Von Christian Hamann
Nach früherer Eskalation mit Marschflugkörpern, Streumunition und radioaktiver DU-Munition tragen westliche Militaristen nunmehr mit forcierter Lieferung von Kampfdrohnen den Krieg tief auf russisches Gebiet. https://overton-magazin.de/hintergrund/politik/atomschlag-gegen-deutschland/
In dieser gefährlichen Lage stellt das Verstehen der gegnerischen Motive einen essenziellen Faktor dar, um die große Eskalation zu vermeiden und auf eine Einigung zuzusteuern. Doch statt diese Regel Martin Luther Kings zu beachten, verharren europäische Politiker in hypokritischer Selbstgefälligkeit und einseitiger Schuldzuweisung. https://www.theamericanconservative.com/mearsheimer-europes-bleak-future/
Die Mainstream-Medien trifft eine große Mitschuld, indem sie für den groben Verstoß gegen Rationalität und Verantwortung eine Kulisse des Verständnisses liefern. Während sie die angebliche militärische Verteidigung westlicher Prinzipien gegen Russland beklatschen, versäumen sie es, die offenkundige Unterminierung derselben durch die EU-Kommission und verschiedene europäische Regierungen abzumahnen.
Die Rolle authentischer Beschützer des westlichen Wertefundaments und der Sicherheit der Bürger fällt damit zunehmend freien Journalisten zu. Ihre Abwehr der Eskalationspolitik gegen Russland macht es insbesondere erforderlich, die gegnerischen Motivlage zu analysieren und ebenso die der eigenen Militaristen.
Exponierte Personen, deren persönlicher Werdegang stellvertretend für den Wandel ihrer Gesellschaften steht, sind dafür besonders geeignet. Bei der Suche trifft man im Falle Russlands auf Sergey Karaganov, der schon seit fast 40 Jahren großen politischen Einfluss ausübt, über lange Zeit international vernetzt war (Trilaterale Kommission, CFR) und einen für Russland typischen inneren Wandel durchgemacht hat. In mehreren Stellungnahmen empfiehlt er der russischen Regierung einen baldigen Warnschlag gegen Deutschland.
Wie konnte Europa so weit kommen, dass ein weltgewandter, historisch gebildeter und Europa zugewandter Mann wie Karaganov der russischen Regierung jetzt einen atomaren Warnschlag gegen Deutschland empfiehlt?! – Die Antwort liegt in der Vergangenheit und ihrer unterschiedlichen Wahrnehmung.
Während der historische Horizont der meisten Deutschen kaum weiter zurückreicht als bis zur Machtergreifung Hitlers im Jahr 1933, erlauben sich Russen einen freien Blick auf ihre über tausendjährige Geschichte. Diese verbindet sie eng mit den Ukrainern, zusammen mit denen sie Vorstöße der Reitervölker Innerasiens erfolgreich abwehren konnten. Dagegen war die russische Sicht auf Europa insgesamt gemischt. Die wertvollen Entwicklungsimpulse vor allem aus Deutschland sind bis heute im historischen Bewusstsein der Russen verankert. Aber Russland war auch eines der Haupt-Opfer auf einem zerstrittenen Kontinent. Viermal war das Land Angriffsziel, 1812 durch Napoleons Truppen, 1854 durch eine britisch-französische Allianz im Krimkrieg, 1917 durch die westlich initiierte Oktoberrevolution Lenins und 1941 durch Hitlers Invasion.
Nach diesen bitteren Erfahrungen waren die Wiedervereinigung Deutschlands unter russischem Rückzug 1990, die Auflösung der Sowjetunion 1991 und die Auflösung ihres Militärbündnisses Warschauer Pakt Vorleistungen Russlands, denen jedoch keine Gegenleistungen von westlicher Seite folgten. Im Gegenteil setzte 1999 eine den Prinzipien der Entspannung, der Fairness und des Kräftegleichgewichts zuwiderlaufende Expansion der NATO ein.
Was man auch immer von Wladimir Putin hält, muss man ihm in dieser sich bereits anspannenden Lage vier auf Harmonie abzielende Initiativen hoch anrechnen. Die erste bestand im Vorschlag eines russischen NATO-Beitritts gegenüber US-Präsident Clinton im Juni 2000. Der Vorschlag wurde gegenüber George W. Bush ein Jahr später mit Begründung wiederholt. Die dritte Initiative bestand in der Rede Putins vor dem Deutschen Bundestag im September 2001. In dieser wurde unter starkem Solidaritätsappell eine weitreichende wirtschaftliche und sicherheitspolitische Partnerschaft zwischen Russland und der EU angeregt. Sogar noch nach fortgeschrittener NATO-Expansion wiederholte und präzisierte Putin diesen Vorschlag in einem Gastbeitrag für die Süddeutsche Zeitung im November 2010. Darin propagierte er das Konzept eines „gemeinsamen Wirtschaftsraums von Lissabon bis Wladiwostok“.
Alle dieser Kooperationsangebote und Initiativen wurden ausgeschlagen oder ignoriert. Die NATO und die EU (mit Artikel 42 ihres Vertrages ebenfalls ein Militärbündnis) dehnten sich weiter nach Osten aus und die Ukraine wurde zur inzwischen stärksten Militärmacht Europas aufgerüstet.
Die verletzende Zurückweisung der angebotenen Freundschaft durch ein gefühlstotes westliches Establishment hat einen dramatischen historischen Identitätswandel zur Folge. Hatten sich Russen über Jahrhunderte hinweg primär als Europäer definiert, so betrachten sie sich nach der Enttäuschung heute als eigenständige, eurasische Zivilisation, die ihre Zukunft nicht mehr im Westen, sondern im globalen Osten sucht.
Dieser zivilisatorische Bruch bildet das Fundament, auf dem auch Karaganovs Radikalität gedeihen konnte. In verschiedenen Schriften und Interviews stellt er fest, dass das Establishment EU-Europas einen politisch, wirtschaftlich und militärisch desaströsen Kurs steuert. https://karaganov.ru/en/
Dessen Einmündung in die nukleare Vernichtung des Kontinents schwebt so lange als Damoklesschwert, wie Militaristen freie Hand haben, den Krieg auf immer neue Weise nach Russland zu tragen. Verschärfend wird ein als Warnung zu verstehender Atomschlag im Westen schon seit langer Zeit in realitätsferne Narrative über angebliche Eroberungsabsichten der russischen Regierung verpackt. Dadurch droht der Warncharakter eines atomaren Erstschlages missverstanden zu werden, so dass er NICHT zu dem erforderlichen Respekt und Einschwenken auf eine friedliche Einigung führt, sondern zur Eskalation.
Als Putin im Februar 2022 die militärische Intervention in der Ukraine startete, übernahmen die europäischen Staaten nicht die ihnen in diesem Bruderkrieg allein zukommende Rolle neutraler Vermittler. Vielmehr brachten sie mit Parteilichkeit und Waffenlieferungen eine Eskalationsspirale in Gang.
Zynischer Weise taten sie das, indem sie fundamental gegen ein Prinzip verstoßen, das sie sich selbst auf die Fahnen geschrieben haben – die europäische Solidarität. Victor Hugos Projekt der Vereinigten Staaten von Europa (vorgestellt 1849) umfasste selbstverständlich auch Russland!
Karaganovs innerer Wandel und seine Äußerungen führen drastisch vor Augen, in welche Gefahr ignorante europäische Regierungen ihre Nationen und die angeblich verteidigten Bewohner der umkämpften Gebiete bereits gebracht haben, indem sie die fundamentale Grundregel missachtet haben, dass die gesamteuropäische Solidarität absoluten Vorrang haben muss. Nach den bitteren Erfahrungen der beiden Weltkriege – richtiger europäischen Bruderkriege – sollte das eigentlich klar sein.
Dieser Text steht unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung 4.0 International (CC BY 4.0). Er darf kostenlos geteilt, übersetzt und weiterverbreitet werden, solange mein Name und meine Website als Quelle verlinkt werden.
https://www.frieden-freiheit-fairness.com
Wenn Ihnen der Beitrag gefallen hat, bitte wieder teilen. Danke dafür. Ihnen eine angenehme Zeit.
Noch ein privates Anliegen, werte Leserinnen, werte Leser,
in diesem Blog, den ich alleine ohne jede finanzielle Unterstützung betreibe, steckt mein Herzblut. Ich möchte meine diesbezügliche – meines Erachtens nutzbringende – Aktivität keinesfalls einschränken. Der Zeitaufwand hierfür reduziert jedoch meine Möglichkeiten für den Broterwerb. Für eine Spende wäre ich Ihnen sehr dankbar.
Spendenkonto:
Uwe Froschauer
IBAN: DE41 7015 0000 1008 3626 40
BIC: SSKMDEMMXXX
Wenn Sie bei der Überweisung im Vermerk „Spende“ eingeben, wäre das sehr hilfreich für eine korrekte Zuordnung.
Vielen Dank!
Herzlichen Dank auch für bereits eingegangene Spenden.
Mein Buch „Eine Reise zum Selbst“ wurde am 2.Juli 2026 veröffentlicht.
https://www.amazon.de/dp/B0H761YF9H/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=

Die Texte dieses Buches laden dazu ein, gewohnte Denk- und Handlungsmuster zu hinterfragen, ohne neue Dogmen zu schaffen. Sie verbinden Erkenntnisse aus Philosophie, Spiritualität, Psychologie und Lebenserfahrung zu einer verständlichen und lebensnahen Reflexion über das Menschsein.
Themen wie Selbstreflexion, die Kraft des gegenwärtigen Augenblicks, Geben und Empfangen, Dankbarkeit, Liebe, Toleranz, persönliches Wachstum und der Umgang mit den Herausforderungen des Lebens bilden die Wegmarken dieser Reise.
Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.
Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts
Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/
Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.
Meine Artikel können gerne für andere Blogs oder sonstige Kommunikationsplattformen verwendet werden, soweit Inhalte nicht verändert werden, die Quelle zitiert und der Spendenaufruf beibehalten wird.
Wissen ist frei – auch wenn das manche eliteinstruierte Politiker und Journalisten anders sehen.