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Die Dämonisierung Putins – ein klassisches Instrument der Kriegsrhetorik

Von Uwe Froschauer

Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit. Dieser Satz wird häufig zitiert, doch selten war seine Aktualität so offensichtlich wie heute. Während Milliarden für Aufrüstung bereitgestellt werden und die Bevölkerung in Deutschland auf „Kriegstüchtigkeit“ eingeschworen wird, erleben wir zugleich eine massive Personalisierung und Moralisierung des Ukraine-Krieges.

Statt über geopolitische Interessen, Sicherheitsfragen, die Vorgeschichte des Konflikts oder mögliche Verhandlungslösungen zu sprechen, wird der Krieg zunehmend auf eine einzige Person reduziert: Wladimir Putin.

Putin erscheint in der öffentlichen Darstellung nicht als politischer Akteur mit Interessen, Strategien oder Motiven, sondern als Kriegsverbrecher, Friedensfeind, irrationaler Aggressor und personifiziertes Böse. Die politische Botschaft ist klar: Wenn das Problem ausschließlich Putin ist, dann können Verhandlungen mit ihm nicht sinnvoll sein. Wer dennoch nach Diplomatie ruft, gerät schnell unter Rechtfertigungsdruck.

Die ethische Herabwürdigung Putins ist ein Paradebeispiel für eines der ältesten Instrumente der Kriegspropaganda: die Dämonisierung des Gegners.

Dämonisierung

Dämonisierung bedeutet nicht einfach Kritik. Kritik beschäftigt sich mit Handlungen, Entscheidungen und politischen Zielen. Dämonisierung dagegen verschiebt die Aufmerksamkeit von den Handlungen auf die Person. Der Gegner erscheint nicht mehr als politischer Akteur mit Interessen, Motiven oder Sicherheitsvorstellungen, sondern als moralisch minderwertige, gefährliche oder gar böse Figur. Er wird als irrational dargestellt, als von Gewalt besessen, als unfähig zu Verhandlungen, als permanenter Aggressor und als alleinige Ursache sämtlicher Probleme.

Dadurch entsteht beim Publikum der Eindruck, mit einem solchen Gegner könne man nicht reden, man könne ihn nur bekämpfen.

Die Dämonisierung des Gegners ist keineswegs eine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Bereits vor über hundert Jahren wurden Methoden entwickelt, die bis heute zum Standardrepertoire moderner Kriegspropaganda gehören.

Besonders deutlich zeigte sich dies im Ersten Weltkrieg. Die britische Propaganda zeichnete das Bild des „Hunnen“, eines angeblich barbarischen deutschen Soldaten, der keinerlei menschliche oder moralische Grenzen kenne. Die Öffentlichkeit wurde mit Geschichten über deutsche Gräueltaten in Belgien konfrontiert. Zeitungen berichteten von verstümmelten Kindern, abgeschnittenen Händen, vergewaltigten Frauen und anderen Schreckensgeschichten. Einige dieser Berichte bezogen sich auf wahrscheinlich stattgefundene Kriegsverbrechen, andere konnten nicht nachgewiesen werden, erwiesen sich später als stark übertrieben oder waren frei erfunden. Dennoch entfalteten sie ihre Wirkung.

Besonders wirksam waren Berichte, nach denen deutsche Soldaten belgischen Kindern die Hände abgeschnitten hätten. Solche Geschichten verbreiteten sich rasend schnell in Großbritannien und den Vereinigten Staaten. Sie erzeugten jene emotionale Empörung, die notwendig war, um die Bevölkerung für den Krieg zu mobilisieren. Die Frage, ob jede einzelne Geschichte auch nur in Bruchstücken der Wahrheit entsprach, spielte dabei nur eine untergeordnete Rolle. Entscheidend war die emotionale Wirkung. Der Gegner sollte nicht verstanden, sondern gefürchtet und besiegt werden.

Im Vorfeld des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich ein ähnliches Muster. Adolf Hitler wurde in Großbritannien, Frankreich und später in den Vereinigten Staaten zunehmend als Verkörperung einer existenziellen Bedrohung dargestellt. Angesichts der tatsächlichen Politik des NS-Regimes war ein großer Teil dieser Kritik berechtigt. Dennoch zeigt die damalige Kommunikation ein bekanntes propagandistisches Muster: Komplexe politische Konflikte wurden zunehmend auf die Person Hitlers reduziert. Deutschland erschien nicht mehr als Staat mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen, politischen Strömungen oder Interessen, sondern als unmittelbare Verlängerung des Willens eines einzelnen Mannes.

Umgekehrt betrieb auch das NS-Regime intensive Dämonisierung. Winston Churchill wurde als Kriegstreiber dargestellt. Franklin D. Roosevelt erschien in der nationalsozialistischen Propaganda als Teil einer angeblichen Verschwörung gegen Deutschland. Die Sowjetunion wurde als Verkörperung eines zerstörerischen „bolschewistischen Feindes“ präsentiert. In Plakaten, Zeitungen und Wochenschauen wurden politische Gegner nicht als Menschen mit anderen Interessen gezeigt, sondern als moralisch verkommene Bedrohungen, gegen die nur noch Kampf möglich sei.

Darin zeigt sich ein wesentliches Merkmal von Kriegspropaganda: Sie funktioniert in nahezu allen Lagern nach ähnlichen Mustern. Jede Seite neigt dazu, die eigenen Ziele als gerecht und die Ziele des Gegners als Ausdruck von Bosheit, Irrationalität oder Aggressivität darzustellen.

„Im Krieg glaubt jede Seite, Gott auf ihrer Seite zu haben.“
Robert Bolt

Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand diese Methode keineswegs. Im Kalten Krieg wurde sie zu einem festen Bestandteil der politischen Kommunikation.

In den Vereinigten Staaten wurde die Sowjetunion häufig als „Reich des Bösen“ dargestellt. Präsident Ronald Reagan bezeichnete die UdSSR 1983  als „evil empire“ („Reich des Bösen“).

Damit wurde ein geopolitischer Konflikt in eine moralische Auseinandersetzung zwischen Gut und Böse übersetzt. Die Sowjetunion erschien nicht mehr als konkurrierende Großmacht mit eigenen Interessen, sondern als moralisch minderwertiges System.

Auf sowjetischer Seite fand dieselbe Logik statt. Die Vereinigten Staaten wurden als imperialistische Macht dargestellt, die Kriege führe, um die Welt zu beherrschen. Der Westen erschien in der sowjetischen Propaganda regelmäßig als aggressiver Feind, der den Sozialismus vernichten wolle – was ja auch nicht ganz abwegig war.

In beiden Fällen wurden politische Konflikte moralisiert. Die jeweilige Gegenseite wurde nicht als Verhandlungspartner, sondern als Bedrohung für die gesamte Menschheit dargestellt.

Die Logik dahinter war immer dieselbe: Wer die Bevölkerung auf Konfrontation, Aufrüstung oder Krieg einschwören möchte, benötigt ein Feindbild. Ein Feindbild funktioniert umso besser, je weniger differenziert es ist. Der Gegner darf nicht als Mensch mit Interessen erscheinen. Er muss zum Aggressor werden, zum Diktator, zum Kriegstreiber, zum Feind des Friedens, zur Gefahr für die Zivilisation. Wenn die Menschen den Krieg wollen sollen, muss man ihnen zuerst Angst machen.

„Die Menschen wollen keinen Krieg. Aber man kann das Volk immer dazu bringen, den Anführern zu folgen. Man braucht ihm nur zu sagen, es werde angegriffen, und die Pazifisten als unpatriotisch zu beschimpfen.“
Hermann Göring

Die propagandistischen Muster ähneln sich über Jahrzehnte hinweg. Die Namen wechseln. Die Methoden bleiben weitgehend dieselben.

Die Professionalisierung der Meinungslenkung

Die Dämonisierung von Gegnern entsteht nicht zufällig. Seit dem Beginn des 20. Jahrhunderts wurden Methoden der öffentlichen Meinungsbeeinflussung systematisch untersucht und professionalisiert.

Bereits während des Ersten Weltkriegs gründete die britische Regierung mit dem Wellington House eine eigene Einrichtung für Kriegspropaganda. Dort arbeiteten Journalisten, Historiker, Schriftsteller und Kommunikationsexperten daran, die öffentliche Meinung im In- und Ausland zugunsten der britischen Kriegsziele zu beeinflussen. Ziel war es nicht nur, Informationen zu verbreiten, sondern Emotionen zu erzeugen. Empörung, Angst und moralische Entrüstung erwiesen sich dabei als besonders wirksame Mittel.

Parallel dazu entstand in den Vereinigten Staaten das Committee on Public Information, besser bekannt als Creel Committee – benannt nach dem Journalisten und Vorsitzenden George Creel. Diese Organisation sollte die amerikanische Bevölkerung auf den Kriegseintritt vorbereiten. Zu den dort tätigen Personen gehörte auch Edward Bernays, ein Neffe Sigmund Freuds.

Bernays zog aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs weitreichende Schlussfolgerungen. In seinem späteren Werk Propaganda schrieb er offen über die Möglichkeit, öffentliche Meinungen gezielt zu formen. Demokratie bedeute nicht automatisch, dass sich Menschen unabhängig informierten. Vielmehr könnten Einstellungen, Überzeugungen und politische Haltungen durch professionelle Kommunikation in erheblichem Umfang beeinflusst werden.

Bernays formulierte:

„Die bewusste und intelligente Manipulation der organisierten Gewohnheiten und Meinungen der Massen ist ein wichtiges Element in der demokratischen Gesellschaft.“

Diese Erkenntnisse waren für den NS-Propagandaminister Joseph Goebbels eine Steilvorlage zur Beeinflussung der Massen, und bildeten später eine wichtige Grundlage moderner Public Relations und politischer Kommunikationsstrategien.

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg wurden solche Techniken weiterentwickelt. Das 1947 gegründete Tavistock Institute in London beschäftigte sich unter anderem mit Gruppenverhalten, Sozialpsychologie und den Auswirkungen gesellschaftlicher Prozesse auf menschliches Verhalten. Das Tavistock Institute sehe ich unter anderem als ein Zentrum westlicher Meinungssteuerung. Die Geschichte des Instituts zeigt, wie intensiv moderne Gesellschaften die Mechanismen kollektiver Meinungsbildung erforscht haben.

Besonders bekannt wurde die Rolle professioneller Kommunikationsagenturen im Vorfeld des ersten Golfkriegs 1990/91.

Die PR-Agentur Hill & Knowlton organisierte damals einen Auftritt eines kuwaitischen Mädchens vor dem US-Kongress. Die junge Zeugin berichtete unter Tränen, irakische Soldaten hätten in einem kuwaitischen Krankenhaus Babys aus Brutkästen gerissen und auf dem Boden sterben lassen.

Die Geschichte erzeugte weltweit Entsetzen und wurde zu einem der bekanntesten Argumente für ein militärisches Eingreifen gegen den Irak.

Erst nach Kriegsbeginn stellte sich heraus, dass die Zeugin – die Tochter des kuwaitischen Botschafters – zum Zeitpunkt dieser angeblichen Gräueltat in Washington und nicht in Kuwait war. Die sogenannte „Brutkastenlüge“ ist eines der bekanntesten Beispiele moderner Kriegspropaganda.

Die Methoden haben sich seitdem technisch verändert. Die zugrunde liegenden psychologischen Mechanismen sind jedoch weitgehend dieselben geblieben. Emotionale Bilder wirken stärker als nüchterne Analysen. Moralische Empörung verbreitet sich schneller als differenzierte Argumente. Die Personalisierung komplexer Konflikte auf einzelne Feindfiguren erleichtert die Mobilisierung öffentlicher Zustimmung erheblich.

„Propaganda ist für die Demokratie, was der Knüppel für den totalitären Staat ist.“
Noam Chomsky

Vor diesem historischen Hintergrund erscheint die aktuelle westliche Darstellung Wladimir Putins nicht als Ausnahmeerscheinung, sondern als Teil eines seit mehr als hundert Jahren bekannten Musters politischer Kommunikation in Zeiten internationaler Konflikte.

Die öffentliche Darstellung Wladimir Putins wurde seit Beginn des Ukraine-Krieges immer stärker personalisiert. Nicht Russland, nicht russische Sicherheitsinteressen, nicht geopolitische Konflikte und nicht die jahrzehntelange Vorgeschichte stehen im Mittelpunkt der Debatte, sondern die Person Putin. Der gesamte Krieg wird auf ihn konzentriert. Die Botschaft lautet regelmäßig: Putin hat den Krieg begonnen, Putin will den Krieg fortsetzen, Putin will keinen Frieden, Putin blockiert Verhandlungen und Putin allein trägt die Verantwortung für alle Folgen des Konflikts – in meinen Augen eine glatte Lüge.

Diese Darstellung – der ich keinesfalls zustimme – ist zunächst zweitrangig. Interessant ist die Frage, welche rhetorischen Mittel dabei eingesetzt werden. Vier Muster treten dabei besonders häufig auf: Kriminalisierung, Personalisierung, die Darstellung als Friedensfeind und schließlich die moralische Delegitimierung.

1. Kriminalisierung: Putin als Kriegsverbrecher

Ein zentrales Element der Dämonisierung besteht darin, den Gegner nicht mehr primär als Staatsführer, sondern als Verbrecher darzustellen.

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte:

„Er ist ein Kriegsverbrecher.“

Noch weiter ging Merz mit der Aussage:

„Er ist vielleicht der schwerste Kriegsverbrecher unserer Zeit.“

Und jetzt kommts:

„Ich habe keine Veranlassung, Putin Glauben zu schenken.“

Das Problem mit dem „Glauben schenken“ ist ja wohl eher Ihr Problem bei deutschen Bürgern, oder Herr Merz? Da müssten Sie sich doch eigentlich an die eigene Nase fassen, falls sie noch nicht zu lange ist, nicht wahr?
Die Formulierungen vom deutschen Bundeskanzler sind hochinteressant. Sie beziehen sich nicht auf einzelne Entscheidungen oder konkrete Handlungen, sondern auf die Person Putin selbst. Wenn Sie schon personalisieren wollen, Herr Merz, dann beziehen Sie Ihre moralischen Urteile bitte auf den Kriegsverbrecher, Kinder- und Völkermörder Benjamin Netanjahu, den Sie nach Deutschland einladen wollten.

Natürlich kann und muss über mögliche Kriegsverbrechen gesprochen werden. Doch die politische Wirkung solcher Aussagen geht weit über eine juristische Bewertung hinaus. Wer als „schwerster Kriegsverbrecher unserer Zeit“ dargestellt wird, erscheint nicht mehr als möglicher Verhandlungspartner, sondern als moralisch absolut illegitime Figur, mit der man nicht verhandelt.

Der Gegner wird kriminalisiert. Aus einem Staatsoberhaupt wird ein Verbrecher. Die politische Auseinandersetzung wird moralisch aufgeladen.

Die Versuchung, diese Art der Kommunikation zu nutzen ist groß, wie Sie vielleicht an meinen emotionalen Aussagen zu Benjamin Netanjahu erkennen können.

2. Personalisierung: Der gesamte Krieg wird auf Putin reduziert

Ein weiteres klassisches Mittel der Kriegsrhetorik besteht darin, komplexe Konflikte auf eine einzelne Person zu reduzieren.

Annalena Baerbock erklärte:

„Dieser Krieg ist Putins Krieg.“

Ebenso sagte sie:

„Putin wollte diesen Krieg.“

Die NATO beziehungsweise die USA wollten diesen Krieg, nicht Russland oder Putin. Nicht wer den ersten Schritt macht ist der wahre Aggressor, sondern wer zu diesem ersten Schritt zwingt. Vielleicht erschließt sich Ihnen das bei Ihrer einfachen Logik ja nicht, Frau Baerbock. Schon mal was von NATO-Osterweiterung gehört und der Beteuerung von James Baker und Hans-Dietrich Genscher „not an inch eastwards“?

Ähnliche Muster finden sich auch bei SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil. Während der ARD-„Arena“-Sendung am 8. Juni 2026 erklärte er auf die Frage eines Bürgers zum Ukrainekrieg:

„Es gibt einen Menschen, der den Krieg jeden Tag beenden könne.“

Und unmittelbar danach:

„Das ist Wladimir Putin.“

Außerdem sagte Klingbeil über Putin:

„Dem ist es egal, was mit seinen eigenen Leuten passiert.“

Die politische Botschaft ist eindeutig. Nicht unterschiedliche Interessen, Sicherheitsvorstellungen oder geopolitische Konflikte stehen im Mittelpunkt, sondern die Person Putin. Er erscheint als alleiniger Verantwortlicher für die Fortsetzung des Krieges und als jemand, der weder Mitgefühl noch Verantwortung gegenüber dem eigenen Volk empfindet.

Dabei handelt es sich keineswegs um eine einmalige Äußerung. Bereits 2022 sprach Klingbeil von den

„imperialistischen Großmachtgelüsten des russischen Diktators“

und erklärte:

„Dieser Krieg ist der Anfang des Endes von Wladimir Putin.“

Später ergänzte er:

„Auch ich habe große Zweifel daran, dass Wladimir Putin ernste Friedensgespräche will.“

Und 2023 erklärte er:

„Putin hat uns belogen und betrogen.“

Bemerkenswert ist dabei weniger jede einzelne Aussage für sich als das Gesamtbild, das daraus entsteht. Putin wird als Diktator, als Lügner, als Betrüger, als von imperialen Großmachtfantasien getriebener Politiker und als Gegner ernsthafter Friedensverhandlungen beschrieben. Damit werden nahezu alle klassischen Elemente moderner Dämonisierung bedient: Personalisierung, Moralisierung, Kriminalisierung und die Darstellung des Gegners als grundsätzlich friedensunwillig.

Die Frage, ob diese Darstellung der Realität gerecht wird, ist dabei eine andere. Festzustellen ist jedoch, dass auch hier nicht primär über politische Interessen oder geopolitische Konflikte gesprochen wird, sondern über den Charakter und die angeblichen persönlichen Motive einer einzelnen Person.

Noch deutlicher formulierte es Wolodymyr Selenskyj in seinem offenen Brief an Putin Anfang Juni 2026:

„Dieser Krieg ist Ihre persönliche Entscheidung – ein Krieg ohne wirklichen Grund.“

Diese Aussage verdient besondere Aufmerksamkeit, denn sie geht weit über die Feststellung hinaus, dass Russland die Ukraine angegriffen hat. Selenskyj erklärt den Krieg nicht als Folge geopolitischer Spannungen, historischer Entwicklungen oder konkurrierender Sicherheitsinteressen. Vielmehr wird der gesamte Konflikt auf den persönlichen Willen Putins zurückgeführt.

Der Brief beginnt zudem nicht mit einem Verhandlungsangebot, sondern mit einer politischen und moralischen Abrechnung. Selenskyj zeichnet das Bild eines Herrschers, der Russland in einen sinnlosen Krieg geführt habe, der gegen die Interessen seines eigenen Volkes handle und der die Hauptverantwortung für das Leid beider Nationen trage.

Der Brief wurde im Westen vielfach als Friedensangebot dargestellt. Tatsächlich liest sich die erste Hälfte jedoch eher wie eine politische Anklageschrift als wie die Einleitung zu ernsthaften Verhandlungen. Putin wird persönlich für den Krieg verantwortlich gemacht und als das eigentliche Problem dargestellt.

Damit stellt sich die Frage: Beginnt man Verhandlungen, indem man den Gesprächspartner öffentlich anklagt, demütigt und ihm die alleinige Schuld zuschreibt? Oder sorgt ein solcher Ton nicht vielmehr dafür, dass Gespräche gar nicht erst zustande kommen?

Der Brief wirkt weniger wie ein ernsthafter Versuch, Putin an den Verhandlungstisch zu bringen, sondern vielmehr wie ein PR-Instrument für die internationale Öffentlichkeit. Selensky konnte anschließend darauf verweisen, er habe doch Gespräche angeboten. Gleichzeitig war die Ablehnung durch Putin nach Ton und Inhalt des Briefes praktisch vorprogrammiert.

Die eigentliche Zielgruppe des Briefes war nicht der Kreml, sondern die westliche Öffentlichkeit. Westliche Medien konnten die wenigen Passagen zitieren, die nach Verhandlungsbereitschaft klangen – die beleidigenden Passagen ließen sie bewusst weg –, während eine Ablehnung durch Putin anschließend als weiterer Beleg für dessen angeblichen Friedensunwillen präsentiert werden konnte. Deshalb dient der Brief weniger der Diplomatie sondern der politischen Kommunikation mit propagandistischem Zweck.
Billig, Herr Selenskyj!

Dieser Brief zeigt – wie die aufgeführten Äußerungen deutscher Politmarionetten zuvor – ein typisches Merkmal der Dämonisierung. Der Gegner wird nicht mehr primär über seine Politik definiert, sondern über seine Persönlichkeit. Er erscheint als jemand, dessen Handeln nicht durch nachvollziehbare Interessen, sondern durch persönliche Fehlentscheidungen, Machtstreben oder mangelnde Vernunft erklärt wird.

Der Konflikt wird dadurch moralisiert und personalisiert zugleich. Die politische Botschaft lautet nicht mehr: „Russland verfolgt bestimmte Ziele.“ Die Botschaft lautet vielmehr: „Putin ist das Problem.“

„Nichts ist leichter, als die Schuld für alles Übel einem einzigen Menschen zuzuschreiben.“
Leo Tolstoi

Diese Aussagen von Friedrich Merz, Annalena Baerbock, Wolodymyr Selenskyj und andere bellizistische Aussagen europäischer Kriegstreiber wie Keir Starmer, Ursula von der Leyen oder Emmanuel Macron haben eine einheitliche Struktur und ein gemeinsames Ziel: die Personalisierung.

Nachfolgend weitere Aussagen europäischer Politiker als Beispiele für die Personalisierung des Ukraine-Krieges und die Dämonisierung Putins:

Boris Pistorius

„Putin versteht nur die Sprache der Stärke.“

„Putin führt einen Vernichtungskrieg gegen die Ukraine.“

Roderich Kiesewetter

„Putin wird erst aufhören, wenn er gestoppt wird.“

„Putin führt einen imperialistischen Eroberungskrieg.“

„Putin bedroht die gesamte europäische Friedensordnung.“

Die Vorgeschichte des Konflikts verschwindet vollständig aus der Darstellung dieser bellizistischen Politiker und aus dem Blickfeld vieler Bürger. NATO-Osterweiterung, Bürgerkrieg im Donbass, gescheiterte Minsker Vereinbarungen, Sicherheitsinteressen Russlands oder geopolitische Machtfragen spielen keine Rolle mehr.

Alles wird auf eine Person reduziert.

Der Krieg erscheint nicht mehr als Ergebnis komplexer politischer Entwicklungen, sondern als Produkt des Willens eines einzelnen Mannes.

Die politische Wirkung einer solchen Personalisierung ist erheblich. Wer den Eindruck gewinnt, der gesamte Konflikt gehe ausschließlich auf den Charakter oder die Absichten einer einzelnen Person zurück, wird zwangsläufig weniger geneigt sein, strukturelle Ursachen oder politische Hintergründe zu betrachten.

„Massen haben niemals nach Wahrheit gedürstet. Von Tatsachen, die ihnen missfallen, wenden sie sich ab und ziehen es vor, den Irrtum zu vergöttern, wenn der Irrtum sie zu verführen vermag.“
Gustave Le Bon

3. Friedensunwilligkeit: Putin als Feind jeder Verhandlung

Ein weiteres Merkmal von Dämonisierung besteht darin, dem Gegner grundsätzlich jede Friedensbereitschaft abzusprechen.

Der französische Präsident Emmanuel Macron erklärte:

„Putin will keinen Frieden.“

Später bekräftigte er:

„Ich glaube nicht, dass Präsident Putin Frieden will.“

Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte:

„Putin ist derjenige, der dem Frieden im Weg steht.“

Außerdem sagte er:

„Putin zeigt nicht, dass er zum Frieden bereit ist.“

Marie-Agnes Strack-Zimmermann formulierte:

„Putin will keinen Frieden.“

Anton Hofreiter

„Das ist kein Friedensplan.“

„Eine Aufforderung an Wladimir Putin, weitere europäische Länder anzugreifen.“

Der Kern dieser Aussagen besteht nicht darin, dass Verhandlungen schwierig seien oder dass die Positionen weit auseinanderliegen. Vielmehr wird suggeriert, dass Putin grundsätzlich nicht verhandeln wolle – was in meinen Augen definitiv nicht stimmt. Die europäischen Kriegstreiber halten diesen Krieg am Laufen, nicht Putin.

Die politische Konsequenz liegt auf der Hand. Wenn Putin keinen Frieden will, wenn er Verhandlungen blockiert und Diplomatie grundsätzlich ablehnt, dann erscheinen diplomatische Initiativen zwangsläufig als aussichtslos. Die Bereitschaft, nach politischen Lösungen zu suchen, nimmt ab. Militärische Lösungen erscheinen dagegen plausibler. Die Rüstungsindustrie freut sich.

Die Darstellung des Gegners als Friedensfeind zählt seit Jahrhunderten zu den klassischen Werkzeugen der Kriegspropaganda der Bellizisten.

4. Moralische Delegitimierung: Putin als Hindernis für jede Lösung

Die letzte Stufe der Dämonisierung besteht darin, dem Gegner jede moralische Legitimität abzusprechen.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte:

„Russlands Führung trägt die Verantwortung für diesen Krieg.“

Zudem sagte sie:

„Russland verspottet offen diplomatische Bemühungen.“

Auch Selenskyj wählte in seinem offenen Brief eine ähnliche Argumentation:

„Dieser Krieg ist Ihre persönliche Entscheidung – ein Krieg ohne wirklichen Grund.“

Der Kern dieser Aussagen besteht darin, Putin nicht nur politisch, sondern auch moralisch zu delegitimieren.

Nicht unterschiedliche Sicherheitsinteressen stehen einer Friedenslösung im Weg. Nicht geopolitische Konflikte. Nicht konkurrierende Machtinteressen. Vielmehr erscheint Putin selbst als das eigentliche Problem. Der Gegner wird damit vom politischen Akteur zum moralischen Hindernis erklärt. Und mit moralischen Hindernissen verhandelt man nicht – man beseitigt sie.

Die moralische Delegitimierung gehört zu den wirksamsten Instrumenten moderner Kriegsrhetorik.

Fazit

Die Wirksamkeit von Dämonisierung beruht auf ihrer Einfachheit. Komplexe Konflikte sind schwer zu verstehen. Sie erfordern historische Kenntnisse, geopolitisches Wissen und die Bereitschaft, unterschiedliche Perspektiven zu betrachten. Die Masse der Bevölkerung verfügt nur über geringe diesbezügliche Kenntnisse. Ein Feindbild dagegen ist einfach. Wenn Putin der alleinige Schuldige ist, müssen keine weiteren Ursachen untersucht werden. Wenn Putin keinen Frieden will, müssen Verhandlungsangebote nicht ernsthaft diskutiert werden. Wenn Putin irrational handelt, müssen seine Motive nicht verstanden werden. Wenn Putin das personifizierte Problem ist, erscheint jede politische Lösung, die seine Interessen berücksichtigt, verdächtig.

Die Dämonisierung von Gegnern gehört seit Jahrhunderten zum Standardrepertoire der Kriegspropaganda. Sie ersetzt Analyse durch Moral. Sie ersetzt politische Debatten durch emotionale Urteile. Und sie erleichtert es Regierungen, Konfrontation, Aufrüstung und Eskalation gegenüber der eigenen Bevölkerung zu rechtfertigen.

Kritik an politischen Entscheidungen ist legitim. Auch scharfe Kritik. Doch zwischen Kritik und Dämonisierung besteht ein wesentlicher Unterschied. Wer politische Entscheidungen kritisiert, beschäftigt sich mit Handlungen, Interessen und Fakten. Wer dämonisiert, konzentriert sich auf die moralische Verurteilung einer Person.

Die zahlreichen Äußerungen westlicher Politiker über Putin weisen auffällige Gemeinsamkeiten auf. Putin wird als Kriegsverbrecher, Friedensfeind, alleiniger Schuldiger und moralisch verwerflicher Akteur dargestellt. Der Konflikt wird auf seine Person reduziert. Verhandlungen erscheinen dadurch zunehmend sinnlos oder gar unmoralisch.

Die entscheidende Frage lautet nicht, ob man Putin kritisieren darf. Natürlich darf und soll man das. Die entscheidende Frage lautet vielmehr, ob eine demokratische Öffentlichkeit fähig ist, zwischen Kritik und Dämonisierung zu unterscheiden. Je stärker politische Konflikte auf die moralische Verurteilung einzelner Personen reduziert werden, desto schwieriger wird die nüchterne Suche nach Lösungen. Dämonisierung ist eine von Kriegstreibern gewollte Fortsetzung des Krieges mit rhetorischen Mitteln.

In Zeiten zunehmender Aufrüstung und einer politischen Forderung nach größerer „Kriegstüchtigkeit“ sollte die Öffentlichkeit besonders sensibel gegenüber jeder Form der Dämonisierung sein – unabhängig davon, gegen wen sie sich richtet. Frieden entsteht selten dort, wo Feindbilder gepflegt werden. Frieden entsteht dort, wo trotz aller Gegensätze die Bereitschaft erhalten bleibt, die Realität differenziert zu betrachten und mit Gegnern zu sprechen.

Hören Sie auf, Putin zu dämonisieren und sprechen Sie endlich mit ihm, Herr Merz!

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Ende März und Anfang April 2025 wurden meine beiden Bücher
„Die Friedensuntüchtigen“ und „Im Taumel des Niedergangs“ veröffentlicht.

Rezension zu diesem Buch: https://www.manova.news/artikel/abwarts

Rezension zu diesem Buch: https://wassersaege.com/blogbeitraege/buchrezension-die-friedensuntuechtigen-von-uwe-froschauer/

Ende September 2024 erschien das Buch „Gefährliche Nullen – Kriegstreiber und Elitenvertreter“.


Hier der Link zur Rezension des Buches:
https://www.manova.news/artikel/die-nieten-festnageln

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Wissen ist frei – auch wenn das manche eliteinstruierte Politiker und Journalisten anders sehen.

Von Uwe Froschauer

Ja, was gibt es über mich zu sagen.
Ich genoss eine sehr angenehme Kindheit, verbrachte eine äußerst turbulente und ereignisreiche Jugend, und hatte sehr viel Sinn für Unsinn – was sich bis heute nicht geändert hat.

1979 machte ich mein Abi, und 1988 schloss ich mein Studium der Betriebswirtschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität in München mit Diplom ab. Mein vornehmliches Interesse galt der Wirtschaftspsychologie.
Während des Studiums gewann ich neben einem profunden Managementwissen erste Einblicke in psychologische und soziologische Grundlagen und baute diese weiter aus.

Mich interessieren u.a. die unterschiedlichen Fühl-, Denk-, Verhaltens- und Kommunikationsweisen von Mann und Frau. Zu diesem Thema veröffentlichte ich den Titel: Mann und Frau: „Sie verstehen sich nicht, weil sie sich nicht verstehen“, Band 1: „Was Frauen an Männern nervt“.

Meine Leidenschaft, zwischenmenschliche Beziehungen zu beobachten und zu analysieren, sowie die Beschäftigung mit psychologischen, soziologischen, anthropologischen, politischen, ökonomischen, ökologischen und philosophischen Themen prägen meine vielfältigen Schaffensgebiete.

Persönliche Weiterentwicklung im Kontext einer sich verändernden Gesellschaft ist mir ein besonderes Anliegen. Das Buch „Mach nicht mit – entwickle Dich weiter, 12 Wegweiser für ein sinnvolles und erfülltes Leben“ gibt Menschen Hilfestellung, sich aus einer machtorientierten und raffgierigen Welt zu lösen.

Mein Buch „Turbokapitalismus – eine Schmähschrift“, ruft die sozialen und ökologischen Kräfte auf, den Abgang dieses Killerkapitalismus zu beschleunigen.

Die Buchreihe „Vater, Sohn und die Welt“ ist ein reiner Dialog zwischen einem Vater und seinem flügge werdenden Sohn über die wichtigsten Bereiche des Lebens. Band 1 handelt von „Mann, Frau, Liebe, Sex, Prostitution, Beziehung, Ehe“, Band 2 von Wirtschaft und Politik.

Meine politsatirischen Bücher „Weltkasperletheater, Band 1“, und „Weltkasperletheater Band 2: Good Bye Demokratie“ bringen weltpolitisches Geschehen zeitnah auf den Punkt.

Mein erstes Buch zur angeblichen Pandemie „Corona – eine Chance“ erschien Anfang April 2020 zu Beginn des ersten Lockdowns – ein Schnellschuss, da ich bereits zu diesem Zeitpunkt richtigerweise vermutete, dass an der „Krise“ etwas (ober-) faul ist.

Das Buch „Die Verschwörung der Coronaviren“ setzt sich in einer Art Chronik kritisch, faktenbezogen und unterhaltsam mit dem Thema Corona im Rahmen einer Verschwörung der Viren mit dem Ziel „Reduzierung der Menschheit“ auseinander. Bei der Lektüre des Buches darf auch gelacht werden.

Das im Juli 2022 erschienene Buch „1 x 1 = 3 – oder jedes andere gewünschte Ergebnis“, Untertitel „Mathematik, Logik und Widerstand in Corona-Zeiten“ zeigt auf Basis offizieller Statistiken, dass es zu keinem Zeitpunkt eine Pandemie gegeben hat. Des Weiteren geht es auf Widersprüche von Politikern und anderen Interessengruppen, sowie auf verschiedene Formen des Widerstands gegen die Corona-Maßnahmen ein.

Das letzte Buch "Das menschliche Schaf – Massenpsychologie und Manipulation" erläutert anhand von konkreten Beispielen aus den letzten und laufenden Krisen das Phänomen der Massenbildung, sowie Strategien und Techniken der Manipulation, die uns Dinge machen lassen, die wir eigentlich nicht wollen.

Ich gebe Seminare, coache Existenzgründer, und berate Unternehmen. Zum Thema Management schrieb ich 4 Grundlagenbücher und ein Buch zum Bereich Projektmanagement, die auf humorvolle und verständliche Weise die Managementinhalte näherbringen.

Meine Hobbys sind Reisen, viel Sport, insbesondere Kampfsport, Lesen und Schreiben, sowie recht und schlecht Gitarre spielen. Ich liebe Tiere und die Natur, und lerne sehr viel von Kindern.
Die Würde jedes Menschen ist mir sehr wichtig, Begriffe wie Ehre haben für mich einen hohen Stellenwert, und das Leben ist viel zu wichtig, um es zu ernst zu nehmen.
Politisch bin ich eher Mitte links orientiert. Bei wahren Worten ist es mir egal, wer sie ausspricht, gleichgültig welcher politischen Gesinnung entspringend.
Ich werde meine Kraft dem Kampf für eine lebenswerte Zukunft für meine Familie, für mich, für jeden Menschen widmen, für eine Zukunft, die in einem bisher nicht gekannten Ausmaß in Gefahr ist.

Ich wünsche euch viel Spaß mit meinen Beiträgen, und hoffe, dass ihr die eine oder andere neue Erkenntnis gewinnt.

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