arzt namens Robert Mendelsohn das Buch „Confessions of a Medical Heretic“ (Bekenntnisse eines medizinischen Ketzers). Seine zentrale Aussage lautet:

„Die moderne Medizin ist weder Kunst noch Wissenschaft – sie ist eine Religion. Ärzte traten an die Stelle von Priestern. Weiße Kittel ersetzten Priestergewänder. Krankenhäuser wurden zu Tempeln. Medikamente wurden zu Hostien. Und Impfstoffe wurden zum Weihwasser – dem Ritual, das einen in den Glauben tauft.“

„Die Begründer dieser so genannten Mikroben-Theorie, die Forscher Louis Pasteur und Robert Koch, stiegen noch zu Lebzeiten in den Olymp auf.“ Dem Entdecker des „Tuberkels“ wurde sogar von Otto Waalkes ein Denkmal gesetzt.

Applaus, Applaus, die Damen schluchzen, die Kavaliere fächeln ihnen Luft zu…

Die ganze Idee von unbekannten Krankheitserregern dockt exakt an die Horrorvorstellungen vom „dunklen, schwarzen Kontinent“ aus dem 19. Jhdt. an, parallel zur Entwicklung der Infektionstheorie. In den unheimlichen, sumpfigen, fiebrigen Urwäldern lauern teuflische unbekannte Gefahren, gegen die der weiße Herrenmensch, samt zarter Dame, nicht gewappnet ist. Im Gegensatz zu den primitiven Eingeborenen, liebevoll als „die Wilden“ bezeichnet.

Eine Krankheit, eine Ursache, ein Heilmittel. Dieser monokausal-mikrobielle Ansatz ist das Fundament der Medizin und Pharmabranche.

Der Kardinalfehler der gesamten medizinischen Erklärungsgeschichten ist das mechanistische Weltbild. Ein Erreger, eine Krankheit. So simpel wie vom Dimpfl.

Aber die Stimmen werden lauter, die konstatieren, dass „sämtliche angeblichen Virusbeweise – Genomsequenzen, PCR-Tests, Elektronenmikroskop-Bilder – auf Zirkelschlüssen und logischen Fehlschlüssen basierten.“

Soll jeder, der will sich seinen eigenen Reim drauf machen. Denn eins ist sicher: Sicher ist nichts.

Mehr von Werner Roth finden Sie hier: https://www.anderweltonline.com/satire/

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Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

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